Donnerstag, 28. Januar 2016

REZENSION: "Die geheime Liebe der Charlotte Brontë" (Jolien Janzing)

Copyright LangenMüller Verlag
Titel: Die geheime Liebe der Charlotte 
Brontë

Autor: Jolien Janzing

Genre: Historischer Roman / Liebesroman

Verlag: LangenMüller

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Hardcover (22,00 €)

Seiten: 320

ISBN: 978-3784433875


Inhalt:

Das beschauliche Leben als Pfarrerstochter im ländlichen England ist der wissbegierigen Charlotte nicht genug: Sie will mehr erreichen und schmiedet deswegen einen Plan. Zusammen mit ihrer Schwester Emily reist sie nach Brüssel, um im angesehenen Pensionat von Frau Claire Heger ihr Französisch zu verbessern und all die Künste zu erlernen, die eine Dame von Welt ausmachen. Denn Charlotte hat vor allem ein Ziel: Sie will eine erfolgreiche Schriftstellerin werden! Während Emily sich in der großen Stadt kaum zurechtfindet und sich nach den Weiten Englands sehnt, blüht Charlotte in Brüssel erst richtig auf und genießt ihre Streifzüge mit dem Lehrer Constantin Heger. Bald schon jedoch verliebt sie sich in den verheirateten Familienvater, obwohl sie weiß, dass diese Liebe nicht sein darf. Gleichzeitig macht ihr auch der gutaussehende Arbeiter Emile Avancen und Charlotte muss sich entscheiden...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover hat mich wirklich neugierig auf Jolien Janzings Roman gemacht, weil es einen sofort in eine andere Zeit versetzt und man sich unwillkürlich fragt, was wohl geschieht, wenn die elegante Dame im Vordergrund sich umdreht. Für mich strahlt das Cover etwas Geheimnisvolles und Rätselhaftes aus - so wie auch die Geschichte der großen Schriftstellerin Charlotte Brontë

Meine Meinung:

Asche auf mein Haupt: Jane Eyre habe ich bisher nicht gelesen (kommt aber noch, ganz sicher), interessiert hat mich Charlotte Brontë aber trotzdem. Dieses Jahr feiert die Literaturwelt nämlich den 200. Geburtstag der großen britischen Schriftstellerin und da passt Jolien Janzings Roman Die geheime Liebe der Charlotte Brontë ja unheimlich gut. Sehr zu meiner Freude habe ich das Buch dann bei einer Leserunde auf Lovelybooks.de gewonnen und mich sofort Kopf über in die Lektüre gestürzt.

Leider bin ich von Anfang an nicht sehr gut in die Handlung reingekommen. Das lag vor allem an dem doch etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, denn in Janzings Roman gibt es einen allwissenden Erzähler, der den Leser explizit und vor allem im ersten Drittel extrem häufig anspricht. Manchem mag das gefallen, meinen Geschmack trifft diese Art des Erzählens allerdings so gar nicht. Es erinnerte mich an einen Reiseführer und ich fühlte mich schon fast belästigt von dem penetranten Erzähler, der mich krampfhaft auf jedes noch so kleine Detail aufmerksam zu machen versuchte. Das hat meiner Leselust einen gehörigen Dämpfer verpasst. Man hatte das Gefühl, aus der Vogelperspektive auf das Geschehen hinabzublicken - ich bin eben eher ein Leser, der gern mitten in der Handlung ist, Seite an Seite mit dem Protagonisten geht.

Ein weiteres Problem: Der Erzähler schweift gerne ab, ergeht sich in seitenlangen Schilderungen von Landschaften und betrachtet auch Neben-Handlungen, die für die eigentliche Geschichte im Prinzip irrelevant sind. So werden dem Leser essentielle Dinge, wie z.B. der Grund für Charlottes und Emilys Reise nach Brüssel, bis zum Ende verschwiegen und man hätte eigentlich gerne mehr erfahren, um der historischen Persönlichkeit Charlotte Brontë einfach näher zu sein. Doch auf diese konzentriert sich Janzing leider nicht ausschließlich, sondern sieht sich genötigt, ihre Leserinnen zusätzlich mit Anekdoten zum belgischen König und seiner Mätresse zu unterhalten. Einerseits gibt das Einblick in die gesellschaftlichen Umstände des 19. Jahrhunderts und die Rolle der Frau zu jener Zeit, andererseits ist es aber auch einfach unnötig. König Leopolds und Arcadies (seine Gespielin) Geschichte nimmt im Verhältnis zur eigentlichen Handlung rundum Charlotte zu viel Raum ein - was einfach schade ist, weil man das Gefühl hat, dass hier nur Seiten gefüllt werden sollten. Das Lesen erleichtert haben auch nicht gerade die extremen Zeitsprünge, die immer wieder auftauchen und als solche leider nicht gekennzeichnet werden. Um das Ganze übersichtlicher zu gestalten, hätte Janzing ganz einfach mit Daten arbeiten können. So kam man des Öfteren durcheinander und hatte das Gefühl, dass hier eine Menge ausgelassen wird.

