Samstag, 30. Januar 2016

REZENSION: "Der Hut des Präsidenten" (Antoine Laurain)

Copyright Atlantik Verlag

Titel: Der Hut des Präsidenten
Autor: Antoine Laurain
Genre: Roman
Verlag: Atlantik / Hoffmann und Campe
Sprecher: Stéphane Bittoun
Erscheinungsjahr: 2016 
Format: Hörbuch (19,99 €), HC, eBook
Länge: 312 Minuten (240 Seiten)
ISBN: 978-455240139


Inhalt: 

Als der französische Präsident seinen Hut in einem Café liegen lässt, nimmt die Geschichten ihren Lauf. Sein Tischnachbar setzt ihn auf und nimmt ihn mit - und prompt ändert sich sein gesamtes Leben. Doch dabei bleibt es nicht: Der Hut des Präsidenten wandert von Kopf zu Kopf und ganz egal, wo er sich gerade befindet: Er bringt seinen momentanen Besitzer weiter nach vorn. Endlich mit dem alten Leben abschließen, die Karriereleiter hinaufsteigen, nach einer langen Schaffenskrise wieder neuen Mut fassen: All das ist möglich - mit dem Hut des Präsidenten auf dem Kopf...



So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mit ausgesprochen gut, weil es für mich (so wie auch der Roman selbst) Unbeschwertheit und Leichtigkeit verkörpert und einen sofort an Frankreich erinnert. Das liegt zum Einen natürlich an dem Eiffelturm im Vordergrund, aber auch an dem roten, sehr dominanten Hut, der schwungvollen Schriftart und dem hellblauen Hintergrund - all das symbolisiert für mich irgendwie die französische Lebensart.

Meine Meinung:

Der Hut des Präsidenten war mein erstes Buch von Antoine Laurain und ich war sehr gespannt, ob der französische Autor mich mit seinem Roman würde begeistern können. Deswegen möchte ich mich vorab schon mal herzlich beim Atlantik bzw. Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar in Form eines Hörbuchs bedanken.

Geschichte und Erzählstil:

Die Handlung hat mich direkt von der ersten Seite an angesprochen: Es geht um einen Hut - genauer gesagt, den Hut des französischen Präsidenten Mitte der 1980er Jahre -, der beinahe magische Fähigkeiten zu besitzen scheint. Ein verwunschenes Objekt, das dem, der es findet und trägt, Glück bringt und ihm die Kraft gibt, sein Leben von Grund auf zu ändern und sein Schicksal endlich in die eigene Hand zu nehmen. Der Hut verleiht seinem jeweiligen Träger neues Selbstbewusstsein, macht ihn wagemutig und kühn und ist für ihn die lang ersehnte Möglichkeit, endlich aus dem alltäglichen Trott auszubrechen. Der Hut hat also sehr starken Symbolcharakter und der Gedanke hat mir von Anfang an außerordentlich gut gefallen. Schön ist auch, dass er natürlich nicht wirklich magische Fähigkeiten besitzt, sondern dem aktuellen Finder nur den oft zitierten "Stoß in die richtige Richtung gibt": Er bringt den Stein sozusagen ins Rollen, was dann folgt, schafft derjenige aus eigener Kraft.

Beim ersten Träger, der den Hut in der Brasserie an sich nimmt, in der ihn der Präsident hat liegen lassen (note: Es tut mir leid, dass ich hier nicht mit Namen arbeite, aber da ich die französische Sprache nicht beherrsche und den Text ja gehört und nicht gelesen habe, würde bei dem Versuch hier nur Kauderwelsch stehen :D), erklärt sich seine Wirkung noch dadurch, dass er weiß, dass das der Hut des Präsidenten ist. Das Leben der späteren Finder verändert der Hut dann vor allem deshalb, weil es nach seinem Fund zur Verkettung zufälliger Geschehnisse kommt. Die Finder lassen immer den Hut das Ruder übernehmen, lassen sich von ihm leiten und sehen einfach, wohin er sie bringt. Dieser Aspekt ist nicht nur irgendwie romantisch und träumerisch, sondern auch äußerst amüsant und unterhaltsam.

Das Ganze läuft in etwa so: Stellt euch vor, ihr findet einen blauen Hut. Dieser blaue Hut gefällt euch, aber er passt so gar nicht zu eurer roten, ausgenudelten College-Jacke. Da es ohnehin endlich mal Zeit für eine Veränderung ist, werft ihr die College-Jacke in die Tonne und macht euch mit dem Hut im Gepäck auf zum nächsten Kaufhaus, um eine neue, schickere Jacke zu erwerben. In der Abteilung für Anzüge und Jacketts seht ihr euch gerade ein besonders schönes Exemplar an, als euch eine junge Frau anspricht und euch um eure Meinung bittet, welche Krawatte sie ihrem Vater schenken soll. Ihr beratet sie, kommt mit ihr ins Gespräch und ladet sie schließlich zum Mittagessen ein...und so weiter.  

