Samstag, 28. November 2015

REZENSION: "Weil ich Layken liebe" (Colleen Hoover)

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Titel: Weil ich Layken liebe

Autor: Colleen Hoover

Genre: Jugendroman / Liebesroman

Verlag: dtv

Erscheinungsjahr: 2013

Format: Taschenbuch (9,95 €)

Seiten: 352

ISBN978-3423-71562-1



Inhalt


Layken ist wenig begeistert, als sie nach dem Tod ihres Vaters zusammen mit ihrer Mutter und ihrem kleiner Bruder Kel nach Ypsilanti ziehen muss. Das ändert sich schlagartig, als sie auf ihren gut aussehenden und überaus freundlichen Nachbarn Will trifft. Er versüßt ihr die ersten Tage in ihrer neuen Heimat und Layken schwebt vor Glück wie auf Wolken – bis sie beide eine Entdeckung machen, die ihr Verhältnis zueinander nachhaltig verändert.


Cover


Das Cover ist meiner Meinung nach ziemlich genial: auffällig, bunt, modern und jugendlich. Es hat mich sofort angesprochen. Besonders einfallsreich finde ich, dass die Anfangsbuchstaben des Titels Wills Vornamen ergeben und entsprechend hervorgehoben werden. Das erklärt die extreme Abweichung vom englischen Originaltitel. 

Meine Meinung


Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ziemliche Angst davor hatte, das Buch zu lesen. Ich bin bisher über so viele gute Rezensionen gestolpert, dass ich befürchtet habe, es könnte mir nicht gefallen. Teilweise haben sich meine Befürchtungen leider auch bestätigt. 
Gut gefallen hat mir zunächst, dass ich fast vom ersten Moment an einen Draht zu Layken und Will aufbauen konnte. Sie sind zwei vernünftig denkende Menschen, die sich zwar auch durchaus kindisch verhalten, aber deshalb nicht unreif sind. Außerdem mag ich Laykens Humor, der besonders in Kombination mit Eddie deutlich wurde. Über Eddie würde ich persönlich gerne auch noch mehr erfahren, da ich ihre schwierige Kindheit und Jugend ziemlich spannend und ich ihre Beziehung sowohl zu Gavin als auch zu ihrem jetzigen Vater absolut bezaubernd finde. Möglicherweise wird sie im zweiten Band ja näher beleuchtet. 
Aber zurück zu Will und Layken. Bei den beiden habe ich mich etwas daran gestört, dass sie erstens sofort intensive Gefühle füreinander entwickelt haben und sie zweitens so wahnsinnig schnell zusammen gekommen sind. Das hat hinsichtlich des Handlungsverlaufs jedoch seine Berechtigung, denn nur so kann sich der moralische Konflikt aufbauen und dramaturgisch wirkungsvoll sein. Trotzdem habe ich das Dilemma zunehmend harmloser empfunden als es das in der Realität wohl wäre. Auch das ständige Hin und Her wurde irgendwann anstrengend, denn trotz ihrer Bemühungen, sich zusammenzureißen, empfand ich Layken öfter als weinerlich. Allerdings ist das auch verständlich, da sie schließlich nicht mit dem Menschen zusammen sein kann, den sie liebt. So, wie Wills Person angelegt ist, ist es nun wirklich nicht einfach, ihn hinter sich zu lassen: Ein unglaublich gutaussehender, vernünftiger, sich liebe- und aufopferungsvoll um seinen kleinen Bruder kümmernder Typ, der darüber hinaus noch intelligent ist und eine Leidenschaft für Poesie hat – mal ehrlich: von welchem Baum ist der denn gefallen? Ich habe nichts dagegen, wenn der männliche Protagonist seine Vorzüge hat (man will ja auch etwas träumen können), aber das war ein Tick zu viel des Guten. Deshalb ist auch meiner Meinung nach jeder Versuch von Colleen Hoover vollkommen missglückt, ihn als fehlbar (oder als Arschloch, wie Layken ihn bezeichnet hat) darzustellen. Er erschien mir trotzdem wie die personifizierte Vollkommenheit und das stört mich irgendwie. 
Zudem war ich der Meinung, dass das Liebesdilemma um Will und Layken die Handlung zu stark dominiert hat. Anfangs war das vollkommen zulässig und verständlich (der Klappentext hat ja nichts anderes angedeutet), aber spätestens, nachdem sich in Laykens Familienleben unerwartet Dinge zum Negativen hin entwickelt haben, hätte ich mit einer Schwerpunktverschiebung gerechnet. Es gab zwar durchaus viele familiäre Szenen, die auch zu meiner Freude ohne Kitsch und überdramatische Dialoge auskamen (vor allem Dank ihres bezaubernden und abgedrehten Bruders Kel), aber meistens war Will bei diesen mit anwesend. Im Prinzip war er omnipräsent. Für mich war es etwas befremdlich, wie schnell und problemlos er in das Familiengeschehen integriert wurde. 
Ich könnte wohl noch eine ganze Palette weiterer Punkte anführen, die ich gut und weniger gut gelungen fand, aber ich belasse es mal dabei. Nur eins sei gesagt: ich würde wohl (insofern möglich) jedem empfehlen, das englische Original zu lesen. Gerade bei den Poetry Slams (die ich absolut klasse finde) habe ich es im Nachhinein bereut, es nicht getan zu haben, denn ich denke, auf Englisch hätten die vorgetragenen Texte besser geklungen und mehr Eindruck hinterlassen. So hatte ich eher das Gefühl, als wären manche Stellen etwas holprig

Lieblingszitat 


„Dass du mit dem, was du jetzt schreibst, in fünf Jahren möglicherweise jemanden in seinem tiefsten Inneren berühren kannst – das ist der Sinn von Poesie.“ (S. 266) 

Fazit 


Der Roman ist gespickt mit jeder Menge Herzschmerz – nicht nur durch das Liebesdilemma von Will und Layken, sondern auch in anderen Bereichen. Von diesen letztgenannten Entwicklungen war ich positiv überrascht und sie haben mich teils auch mehr interessiert. Ähnlich ging es mir mit einigen Nebencharakteren. 
Auch wenn ich die Liebesgeschichte an sich ganz gut finde, gab es einige Dinge, die mich auf Dauer genervt haben. Daher hat sie etwas an Reiz verloren, weshalb der Roman mich nicht ganz mitreißen konnte.


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