Sonntag, 3. Januar 2016

REZENSION: "Zurück nach Tara" (Kate Alcott)

Copyright Suhrkamp Insel Verlag

Titel: Zurück nach Tara

Autor: Kate Alcott

Genre: Historischer Roman / Liebesroman

Verlag: Suhrkamp Insel Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 381

ISBN: 978-3458361213


Inhalt:

Los Angeles, 1939: Die junge Julie Crawford hat gerade ihren College-Abschluss gemacht und ist nach Hollywood gekommen, um eine berühmte Drehbuchautorin zu werden. Ihre Karriere beginnt sie als Schreibkraft unter dem großen Produzenten David O. Selznick, der in Culver City gerade sein Meisterwerk dreht: "Vom Winde verweht" mit Clark Gable und Vivien Leigh in den Hauptrollen. Durch einen Zufall lernt Julie Gables Lebensgefährtin, die exzentrische Schauspielerin Carole Lombard, kennen und taucht als deren Assistentin ein in die glamouröse Welt Hollywoods. Während "Vom Winde verweht" allmählich Gestalt annimmt, setzt Julie alles daran, um ihrem großem Traum näher zu kommen und lernt gleichzeitig den charmanten Andy Weinstein kennen, in den sie sich nach und nach verliebt...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover hat mich sofort neugierig auf Alcotts Roman gemacht, weil es mich an das glamouröse Hollywood erinnert und Lust macht auf eine große Geschichte vor dem Hintergrund der Stadt der Träume. Es passt wirklich hervorragend zur Handlung und macht mit der eleganten Frau im Vordergrund außerdem deutlich, dass der Roman eine starke Heldin als Protagonistin hat.

Meine Meinung:

Ich muss zugeben, dass ich "Vom Winde verweht" - den kommerziell erfolgreichsten Film aller Zeiten - noch nie gesehen habe, aber um voll und ganz in die Handlung von Zurück nach Tara einzutauchen, ist das auch nicht zwingend notwendig. Auf jeden Fall aber hat Alcotts Roman mir Lust auf diesen anscheinend außergewöhnlichen Film gemacht und ich werde ihn mir auf jeden Fall demnächst ansehen.

Die Thematik des Romans hat mich von Anfang an fasziniert: In Zurück nach Tara blickt man als Leser hinter die Kulissen des historischen Hollywood und hat gleichzeitig das Gefühl, live bei den Dreharbeiten zu "Vom Winde verweht" dabeizusein. Original-Filmzitate und die Beschreibung von einzelnen Szenen verstärken diesen Eindruck noch. Die Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerks ist außerdem auch die Erfolgsgeschichte der zielstrebigen Julie, die das Glück hat, am Set anwesend zu sein und den Film Szene für Szene entstehen zu sehen. 

So eindrucksvoll und interessant es auch ist, die Schauspieler zu begleiten und mitzuverfolgen, welche Widrigkeiten und Geschehnisse die Fertigstellung von "Vom Winde verweht" immer wieder bedrohen, so klischeehaft und wenig originell erschien mir Julies Geschichte. Julie ist eine durchaus selbstbewusste junge Frau, die genau weiß, was sie will, und von Anfang an ihr Bestes gibt, um sich in Hollywood zurechtzufinden und durchzusetzen. Doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass bei ihr alles zu schnell zu gut läuft. Natürlich spiegelt das einerseits vielleicht das wahre, schnelllebige Hollywood wider, wo es jeder zu etwas bringen, aber genauso schnell auch tief fallen kann, aber wenn das die Intention der Autorin war, dann hat sie es nicht geschickt genug umgesetzt. Julies Geschichte entspricht einfach zu sehr dem Klischee des Prinzips "Vom Tellerwäscher zum Millionär" und man fragt sich als Leser wiederholt: Kann man ein solches Glückskind sein? Man kauft es der bodenständigen Julie irgendwie nicht wirklich ab.

Faszinierender als Julie fand ich da schon eher die Figuren Carole Lombard und Andy Weinstein. Carole ist eine durchsetzungsfähige, äußerst toughe Frau, die jeder Rückschlag nur noch stärker macht und die mich mit ihrem eisernen Willen und ihrer Fähigkeit, das glamouröse Hollywood zu durchschauen, wirklich beeindruckt hat. Sie ist meiner Meinung das Herz des Romans. Auch Andy als Julies Liebhaber fand ich großartig, weil er ein Mann mit Schwächen und Fehlern ist, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft unter dem Weltgeschehen leidet und der seine Gefühle und Gedanken offen zur Schau stellt. Er hadert immer wieder mit sich und seiner im Gegensetz zu der der europäischen Juden bevorteilten Stellung hadert und so auch mit seinen Gefühlen zu Julie einfach nicht ins Reine kommt.

Das Problem an Zurück nach Tara ist, dass der Roman so vieles sein will und so vieles in sich vereint. Da wäre die Entstehungsgeschichte von "Vom Winde verweht", Julies Kampf um eine Stelle als Drehbuchautorin, die Liebesgeschichte zwischen ihr und Andy, der Versuch, das historische Hollywood als zweischneidiges Schwert darzustellen - und das alles vor dem Hintergrund des Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Als Leser fällt es einem schwer, sich auf eines dieser Themen zu konzentrieren beziehungsweise die verschiedenen Handlungsstränge miteinander in Einklang zu bringen. Das geht leider auf Kosten der wunderbaren Atmosphäre, die Alcott mit ihrer Beschreibung des historischen Hollywood zu erzeugen versucht. Die einzelnen Handlungsstränge wirkten auf mich eher lose und unverknüpft, was ich sehr schade finde, da Alcotts Geschichte eigentlich großes Potenzial hat.

Mit Alcotts Schreibstil bin ich hingegen recht schnell warm geworden. An einigen wenigen Stellen liest sich die Geschichte zwar etwas sperrig und unbeholfen, im Großen und Ganzen aber wirklich gut und flüssig. Alcotts Worte haben mich vielleicht nicht immer völlig mitgerissen, oftmals aber schon in die faszinierende Welt Hollywoods entführt. In dieser Hinsicht ist Zurück nach Tara also ein recht solider Roman. Das lässt sich auch in Bezug auf das Ende sagen, das meiner Meinung wirklich gut zur Geschichte passt.

Mein Fazit:

Zurück nach Tara klang wirklich vielversprechend und zeichnet in vielerlei Hinsicht ein faszinierendes und interessantes Bild des historischen Hollywood. Völlig überzeugen konnte mich der Roman allerdings nicht, was vor allem daran liegt, dass Alcott derart viele verschiedene Themen auf die Seiten presst, die für meine Begriffe nicht überzeugend genug bearbeitet und miteinander verknüpft wurden. Ich wusste nie, worauf ich mich konzentrieren sollte, und konnte auch mit der übermäßig vom Glück bevorteilten Julie als Protagonistin nicht viel anfangen. Als stummer Beobachter die Dreharbeiten zu "Vom Winde verweht" mitzuverfolgen hat mir wiederum wahnsinnig gut gefallen. Der Roman hat einiges an Potenzial, ist aber letztlich nicht so außergewöhnlich wie der Film, auf den er Bezug nimmt.



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