Freitag, 20. November 2015

REZENSION: "Wir sind unsichtbar" (Maike Stein)

Copyright Oetinger Taschenbuch

Titel: Wir sind unsichtbar

Autor: Maike Stein

Genre: Jugendroman / Liebesroman

Verlag: Oetinger Taschenbuch

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (8,99 €)

Seiten: 192  

ISBN: 978-3841503091


Inhalt:

Valeska steht auf Mädchen - für sie ist das absolut kein Problem, ihre Klassenkameraden und Eltern müssen eben damit klarkommen. Doch als sie Inken kennenlernt, ändert sich alles. Nach einer Party kommt es zum ersten Kuss zwischen den beiden und bald schon ist klar: Inken und Valeska lieben sich. Doch das darf niemand erfahren! Und so müssen die beiden sich heimlich treffen und aufpassen, dass niemand auch nur etwas ahnt. Wovor nur hat Inken solche Angst?


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir richtig gut, was vor allem an den zwei Mädchen im Vordergrund liegt, die vor der Silhouette Berlins zu verblassen scheinen - das passt hervorragend zum Titel. In manchen Rezensionen wird bemängelt, dass eines der Mädchen zu maskulin und damit zu klischeehaft dargestellt ist. Das finde ich nun gar nicht, denn ich finde nicht, dass es maskulin wirkt. Ich hatte selbst schon oft Kurzhaarschnitte und wage zu behaupten, nicht wie ein Junge ausgsehen zu haben :P Also für mich ist die Darstellung absolut treffend und legitim.

Meine Meinung:

Ein Jugendroman, in dem es um eine lesbische Liebesbeziehung geht, war absolutes Neuland für mich und deswegen war ich so gespannt auf Maike Steins Buch Wir sind unsichtbar, das ich bei einer Leserunde auf Lovelybooks.de gewonnen habe. Ich denke, dass dieses Thema wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte, als das zurzeit noch der Fall ist, und Wir sind unsichtbar ist da ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Im Buch geht es um die Teenagerin Valeska, die sich bereits geoutet hat und fest zu sich und ihrer Homosexualität steht. Nach außen hin ist sie sehr tough und stark, obwohl vor allem das Verhältnis zu ihrer Mutter, die Homosexualität anscheinend für ansteckend hält, nicht das Beste ist. Dass Valeska jedoch auch eine sehr einfühlsame und weiche Seite hat, zeigt sich, als sie Inken kennenlernt. Die beiden kommen sich ziemlich schnell - vielleicht für meinen Geschmack ein bisschen zu schnell - näher und stürzen sich bald Hals über Kopf in eine Liebesbeziehung. Sehr gut gefallen hat mir, dass Stein sehr bildlich und detailliert beschreibt, wie stark sich Valeska von Inken angezogen fühlt. Die Stellen, in denen es um diese Anziehungskraft und um Valeskas Gefühle ging, haben mir insgesamt fast am besten gefallen.

Valeska selbst war mir nicht wirklich sympathisch, obwohl ich sie für ihre Stärke, ihren eisernen Willen und ihren Trotz bewundere. Dennoch ist der Funke irgendwie nicht übergesprungen, was vermutlich daran liegt, dass die Geschichte einfach zu komprimiert ist und noch hätte ausgebaut werden können. Auch in die anderen Charaktere, allen voran natürlich Inken, Valeskas Eltern und ihre beste Freundin Rina, konnte ich mich kaum hineinfühlen. Die Konstellationen sind wirklich gut, insgesamt wurden mir die Konflikte zwischen den einzelnen Personen allerdings fast immer etwas zu schnell und reibungslos gelöst, als dass es glaubwürdig sein könnte. Hier hätte einfach mehr Interaktion und auch mehr Kommunikation kommen können.

Die laufende Handlung wird aufgelockert durch Beiträge zum Thema Homosexualität, die Valeska auf ihrem Blog veröffentlicht, und die Kommentare anderer User dazu. Diese Vorgehensweise finde ich sehr gelungen, da ich das bisher noch aus keinem Roman so kenne, es ja aber absolut zeitgemäß ist und sozusagen die Tagebucheinträge und Briefe, die man aus anderen Büchern kennt, ablöst. Insgesamt ist Maike Steins Schreibstil sehr angenehm, aber auch schonungslos und ehrlich. Sie lässt Valeska des Öfteren Schimpfworte und englische Begriffe verwenden, was einen sofort an einen trotzigen Teenager denken lässt. Zumindest über ihre Ausdrucksweise kann man sich mit Valeska wirklich gut identifizieren, sie wirkt absolut authentisch. Auch wenn ich wie gesagt keinen wirklichen Draht zu ihr hatte.

Thematisiert wird im Roman nicht nur die Beziehung zwischen Valeska und Inken, sondern auch die Problematik des Coming-Outs und das Mobbing an Schulen. Alle Themen sind sehr interessant und wichtig, werden im Roman allerdings für meine Begriffe etwas zu oberflächlich abgehandelt. Die Ansätze sind wirklich sehr gut, aber vor allem was Inkens Erfahrungen an ihrer alten Schule und die Problematik des Geheimhaltens angeht, hätte ich mir einfach eine detailliertere und differenziertere Auseinandersetzung gewünscht. Zwar hat die Kürze des Romans auch ihr Gutes - nämlich, dass Stein sich auf das Wesentliche konzentriert und die Handlung auf den Punkt und alles andere als aufgebläht ist -, aber insgesamt hätte Valeskas und Inkens Geschichte einfach viel mehr Platz gebraucht, um sich entfalten und vor allem den Leser in ihren Bann ziehen zu können.

Mein Fazit:

Wir sind unsichtbar ist ein sehr gut geschriebener Jugendroman, der vor allem aufgrund seines zentralen Themas, Homosexualität im Teenager-Alter, wirklich super interessant zu lesen und außerdem sehr wertvoll ist. Maike Steins Schreibstil und die Ansätze zum Thema Homosexualität und Mobbing an Schulen haben mich wirklich überzeugt, allerdings war mir das Buch alles in allem zu kurz geraten. Der geringe Umfang kam leider weder der Handlung noch den Charakteren zugute, was zur Folge hatte, dass Konflikte einfach zu schnell aus der Welt geschafft wurden, dass man die sich entwickelnde Beziehung zwischen Inken und Valeska nicht wirklich nachvollziehen konnte und dass die wichtigen Themen, über die man ausführlicher hätte sprechen können und müssen, zu oberflächlich behandelt wurden. Ich mag ja keine unnötig aufgeblähten und ewig langen Geschichten, aber Wir sind unsichtbar hätten 200 Seiten mehr wirklich unheimlich gut getan.


   

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