Was der Hut so alles auslöst und nach sich zieht, das verrate ich in meiner Rezension natürlich nicht, aber, ich kann euch versprechen, dass es äußerst originell ist und einen ein ums andere Mal zum Schmunzeln bringt. Vor allem, wenn man an einem grauen Mittwoch Morgen um 7.30 Uhr im eiskalten Auto sitzt und sich auf dem Weg zur Arbeit durch den zähen Stadtverkehr schlängelt. Mir hat die Geschichte auf jeden Fall jedes Mal ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Außerdem konnte man ihr dank der einzelnen Episoden sehr leicht folgen. Das Bindeglied zwischen diesen Abschnitten und den handelnden Charakteren ist natürlich der Hut und ich fand es schön, dass sich die Wege der Charaktere doch ab und an kreuzten. Nur gegen Ende kam ich ein wenig durcheinander, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Reihenfolge beim Rüberschieben der CD auf meinen Stick durcheinander gekommen ist oder tatsächlich so war: Es kam mir plötzlich ziemlich konfus vor. Aber da ich wie gesagt nicht weiß, ob das nicht doch an der Technik lag, fließt das natürlich nicht in die Wertung mit ein. 

Abgesehen von der originellen und leicht verdaulichen Geschichte, lädt auch Laurains Erzählstil, dem ich ja mit dem Hut des Präsidenten zum ersten Mal begegnet bin, zum Wohlfühlen und Träumen ein. Beim Autofahren muss man wirklich aufpassen, dass man sich an der Ampel nicht versehentlich nach Paris träumt und dann die Grünphase verpasst :D Besonders schön fand ich es auch, dass Laurain die französische Lebensart so authentisch und bildlich darstellt. Straßennamen, Sehenswürdigkeiten, Cafés und Brasserien und spezielle Speisen tauchen im Text immer wieder auf und so kann man sich den Schauplatz der Handlung hervorragend vorstellen. Lediglich als der Hut seinem letzten Träger in die Hände fiel, habe ich irgendwie abgeschaltet, da mir der Erzähler hier etwas zu sehr abgeschweift ist und mir die Lebensgeschichte dieses Finders nicht besonders interessant erschien. Das Ende aber war wieder absolut gelungen und einfach zauberhaft. Hier gibt der Erzähler einen Ausblick darauf, wie sich die Leben der verschiedenen Personen weiterentwickeln, was mir unheimlich gut gefallen hat.     

Sprecher:

Gelesen wird Der Hut des Präsidenten von Stéphane Bittoun, den ich als Sprecher noch nicht kannte. Bittoun hat eine sehr tiefe, angenehme Stimme, die einen irgendwie an die Märchenerzähler aus der Kindheit erinnert und einen komplett in die Geschichte eintauchen lässt. Er liest den Roman auf ausgesprochen einnehmende und auch beinahe märchenhafte Art und es tut einfach gut und macht unheimlich viel Spaß, ihm zuzuhören. Was ich auch sehr gut finde: Stéphane Bittoun ist französischer Muttersprachler und spricht die französischen Straßennamen, Begriffe und Name deswegen sehr klangvoll und authentisch aus. Für mich, da ich kein einziges Wort Französisch spreche, war das wirklich eine Wohltat, denn sonst stolpere ich beim Lesen immer über die Vokabeln, weil ich nicht weiß, wie man sie ausspricht. Also auch in dieser Hinsicht ist Der Hut des Präsidenten - vor allem als Hörbuch - sehr zu empfehlen.


Mein Fazit:

Der Hut des Präsidenten ist eine leichtfüßige, sehr atmosphärische und ebenso amüsante wie anrührende Geschichte. Ich mochte Antoine Laurains träumerischen und wirklich angenehmen Schreibstil, seinen Charme und Witz und natürlich die Charaktere, die jeder für sich originell gezeichnet und liebenswert speziell sind. Gegen Ende hin habe ich zwar ein wenig den Faden verloren und mich ab und an beim Abschweifen erwischt, aber insgesamt sind die kleinen Episoden, die auf so wunderbare Weise miteinander verknüpft sind, wirklich sehr unterhaltsam. Auch der Sprecher, Stéphane Bittoun, hat mich mit seiner warmen Stimme und seiner beinahe märchenhaften Art zu erzählen absolut überzeugt. Ein wirklich schönes Buch zum Wohlfühlen und Träumen.


    

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