Mittwoch, 9. Dezember 2015

REZENSION: "Winterglanz" (Elin Hilderbrand)

Copyright Goldmann Verlag

Titel: Winterglanz

Autor: Elin Hilderbrand

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Goldmann Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Klappenbroschur (8,99 €)

Seiten: 288

ISBN: 978-3442483594


Inhalt:

Weihnachten im gemütlichen Winter Street Inn auf Nantucket: Die alljährliche, viel geschätzte Weihnachtsparty der Familie Quinn steht ins Haus, doch irgendwie leidet die festliche Stimmung unter einer Reihe von Problemen, mit denen die Familienmitglieder zu kämpfen haben. Während Familienvater Kelley seine Ehefrau Mitzi inmitten eines innigen Kusses mit dem hiesigen Weihnachtsmann erwischt und seine Exfrau Margaret schon die Koffer für ihren Hawaii-Urlaub gepackt hat, sehnt sich seine Tochter Ava vergeblich nach einem Heiratsantrag ihres langjährigen Freundes. Und auch für die Söhne geht das Jahr anscheinend nicht gut zu Ende: Patrick steht vor dem Scherbenhaufen seines privaten und beruflichen Glücks, Kevin ist kurz davor, die wichtigste Entscheidung seines Lebens zu treffen, und Bart ist mit seiner Einheit in Afghanistan, wo täglich zahlreiche US-Soldaten ums Leben kommen...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover war neben dem Klappentext der Grund dafür, dass ich Winterglanz von Elin Hilderbrand unbedingt lesen wollte. Der Schlitten mit den Kissen, der Laterne und den Schlittschuhen wirkt so schön idyllisch und zusammen mit dem Stechpalmenzweig in der Ecke so winterlich und weihnachtlich, dass man sich direkt auf eine zauberhafte Geschichte freut und außerdem so richtig in Weihnachtsstimmung kommt. Für mich ist das Cover eines der schönsten des Jahres.

Meine Meinung:

Titel, Klappentext und Cover von Elin Hilderbrands Weihnachtsroman haben mich richtig neugierig auf die Geschichte gemacht und ich habe mich auf eine winterlich-weihnachtliche Atmosphäre zum Träumen und Wohlfühlen gefreut. Doch wie hat mir der Roman dann tatsächlich gefallen?

Die Handlung selbst hat wirklich Potenzial. Mit den vielen Dramen und Problemen erinnert sie einen direkt an die klassischen Weihnachtskomödien und Familientragödien. Irgendwie läuft bei Familie Quinn dieses Jahr überhaupt nichts glatt - jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und so geraten die Figuren ein ums andere Mal aneinander, flüchten sich in Alkohol und Selbstmitleid und die große Weihnachtsfeier droht eine Katastrophe zu werden. Als Leser kann man sich auf den ein oder anderen Ausbruch freuen und sich an der skurrilen Familiensituation der Quinns ergötzen. Hinzu kommen amüsante Begebenheiten, große Streitigkeiten und das wunderschöne Winter Street Inn auf Nantucket als idyllischer Schauplatz.

Mit den Charakteren bin ich allerdings überhaupt nicht warm geworden. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven von Kelley, Margaret, Kevin, Patrick und Ava erzählt, was leider zur Folge hat, dass man zwischen den Personen hin und her springt und keinem davon so wirklich nahe ist. Am besten konnte ich mich da noch in Margaret und Ava hineinfühlen, was einfach daran liegen könnte, dass sie Frauen sind. Kelley, Patrick und Kevin werden allerdings eher nüchtern beschrieben und so verschwimmen ihre Gefühle und Gedanken teilweise zu einem Einheitsbrei, aus dem man als Leser nicht mehr so richtig schlau wird. Ich musste dann oftmals zurückblättern und schauen, um welchen der Männer es gerade geht, um der Geschichte noch folgen zu können.

Die bei Weitem interessanteste Person war deshalb für mich - und das ist wirklich erstaunlich und ein brillanter schriftstellerischer Kniff von Hilderbrand - Kelleys und Mitzis Sohn Bart, das Nesthäkchen. Bart ist nicht anwesend, kommt nicht ein einziges Mal selbst zu Wort und ist doch irgendwie der Mittelpunkt der Handlung. Es wird über ihn gesprochen, an ihn gedacht, für ihn gebetet und so wird er zum Fixpunkt der Familie - er hält sie zusammen und ist das fehlende Glied, das alle miteinander verbindet. Das ist mir so in noch keinem Roman begegnet und ist vor allem deshalb so genial und bewegend, weil es zeigt, wie die Familien von Soldaten mit der ungewissen Situation umgehen - vor allem während der Weihnachtsfeiertage.

Trotzdem hat mich Winterglanz insgesamt nicht wirklich mitreißen können. Das liegt nicht nur an den irgendwie nebulösen und oberflächlichen Charakteren, sondern auch an Elin Hilderbrands Schreibstil. Mit diesem bin ich leider überhaupt nicht warm geworden, er war mir einfach zu nüchtern und emotionslos. Mir hat diese magische, weihnachtliche Atmosphäre gefehlt, in die man beim Lesen eintaucht und die ich aus so vielen anderen Weihnachtsgeschichten kenne. Ich hätte mir detailliertere Beschreibungen, große Emotionen und (ja, tatsächlich) längere Sätze gewünscht. Denn Hilderbrands Stil trifft leider überhaupt nicht meinen Geschmack und sorgt dafür, dass es sich manchmal so anfühlt, als würde die Geschichte einfach so runtergerattert, damit sie zu einem Ende kommt.

Das Ende hat mir dann wiederum sehr gut gefallen. Es ist ein offenes und oftmals hat das ja zur Folge, dass man das Buch relativ unzufrieden und unbefriedigt zuklappt, weil man sich irgendwie um ein Happy End betrogen fühlt. Das ist bei Winterglanz überhaupt nicht der Fall. Ohne zu viel verraten zu wollen: Das offene Ende wirkt genau richtig, denn irgendwie hat man als Leser das Gefühl, dass sich alles schon glücklich fügen wird. Natürlich weiß man das nicht und wird es auch nie erfahren, aber man wünscht es sich und so hat man das auch selbst in der Hand.

Mein Fazit:

Elin Hilderbrands Roman Winterglanz konnte meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllen. Zwar haben mir einige Dinge wirklich gut gefallen, zum Beispiel die dynamische Handlung, der wunderschöne Schauplatz Nantucket, der fehlende Bart als Protagonist und Fixpunkt und das offene Ende, aber irgendwie hat es die Geschichte dennoch nicht geschafft, mich völlig mitzureißen und die erhoffte Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Das liegt vor allem an den Charakteren, in die ich mich nicht wirklich hineinversetzen konnte, und an Elin Hilderbrands zu nüchternem Erzählstil, der mir einfach nicht zugesagt hat. Amüsant und unterhaltsam war der Roman aber an vielen Stellen trotzdem und hat mich zumindest ein bisschen auf die Winterzeit eingestimmt.



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