Dienstag, 22. Dezember 2015

REZENSION: "Passagier 23" (Sebastian Fitzek)

Copyright Droemer Knaur

Titel: Passagier 23

Autor: Sebastian Fitzek

Genre: Thriller / Psychothriller

Verlag: Droemer Knaur

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Hardcover (19,99 €), TB

Seiten: 432

ISBN: 978-3426199190


Inhalt:

Der Polizeipsychologe Martin Schwartz leidet noch immer unter der Tragödie, die vor fünf Jahren sein Leben erschütterte: Während einer Kreuzfahrt verschwanden seine Frau Nadja und sein 10-jähriger Sohn Timmy spurlos. Offiziell heißt es, Nadja habe erst Timmy über Bord geworfen und schließlich Selbstmord begangen.  Doch Martin kann diese Theorie nicht so recht glauben und seine Befürchtungen werden bestätigt, als auf dem Kreuzfahrtschiff - der Sultan of the Seas - ein vor Wochen verschwundenes, offensichtliches stark traumatisiertes Mädchen aufgefunden wird, das ausgerechnet Timmys Teddy im Arm hält. Was geht auf der Sultan vor sich und wieso lösen sich Passagiere immer wieder scheinbar in Luft auf? Um das herauszufinden, geht Martin an Bord und bringt sich damit selbst in tödliche Gefahr...


So gefällt mir das Cover:

Wenn ich ehrlich bin, hat mich das Cover eine Weile lang davon abgehalten, mir das Buch zu kaufen, weil es für mich so extrem nach Schiff und Bootsdrama schrie und ich einfach kein großes Interesse an Schiffen habe. Aber im Prinzip ist es das perfekte Cover, denn schließlich geht es um Vebrechen auf einem Kreutfahrtschiff und da sorgen das Bullauge und das dunkle, aufgewühlte Meer auf jeden Fall für das richtige Feeling.

Meine Meinung:

Eines ist sicher: Nach diesem Buch habe ich noch viel viel weniger Lust, jemals eine Kreuzfahrt zu machen, als sowieso schon. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil ich Schiffe einfach nicht mag und Sebastian Fitzek mir nur bestätigt hat, was ich sowieso schon wusste: Das sind schwimmende Todesfallen und zwar in vielerlei Hinsicht! :D

Schon der Klappentext verrät, dass die Geschichte unheimlich viel Potenzial hat und so taucht man ab der ersten Seite ein in ein Meer aus unaussprechlichen Verbrechen und mysteriösen Vorfällen. Den Grundstein für die Handlung legt das Wiederauftauchen eines vermissten Mädchens, das ebenso rätselhaft ist wie ihr Verschwinden. Wie man es schon aus anderen Fitzek-Romanen kennt, leidet der Protagonist Martin Schwartz unter dem Verlust seiner Frau und seines Sohnes Timmy und hat deswegen ein persönliches Interesse daran, den Geheimnissen des Kreuzfahrtschiffes Sultan auf die Spur zu kommen, vor allem da das vermisste Mädchen Anouk den Teddy seines Sohnes im Arm hält.

Wie gewohnt, kann man nach schon wenigen Seiten nicht mehr mit dem Lesen aufhören: Die Geschichte ist unheimlich spannend und überrascht immer wieder mit unerwarteten Wendungen und zahlreichen Schockmomenten. Das ging bei mir schon los, als Martin Schwartz noch gar nicht auf der Sultan ist, sondern sich für eine verdeckte Ermittlung eigenhändig einen Schneidezahn abbricht - der absolute Horror! Wäre das eine Filmszene gewesen, ich hätte die Augen fest zusammenkniffen. So setzt sich die Handlung fort und es kam bei mir nicht ein einziges Mal Langeweile auf. Schön fand ich deswegen auch, dass die Kapitel verhältnismäßig kurz sind und man relativ schnell merkt, dass am Ende jedes Abschnitts eine Bombe in Gestalt eines Cliffhangers auf einen wartet. Wirklich großartig!

