Sonntag, 17. Januar 2016

REZENSION: "Das Haus der vergessenen Bücher" (Christopher Morley)

Copyright Atlantik Verlag

Titel: Das Haus der vergessenen Bücher

Autor: Christopher Morley

Genre: Roman

Verlag: Atlantik

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 256

ISBN: 978-3455650600


Inhalt:

New York, 1918: In Mr. Mifflins Buchhandlung in Brooklyn können Bücherfreunde nach Herzenslust stöbern, dabei Zigarren rauchen und allerlei Ratschläge von dem etwas verschrobenen Buchhändler selbst erhalten. Bald jedoch scheinen mysteriöse Dinge in der Buchhandlung vorzugehen: Ein Buch verschwindet immer wieder und taucht wieder auf und Mifflins junger Schützling Titania scheint ebenso in Gefahr zu schweben wie der Werbetexter Aubrey, der wider Willen in den Strudel aus geheimnisvollen Geschehnissen hineingezogen wird...


So gefällt mir das Cover:

Das Haus der vergessenen Bücher war ein klassischer Cover-Kauf. Mir gefällt die schlichte Gestaltung mit dem blauen Hintergrund, der geschwungenen Schrift und dem mit Büchern beladenen Fahrrad außerordentlich gut und hat mein bibliophiles Herz direkt höher schlagen lassen.

Meine Meinung:

Unter Das Haus der vergessenen Bücher von Christopher Morley habe ich mir einen geheimnisvollen Roman für Bücherfreunde und Bibliophile wie mich vorgestellt. Zum Teil trifft das auch zu - aber eben nur zum Teil.

Der Schauplatz, nämlich Mr. Mifflins Buchhandlung Parnassus im New Yorker Stadtteil Brooklyn, macht auf jeden Fall den Zauber des Romans aus und ist sozusagen sein Herzstück. Verstaubte Bücherregale bis zur Decke, Zigarrenrauch, der in der Luft liegt, und die antiquarische Atmosphäre haben mein Herz höher schlagen lassen und zeichnen das Bild eines magischen, verwunschenen Ortes, in den man abtauchen und träumen kann. Dazu passen auch der selbst ein wenig antiquarisch anmutende und exzentrische Buchhändler Mr. Mifflin, seine leicht schrullige, aber herzliche Frau und sein alter Hund Boccaccio. Die Figuren und der Buchladen wirken auf jeden Fall sehr stimmungsvoll und haben mich beim Lesen sehr beeindruckt. 

Die beiden anderen Hauptfiguren, die junge Titania und der Werbetexter Aubrey, erscheinen hingegen wie Eindringlinge in diese magische Welt, was sie aber nicht unsympathisch macht. Vielmehr kann man sich als Leser mit den beiden identifizieren und staunt gemeinsam mit ihnen über das kleine Reich von Mr. Mifflin. Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass Aubrey im Laufe der Handlung eine so große Rolle spielen würde, aber gegen Ende richtet sich der Blick des Erzählers mehr auf ihn als auf Mr. Mifflin selbst, was mich manchmal ein wenig gestört hat.

Die Handlung an sich ist leider eher schwach. Von Anfang an weiß man nicht so recht, welche Richtung Morley mit seinem Roman einschlagen möchte und wo die Geschichte den Leser hinführt. So fiel es mir teilweise schwer, mich zum Weiterlesen durchzuringen, was auch an den seitenlangen Dialogen und Monologen und Mr. Mifflins Ausschweifungen über Bücher und Schriftsteller liegt. Nicht, dass es uninteressant wäre, ihm zu lauschen und sich von seinem Eifer und seiner Liebe zu Büchern mitreißen zu lassen, aber es bringt die Handlung irgendwie nicht weiter und so hat man das Gefühl, dass Morley sich einfach nur bemüht, auf jeder Seite seine Liebe zu Büchern zum Ausdruck zu bringen. Was ihm auch gelingt, was aber irgendwann auch einfach überladen wirkt und den Leser leicht erschlägt.

Gegen Ende des Romans wartet schließlich eine Überraschung auf den Leser, mit der man tatsächlich nicht rechnet. Aber irgendwie passt auch diese dann nicht zur Handlung und entzaubert Mr. Mifflins Buchhandlung in gewisser Weise. Da hatte ich mir definitiv mehr erhofft. Insgesamt verliert sich Morley immer wieder in ausschweifenden und detailreichen Ausführungen, was irgendwann ermüdend ist und leider wenig dazu beiträgt, dass sich seine Geschichte spannend liest. 

Der Schreibstil wiederum hat mir sehr gut gefallen, denn er wirkt in gewisser Weise amüsant und vertraut. Der Erzähler bezieht den Leser immer wieder mit ein und spricht ihn direkt an, was einem das Gefühl vermittelt, direkt dabei zu sein. Dabei begleitet man mal Aubrey, mal Mr. Mifflin und mal Titania, was für eine Art Dynamik und Abwechslung sorgt. Leider konnte der Schreibstil aber nichts daran ändern, dass die Handlung stellenweise schlicht langweilig und ermüdend war.

Mein Fazit:

Christopher Morleys Roman Das Haus der vergessenen Bücher ist eine amüsant erzählte Liebeserklärung an die Literatur und verzaubert vor allem mit dem magischen Schauplatz - der verstaubten Buchhandlung von Mr. Mifflin. Auch die Charaktere sind liebenswert und originell, die Handlung ist es allerdings leider nicht. Als Leser hat man die meiste Zeit über keine Ahnung, wohin Morleys Erzählung führt und seitenlange Ausschweifungen und detailreiche Beschreibungen lassen das Ganze langatmig und ermüdend wirken. Somit hat Das Haus der vergessenen Bücher meine Erwartungen enttäuscht - ich hatte mir definitiv mehr erhofft.



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