Man muss sagen, dass der Roman ab dem zweiten Drittel deutlich spannender wurde. Endlich kam die Autorin zum eigentlichen Thema: Charlottes Unterricht am Pensionat Heger in Brüssel und ihre Liaison mit dem verheirateten Lehrer Constantin Heger. Leider kann man Charlottes Verliebtheit und die darauf folgende Beziehung mit Constantin nicht wirklich nachvollziehen: Beide Figuren waren mir einfach irgendwie unsympathisch. Bei Charlotte, die eigentlich eine wissbegierige, selbstbewusste, bisweilen aber auch unsichere junge Frau ist, liegt das vermutlich daran, dass sie dem Leser unnahbar erscheint und dass sie einfach nur flach gezeichnet ist. Constantin Heger macht hingegen den Eindruck eines schmierigen, unansehnlichen Lustmolchs und man fragt sich: Was zur Hölle will Charlotte von ihm? Hier hätte die Autorin mit mehr Sensibilität auf ihre Hauptfigur eingehen und tiefer ergründen müssen, wie sich ihre Gefühle entwickeln und vor allem woraus. Erstaunlicherweise gibt der Klappentext eine mögliche Antwort: Laut diesem bewundert Charlotte ihren Lehrer für sein gesellschaftliches Engagement, wovon im Text allerdings nie die Rede ist. Merkwürdig. Auch die Episode mit Emile wirft Fragen auf und wirkt einfach nur "drüber geschoben", um noch ein bisschen Spannung in die Geschichte zu bringen. Was leider nicht funktioniert.

Charlotte - und auch die Mehrheit der übrigen Charaktere - ist mir auch nach der Lektüre noch ein Rätsel. Ich konnte mich nicht mit ihr identifizieren, hatte keinen Zugang zu ihr und konnte ihr Handeln kaum bis gar nicht nachvollziehen. Ich bin sicher, dass die historische Charlotte Brontë keineswegs so war, dass es Jolien Janzing aber einfach nicht gelungen ist, ihr gerecht zu werden. Das ist wirklich schade, denn Potenzial hätten sowohl die Geschichte als auch die Charaktere eigentlich gehabt. Und da Janzing ja nun einen Roman schreiben wollte und keine Biografie bzw. kein Sachbuch, hätte sie auch die stilistischen Mittel zur Verfügung gehabt, um Charlottes Geschichte spannender und berührender zu gestalten. Welche wiedergebenen Fakten und Geschehnisse historisch belegt sind und welche nicht, kann man bei einem Roman so oder so nicht nachvollziehen, was auch einfach nicht notwendig ist. Denn wie gesagt: Wenn ich mich einfach nur informieren möchte, lese ich ein Sachbuch.

Abschließend kann ich aber auch noch ein paar positive Dinge zum Roman sagen: Zum Einen gefällt mir die Gestaltung sehr gut. Insbesondere das Cover, vor allem aber die historische Straßenkarte von Brüssel und die Personen-Übersicht machen etwas her. Sicherlich ist der Roman auch gut recherchiert: Janzing zeichnet ein authentisches Bild der Stadt Brüssel in der Mitte des 19. Jahrhunderts und gibt einen interessanten Einblick in das alltägliche Leben in jener Zeit. Uninteressant ist der Roman somit keinesfalls, nur eben absolut nicht das, was man angesichts des Titels und der Aufmachung erwartet.

Mein Fazit:

Wer an Jolien Janzings Roman ganz unvoreingenommen und ohne allzu große Erwartungen herangeht, der findet in ihm ein authentisches Porträt des Lebens im Belgien des 19. Jarhunderts - mehr aber leider auch nicht. Die geheime Liebe der Charlotte Brontë bleibt oberflächlich, ist stellenweise sehr sperrig erzählt und folgt keinem erkennbaren roten Faden. Für mich ist das sehr schade, da ich mir von dem Buch einen Einblick in das Leben dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit und eine spannende, unterhaltsame Geschichte erhofft habe. Beides konnte mir Janzings Werk nicht geben und so bleibt Charlotte Brontë ein Geheimnis für mich und ich stelle mir die Frage: Was nur wollte Janzing mir mit ihrem Roman sagen?


     

4 Kommentare:

Martina hat gesagt…

Us...ich bin auch bei der LR dabei und habe leider erst angefangen. Da mein vorheriges Buch für eine LR nicht und nicht ankommen wollte, war ich dort shcon die Letzte und musste es gleich lesen. Na, da bin ich mal gespannt....angefangen habe ich ja schon.
Liebe Grüße
Martina

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu :)

Und wie gefällt dir das Buch bis jetzt? Ich hatte mir echt mehr erwartet und war am Ende recht enttäuscht. Aber es kann einem ja nicht immer alles gefallen :)

Liebe Grüße
Svenja

sandy hat gesagt…

Wie schade, dabei gibt es da wirklich so viel Potential! Ich hab mal zufällig eine tolle Reportage über die Brontë Schwestern gesehen und glaube auch nicht, dass Charlotte wirklich so war wie in diesem Buch. Deine Kritik kann ich gut nachvollziehen! Aber naja, nicht jeder kann gute historische Romane schreiben... Falls dich so etwas interessiert kann ich dir aber "Berlin Feuerland" empfehlen, das hat mich positiv überrascht :)
Allerliebste Grüße, Sandy ❤

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Sandy :)

Danke für den Tipp, von dem Buch hab ich ja noch gar nix gehört - das werd ich mir mal anschauen :)

Liebe Grüße
Svenja

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