Dienstag, 8. Dezember 2015

REZENSION: "Und Eva sprach..." (Jana Voosen)

Copyright Heyne

Titel: Und Eva sprach...

Autor: Jana Voosen

Genre: Roman / Liebesroman / Humor

Verlag: Heyne

Erscheinungsjahr: 2015 

Format: Taschenbuch (8,99 €)

Seiten: 318

ISBN: 978-3-453-41789-2



Inhalt:


Jetzt reicht's!, denkt sich Evi, nachdem sie fremdgeknutscht und um ein Haar auch fremdgegangen wäre. Sie weigert sich, weiterhin Opfer ihrer Hormone zu sein. Denn obwohl sie ihren Freund Alex von Herzen liebt und sogar ein Kind mit ihm plant, fühlt sie sich zu nahezu jedem gut aussehenden Mann hingezogen. Hilfesuchend wendet sie sich an einen Therapeut, der sie durch Hypnose zu den Wurzeln ihres Problems führen will. Wer hätte gedacht, dass sie in Trance ausgerechnet im biblischen Paradies bei Adam und Eva landen würde? Dort, wo das Übel überhaupt erst seinen Lauf nahm?

Cover


Die Frontgestaltung erregt auf jeden Fall die Aufmerksamkeit des Betrachters. Nicht nur aufgrund des dunklen Magentas, sondern auch, weil der angebissene Apfel sofort Assoziationen zur Bibelsgeschichte und zu Adam und Eva herstellt und schon etwas provokativ ist, da man erwartet, eine neue, erfrischende Sicht auf Altbekanntes präsentiert zu bekommen.

Meine Meinung


Die Ausgangssituation (lüsterne Protagonistin mit Schuldgefühlen; lieber, umwerfender betrogener Freund) bringt jetzt nicht viel Neues und hätte mich wahrscheinlich an sich auch nicht besonders angesprochen. Das Novum ist die Herangehensweise an die Problematik: die Verknüpfung mit dem biblischen "Urschleim" sozusagen und der direkte Transport in das Paradies (wenn auch nur unter Hypnose) eröffnen eine neue Sicht auf unsere Moralvorstellungen. Ich fand es sehr interessant, wie das Konzept der "Freien Liebe" hier aufgegriffen und dargestellt wurde. Es wird hier nicht, wie so häufig, verworfen und verurteilt, sondern im Gegenteil werden hier sogar die Vorzüge aufgezeigt, die diese Partnerschaftsform mit sich bringt. Natürlich war auch ich am Anfang etwas skeptisch und auch weniger gut auf Evi zu sprechen, weil sie einen so tollen Mann wie Alex hintergangen hat bzw. trotzdem an anderen Kerlen interessiert war, aber es liegt - das wird hier ganz klar gesagt - in der Natur des Menschen, sich hin und wieder auch zu anderen hingezogen zu fühlen und Fehler zu machen. Sex darf nicht immer mit Liebe gleichgesetzt werden. Besonders passend fand ich Joshuas Vergleich (Anmerkung: Joshua ist der Nachbar von Evi und Alex und außerdem Alex' Sandkastenfreund): Selbst meine absolute Lieblingsspeise (und ausschließlich diese) würde ich nicht jeden Tag essen wollen. Irgendwann bräuchte ich auch Abwechslung. Klar hat auch eine offene Beziehung Schwachstellen (z.B. Eifersucht), aber die muss jeder selbst für sich abwägen. Jana Voosen will, denke ich, vor allem Offenheit gegenüber von der Norm abweichenden Lebenskonzepten vermitteln und unsere überholten Vorstellungen aufbrechen - und das ist ihr bei mir gelungen
Unter diesen Gesichtspunkten kann den Roman durchaus als gesellschaftskritisch bezeichnen, allerdings ist er unterhaltsam und einfach verständlich geschrieben, sodass man sich nicht vor den Kopf geschlagen fühlt. Besonders da Evi als sympathische Protagonistin zwischen Monogamie und Polyandrie hin und her gerissen ist, hatte man nicht den Eindruck, als würde ein Liebeskonzept favorisiert werden. Das kann der Leser selbst entscheiden.
Die Charaktere - insbesondere Evi - mochte ich sehr gerne, weil ich mich gut in sie hineinversetzen konnte. Insbesondere Gott kommt hier sehr gut weg - nicht nur, weil er Ähnlichkeiten mit George Clooney hat. Er war wahrscheinlich auch der Einzige, dem ich immer positiv gewogen war. Bei allen anderen war es eher ein Wechselbad der Gefühle, speziell Alex hat mit voranschreitender Handlung Minuspunkte gesammelt (warum, bleibt mein Geheimnis).
Dementsprechend war die Lektüre selbst ein ständiges Auf und Ab. Es gab immer wieder Stellen, die ich als langatmig empfand oder an denen ich den Kopf schütteln musste, aber dann folgten wieder Passagen, in denen ich richtig mitgefiebert bzw. mit Evi mitgefühlt habe. Die Handlung wurde mit jeder Seite zunehmend besser. Während sie am Anfang eher wie eine lose Aneinanderreihung von Ereignissen gewirkt hat, haben sie sich bald zu einem gut ineinander übergeleiteten Handlungsstrang zusammengefügt. Hier ist mir besonders positiv aufgefallen, dass Jana Voosen immer genau an den richtigen Stellen ein Kapitel beendet hat: meistens endet es mit einem Knall in Form einer neuen Erkenntnis oder einer (unerwarteten) Wendung, sodass ich immer weiterlesen "musste", selbst wenn ich das Buch eigentlich gerade weglegen wollte. 
Die Platzierung der einzelnen Bibelzitate habe ich allerdings öfter als störend empfunden. Zwar hatten sie einen thematischen Bezug zum Inhalt des Fließtextes, aber meist habe ich sie übersprungen, weil ich nicht aus dem Geschehen herausgerissen werden wollte. 

Fazit


Verbissene Moralisten und Christen sollten von dem Buch wohl ihre Finger lassen, Fans von z.B. David Safier, die gerne etwas skurrile Geschichten mit Humor lesen, könnten hier allerdings auf ihre Kosten kommen. Die Handlung wartet mit einigen guten Twists und vor allem mit gut skizzierten Akteuren auf und bringt einen dazu, (veraltete) Lebenskonzepte zu überdenken, ohne beim Lesen auf Spaß verzichten zu müssen.






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