Während des Lesens habe ich mir die verschiedensten Verbrechen und Szenarien ausgemalt, die mit dem Verschwinden der Passagiere zusammenhängen könnten, aber die Auflösung hat mich dann wirklich vom Hocker gerissen. Darauf wäre ich wirklich niemals gekommen und das ist es ja, was einen guten und packenden Thriller ausmacht. Gleichzeitig sorgt Fitzek mit dem Schauplatz (dem Kreuzfahrtschiff auf hoher See) und dem Einstreuen von Fakten (z.B. wie viele Menschen im Durchschnitt jedes Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff verschwiden, nämlich 23) dafür, dass sich während des Lesens ein beklemmendes Gefühl einstellt und man das Grauen fast schon am eigenen Leib spürt.

Mit Martin Schwartz präsentiert Fitzek wieder einmal einen psychisch labilen, aber furchtlosen Hauptcharakter, der vor absolut gar nichts zurückschreckt, weil er nichts mehr zu verlieren hat. Ein Anti-Held, der einem nicht unbedingt sympathisch ist, an dessen Fersen man sich aber sehr gerne heftet, weil man weiß, dass er nichts unversucht lassen wird, auch wenn es ihn sein eigenes Leben kostet. Damit ist Martin Schwartz zwar nicht besonders originell und eher typisch Fitzek, aber das hat mich insgesamt nicht weiter gestört, weil er einfach so gut zur Handlung passt. Besonders gut gefallen hat mir auch die alte Dame, die Schwartz anruft und ihn so auf die Sultan lockt: Sie ist schrullig und verschroben und wirkt auf einen wie ein Spinner, doch am Ende stellt man fest, dass sie doch nicht nur bloß wild herum fantastiert. 

Die Handlung ist insgesamt so rasant, wie man es von einem Fitzek gewohnt ist. Der Erzähler springt zwischen verschiedenen Personen auf dem Schiff hin und her - neben Martin Schwartz sind das zum Beispiel die Bord-Ärztin Elena, die alleinerziehende Mutter Julia und der Kapitän Daniel - und es passiert jede Menge. Manchmal fiel es mir etwas schwer, den Überblick zu behalten - auch deswegen, weil die Namen der Charaktere etwas einfallslos gewählt sind (Martin, Daniel, Lisa, Julia - da kommt super schnell durcheinander). Nach einer Weile hatte ich mich aber an die rasanten Wechsel gewöhnt und muss sagen, dass sie die Handlung von Passagier 23 wenn zwar etwas unübersichtlich, aber auf jeden Fall dynamisch machen. Die verschiedenen Blickwinkel ermöglichem dem Leser eine Rundumsicht, die den Roman ein bisschen wie einen packenden Film wirken lässt.

Bevor ich jetzt zum Ende komme, noch ein Tipp: Lest auf jeden Fall das Nachwort - es lohnt sich, denn am Ende schließt sich der Kreis ... ;)

Mein Fazit:

Passagier 23 ist in guter alter Fitzek-Manier ein klassischer Page Turner, der einen nicht mehr los lässt. Die Geschichte ist haarsträubend, schockierend und mitreißend und damit genau das, was man von einem Thriller erwartet. Trotz meiner Vorbehalte gegenüber Schiffen hat mir der Handlungsort mit der Sultan auf hoher See unheimlich gut gefallen und in mir ein ebenso beklemmendes Gefühl erzeugt wie die grausamen Taten, die sich auf dem Kreuzfahrtschiff ereignen. Die Handlung ist rasant und packend, dabei zwar auch ein bisschen verworren, aber auf jeden Fall spannend und unheimlich dynamisch. Insgesamt hat mich Passagier 23 glänzend unterhalten (und geschockt) und bis auf ein paar Kleinigkeiten vollkommen überzeugt. Deswegen gibt es alle Schriftsteller-Köpfe.


 
   

1 Kommentare:

imandra777 hat gesagt…

Hallo zusammen,

ich liebe die Fitzek- Bücher auch. Vor allem, weil sie spannend sind und ich sie nicht aus der Hand legen kann. Dieses Buch wartet noch auf seine Rezension bei mir, aber die wird auch bald kommen.

Liebe Grüße,
Imandra

www.buechervogel.com

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