Mittwoch, 4. November 2015

REZENSION: "Tea Time bei Mrs. Morland" (Angela Thirkell)

Copyright Manhattan Verlag

Titel: Tea Time bei Mrs. Morland

Autor: Angela Thirkell

Genre: Roman 

Verlag: Manhattan

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Hardcover (17,99 €)

Seiten: 320

ISBN: 978-3442547432


Inhalt:

England 1930, kurz vor Weihnachten: Die Schriftstellerin Laura Morland will die Weihnachtsfeiertage zusammen mit ihrem jüngsten Sohn Tony in ihrem Cottage im verschlafenen Städtchen High Rising verbringen. Doch die erhoffte Idylle wird gestört und zwar in Gestalt der neuen Sekräterin ihres Nachbarn und Bekannten George Knox. Laura ist so gar nicht angetan von Una Grey und versucht ihren Absichten bei so mancher Tasse Tee auf den Grund zu gehen. Nebenbei soll auch die hübsche Tochter von George Knox verkuppelt werden...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover war der Hauptgrund dafür, dass ich mich für das Buch interessiert habe, denn es hat mich irgendwie an Downton Abbey und einfach an herrschaftliche Landhäuser, entspannte Teestunden und guten Humor erinnert. Das verschlafene, eingeschneite Städtchen im Hintergrund und die elegant gekleidete Frau vorn versetzen einen direkt ins England der 1920er und 1930er Jahre.

Meine Meinung:

Für diesen vom Umfang her doch recht kompakten Roman habe ich ungewöhnlich lange gebraucht und musste ihn zwischenzeitlich auch mal ganz aus der Hand legen, weil ich einfach ein bisschen Action brauchte. Der Titel passt hervorragend, was allerdings nicht unbedingt von Vorteil ist, denn alles in allem ist Tea Time bei Mrs. Morland eine einzige, extrem langgezogene Teestunde mit ab und an wechselnden Gästen.

Die Hauptperson ist die Mittvierzigerin Laura Morland - Witwe, recht erfolgreiche Autorin von Unterhaltungsromanen und Mutter von vier Söhnen. Sie macht einen resoluten, cleveren und schlagfertigen Eindruck und weiß genau, wie sie mit den Menschen in ihrer Umgebung umgehen muss. Hin und wieder haben mir ihre witzigen und oftmals ehrlichen Aussagen ein Lächeln entlockt - sie ist mit Abstand der interessanteste Charakter im Buch und trägt die Handlung zu großen Teilen. Von einigen anderen Personen war ich hingegen eher genervt, allen voran Lauras Sohn Tony mit seinem Faible für Eisenbahnen und seinem ellenlangen, unsinnigen Geschwafel und George Knox, der irgendwie wie eine ältere Ausgabe von Tony wirkt, da er genauso viel quasselt, ohne jedoch dabei etwas bestimmtes zu sagen.

Bei der im Klappentext angekündigten Sekretärin handelt es sich um Una Grey, über die man insgesamt nicht wirklich viel erfährt. Als Leser lässt man sich von den Meinungen der anderen handelnden Personen beeinflussen und muss sich auf deren Schilderungen verlassen. Miss Grey scheint tatsächlich eine freche, leicht aufbrausende und unangenehm aufdringliche Person zu sein, aber irgendwie hatte ich mir doch etwas mehr erhofft. Einen verschlagenen Mord vielleicht - im Stil von Mord im Pfarrhaus zum Beispiel. Una Grey hätte einfach noch um einiges hinterhältiger und boshafter sein können, dann wäre die Handlung sicher auch dynamischer und spannender geworden.

Die Handlung an sich ist nämlich eher träge. Tatsächlich geschieht das meiste während der Teestunden und andauernd wird irgendjemand von irgendjemandem zum Tee eingeladen. Ich persönlich hatte nach einer Weile wirklich die Nase voll von Tee und hätte mir sehr gewünscht, dass die Charaktere vielleicht auch einmal Kaffee trinken - sprich, aus ihrem sich immer wiederholenden Alltagstrott ausbrechen. Außerdem hatte ich mir irgendwie mehr Spannung erwartet. Klar, ich wusste, dass es sich um eine Komödie mit romantischen Aspekten handeln soll, aber dass diese romantischen Aspekte im Großen und Ganzen darin bestehen, dass scheinbar jeder jedem erstmal einen Heiratsantrag macht - damit hatte ich nun nicht gerechnet. Wobei die offensichtliche Verwirrung der Protagonisten schon wieder ziemlich komisch und unterhaltsam war.

Insgesamt wirkt Tea Time bei Mrs. Morland weniger wie ein Roman als vielmehr wie ein Theaterstück, eine Komödie eben. Auf der Bühne oder als Familien-Film im Abendfernsehen kann man sich das Ganze eigentlich recht gut vorstellen, als Roman hat es mich allerdings nicht wirklich überzeugt. Thirkell musste sich einfach zu sehr auf seitenlange Beschreibungen konzentrieren, um die Atmosphäre der 1930er Jahre heraufzubeschwören. Das ist ihr auf jeden Fall gelungen - auch die Dialoge wirken wie aus einer anderen Zeit und man kann sich alle Charaktere und das verschlafene Städtchen High Rising wirklich gut im England der 1930er Jahre vorstellen. Allerdings hat es der Handlung einfach an Biss gefehlt. Sie konnte mich schlicht nicht so fesseln wie andere Geschichten, die zu dieser Zeit spielen, oder auch die TV-Serie Downton Abbey, nach der ich absolut süchtig bin. So eine Lady Violet Crawley, gespielt von Maggie Smith, hätte Laura Morlands Teestunde wirklich aufgemischt. So war Laura leider der einzige Charakter mit Temperament, um den die anderen Personen alle irgendwie herumtrieben, ohne selbst viel beizutragen.

Mein Fazit:

Angela Thirkells Roman Tea Time bei Mrs. Morland ist genau das, was der Titel vermuten lässt: Eine einzige, endlos lange Teestunde. Obwohl der Schreibstil, die Eigenarten einiger Charaktere und der subtile Humor den Leser direkt ins England der 1930er Jahre versetzen und einen ab und zu zum Schmunzeln bringen, trifft das Buch einfach nicht meinen Geschmack. Das liegt vor allem an den - bis auf Mrs. Morland - faden Charakteren und der wenig spannenden Handlung. Ich hatte mich einfach auf mehr Drama und Überraschung gefreut und musste mich teilweise richtig durch die Seiten quälen und zum Aufwachen erstmal einen Thriller zwischenlesen. Trotzdem möchte ich mich beim Manhattan Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.


     
    

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