Mittwoch, 6. Januar 2016

REZENSION: "Regenbogentänzer" (Nicole Walter)

© Droemer Knaur
Titel: Regenbogentänzer

Autor: Nicole Walter

Genre: Roman

Verlag: Droemer Knaur

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (9,99€)

Seiten: 352

ISBN: 978-3-426-51550-1


Inhalt

Die verzweifelte Suche nach einem Job führt die einstige Tänzerin Milena in das “Regenbogenhaus”, einer Einrichtung für Menschen in psychiatrischer Behandlung, die nicht mehr allein ihr Leben bestreiten können. Spontan bietet ihr der Psychologe Phil eine Anstellung als Tanztherapeutin an, die sie annimmt. Während sie versucht, den Patienten die Schritte beizubringen, ohne dabei in deren persönlichen “Tanzbereich” vorzudringen und damit eine körperliche Distanz zu wahren, nähert sie sich ihnen emotional immer mehr an. Dabei lernt sie nicht nur etwas über sie, sondern auch über das Leben und über sich selbst. 


Cover


Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut, da es schillernd und farbenfroh ist. Die Gestaltung passt wunderbar zum Titel und ist ein wahrer Blickfang.

Meine Meinung



An die Lektüre von Regenbogentänzer bin ich relativ unvoreingenommen herangegangen. Der Klappentext klang zwar ganz gut, aber es war kein Must-Have für mich. Umso positiver war ich von einigen Aspekten des Romans dann überrascht
Erstens gefiel mir das ganze Gerüst, auf dem die Geschichte aufbaut, d.h. der Überlegungen, die ihr zugrunde liegen. Nicole Walter spricht das aus, was ich mir schon öfter gedacht habe: Wer entscheidet darüber, was normal ist? Haben wir nicht alle mehr oder minder stark ausgeprägte Psychosen? Wo ist die Grenze zur “Abnormalität”, die einer therapeutischen oder medikamentösen Behandlung bedarf? Wir grenzen Menschen aus, stecken sie in Schubladen mit Labels wie “depressiv”, “psychotisch” oder “verhaltensgestört”, ohne dabei in Betracht zu ziehen, dass es 1. meist eine Ursache für dieses Verhalten gibt und 2. dass wir, aus der Perspektive eines anderen betrachtet, vielleicht selbst ungewöhnlich denken und handeln. Vielleicht sind es ja wir, die nicht “normal” sind?!
Zweitens mochte ich, dass hier die Realität nicht beschönigt wird. Wenngleich Regenbogentänzer sehr einfach und verständlich geschrieben ist, ist das Thema schwerer verdaulich und weitaus ernster. Fast schon kritisch setzt sich Nicole Walter mit dem Gebiet der psychischen Erkrankungen und der Reaktion und dem Umgang der Gesellschaft mit diesen “erkrankten” Menschen auseinander. Dabei geht sie gleichermaßen feinfühlig und schonungslos vor. Der Wermutstropfen war für mich an der Stelle lediglich die Verkettung und Gestaltung der einzelnen Sätze. Manchmal waren sie nur kurz und wirkten daher abgehackt und gehetzt, dann wiederum gab es schöne anschauliche Beschreibungen. Dieser ständige Wechsel erschwerte es mir, mich ganz auf Milena einzulassen. Aus diesem Grund und weil ich manche ihrer Gedankengänge nicht recht nachvollziehen konnte und sie mir häufig zu plötzlich zwischen Optimismus und Vitalität einerseits und Hoffnungslosigkeit, Melancholie und Zukunftsängsten andererseits gewechselt hat, war sie für mich nicht die Identifikationsfigur, die ich in einer Protagonistin suche. Das heißt aber keineswegs, dass sie nicht ihre Vorzüge gehabt hätte. Beispielsweise war ich von ihrer direkten Ader oder ihrem leidenschaftlichen Einsatz für Personen, die ihr am Herzen liegen, immer begeistert. Die Bewohner des Regenbogenhauses hingegen habe ich fast sofort ins Herz geschlossen, auch wenn manche davon nur schemenhaft skizziert sind und es bei manchen Leuten - insbesondere Christopher mit seinem Kaktus - wahrlich nicht einfach war. Umso mehr respektiere und bewundere ich Menschen wie Phil, die sich als Psychiater immer wieder mit Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen auseinandersetzen und daran nicht verzweifeln. Um ehrlich zu sein, war er für mich sogar das Beste am ganzen Buch, denn seine Art und seine Lebensphilosophie haben mir einfach am meisten zugesagt. 
Das Ende war für mich soweit zufriedenstellend, auch wenn es etwas unerwartet plötzlich erfolgte.


Fazit



Mit Regenbogentänzer hat Nicole Walter einen Roman über Toleranz und Akzeptanz, über Umdenken und über die Problematik des Neuanfangs geschaffen. Er stimmt nachdenklich, da sie für den ein oder anderen eher unliebsame Gedanken ausspricht. Lediglich der für mich gewöhnungsbedürftige Schreibstil und die etwas unnahbare Hauptfigur Milena haben mein Lesevergnügen getrübt.



Mein ausdrücklicher Dank geht an den Verlag Droemer Knaur für dieses (überraschend zugesandte) Rezensionsexemplar! Ich habe mich sehr über die Post gefreut :)

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