Donnerstag, 17. Dezember 2015

REZENSION: "Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks" (Cynthia Hand)

Copyright Harper Collins Germany

Titel: Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks

Autor: Cynthia Hand

Genre: Jugendroman / Drama

Verlag: Harper Collins

Erscheinungsjahr: 2015

Format: gebundene Ausgabe (16,90 €)

Seiten: 320

ISBN: 978-3959670029

Inhalt:

Lexie hat ihren ersten festen Freund, steht kurz vor dem Schulabschluss und hat gute Chancen, am MIT aufgenommen zu werden. Doch plötzlich ändert sich die Gleichung und ihr ganzes Leben gerät aus der Bahn - vom beneideten Mathe-Ass wird Lexie zu dem Mädchen, dessen Bruder tot ist, denn Tyler hat sich umgebracht und niemand weiß, warum. Für Lexie ist es derart unwahrscheinlich, dass sie jemals wieder glücklich sein könnte, dass sie sich nicht nur von ihrem Freund Steven, sondern auch von all ihren Freundinnen distanziert. Sie gibt sich die Schuld an Tys Tod und fragt sich an jedem einzelnen Tag, was passiert wäre, wenn sie auf seine letzte SMS reagiert hätte... 


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir unheimlich gut, weil es so dezent ist und dadurch eher still und ruhig wirkt. Besonders gelungen finde ich die Wahl der Schriftart, die den Titel wie eine Gleichung wirken lässt und direkt die Mathe-Affinität der Protagonistin Lexie aufgreift. Diese außergewöhnliche Gestaltung macht das Cover außerdem zu etwas Besonderem und Interessantem - wirklich toll!

Meine Meinung:

Das Buch hat mich auf der Frankfurter Buchmesse förmlich angelacht und deswegen habe ich mich unglaublich gefreut, dass der Harper Collins Verlag mir ein Rezensionsexemplar zukommen ließ - vielen Dank dafür. :) Es klang nach einem interessanten, tiefgründigen und vielleicht etwas außergewöhnlichen Jugendbuch - und in manchen Punkten ist es tatsächlich so.

Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks erzählt die Geschichte der 18-jährigen Lexie - ein Mathe-Genie, das kurz vor dem Abschluss steht und sich am MIT beworben hat. Als ihr jüngerer Bruder Ty sich kurz vor Weihnachten das Leben nimmt, bricht Lexies Welt wie ein Kartenhaus zusammen. Plötzlich ist sie für alle nur noch das Mädchen mit dem toten Bruder und dass sie all das Mitleid und die vorsichtigen Blicke nicht etragen kann, ist für mich absolut nachvollziehbar. Sie distanziert sich von ihren Freunden und von ihrer ersten großen Liebe und gibt sich nach außen stark, tough und unnahbar. 

Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, erfährt man als Leser jedoch recht schnell, dass Lexie in Wahrheit unheimlich verzweifelt ist und ziemlich nah am Abgrund steht. Sie weiß nicht, wie sie mit dem Verlust und ihrer Trauer umgehen soll und muss obendrein auch noch ihre Mutter stützen, die sich nach Tys Tod völlig aufgegeben hat. Lexies Situation - zu allem Übel hegt sie auch noch einen tiefen Groll gegen ihren Vater, der die Familie für eine Affäre verließ - erscheint trostlos und macht einen als Leser sehr betroffen. Mich haben all ihre Gefühle und Gedanken wirklich mitgenommen und deshalb habe ich auch ungewöhnlich lange für den Roman gebraucht. Man muss sich auf das traurige Thema einlassen, aber manchmal wird es einem einfach zu viel und man braucht eine Pause - in dem Bewusstsein, dass Lexie nicht einfach so eine Auszeit von ihrem Leben nehmen kann.

Insgesamt ist man der Protagonistin Lexie, die eigentlich ein sehr rationaler und aufgeklärter Mensch ist, unheimlich nahe und fühlt auf jeder Seite mit ihr. Sie suhlt sich nicht in Selbstmitleid, sondern kämpft sich wacker durch jeden einzelnen Tag, was sie zu einem unglaublich starken Charakter macht. Durch die eingeschobenen Tagebucheinträge in Kursiv-Schrift erfährt man außerdem viel darüber, was sich in den Monaten vor Tys Selbstmord ereignet hat und begleitet Lexie dabei, wie sie alles Stück für Stück aufarbeitet. Am bedrückendsten waren für mich ihre Schuldgefühle, die im Wesentlichen darauf beruhen, dass sie auf die letzte SMS ihres Bruders nicht geantwortet hat, und die Erinnerung an Ty, der Lexie und ihrer Mutter immer wieder erscheint.

Manchmal hatte ich während des Lesens das Gefühl, dass der Roman in ein anderes Genre - vor allem Fantasy und Thriller - abdriftet und dass hinter Tys Tod doch mehr steckt, als es zu Beginn den Anschein hat. Hand streut immer wieder kleine Hinweise und Elemente ein, die die Handlung trotz des bedrückenden Hauptthemas spannend und dynamisch machen und einen am Ball bleiben lassen, auch wenn man manchmal denkt, dass man vor lauter Trauer am liebsten mit dem Lesen Aufhören möchte. Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks ist schonungslos und ehrlich und zeichnet das Porträt eines jungen Mädchens, das irgendwie mit dem Verlust ihres Bruders umgehen und sein Leben weiterleben muss.

Besonders gelungen finde ich, dass Cynthia Hands Roman sich wirklich im Wesentlichen auf die Beziehung zwischen Lexie und Ty konzentriert und ihren Umgang mit seinem Tod. Er zeigt, wie sich das Leben nach dem Verlust eines geliebten Menschen verändert und welchen Einfluss dieser Mensch auch nach seinem Tod noch auf die Hinterbliebenen hat. Es gefällt mir, dass Lexies Kampf im Vordergrund steht und nicht die Liebesbeziehung mit Steven, was ich angesichts des Klappentextes befürchtet hatte.

In der zweiten Hälfte des Romans geschieht noch einmal etwas ziemlich Unerwartetes (ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern), das ich mir im Nachhinein nicht erklären kann. Ich weiß nicht, wieso es passiert ist, weil es so unwahrscheinlich ist und ich habe keine Ahnung, was Cynthia Hand damit sagen möchte. Ihr werdet sehen, was ich meine :) Aber dieses Ereignis passt überhaupt nicht in die Handlung und es wird auch nicht wirklich erklärt, was dem ansonsten großartigen Roman in meinen Augen einen kleinen Dämpfer verpasst.

Mein Fazit:

Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks von Cynthia Hand ist ein unglaublich trauriger, ehrlicher und schonungsloser Roman, der davon erzählt, auf welch grausame Art und Weise der Tod eines geliebten Menschen einen aus dem Leben reißt und wie schwer es ist, danach in den Alltag zurückzukehren. Lexie ist eine junge Protagonistin, die gleichzeitig stark, tough, tief verletzt und innerlich zerrissen ist. Sie ist einem sehr nahe, was den Roman zu einer wirklich bedrückenden, aber auch schönen und Hoffnung spendenen Geschichte macht. Nur ein Detail hat mir nicht gefallen, da es überhaupt nicht zur Handlung passt - ansonsten habe ich das Buch wirklich gerne gelesen, auch wenn ich manchmal kurz pausieren musste, da mich Lexies Geschichte sonst zu sehr deprimiert hätte.


     

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