Mittwoch, 25. November 2015

REZENSION: "Legend 03 - Berstende Sterne" (Marie Lu)

Copyright Loewe Verlag

Titel: Legend 03 - Berstende Sterne

Autor: Marie Lu

Genre: Dystopie

Verlag: Loewe Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Hardcover (17,95 €)

Seiten: 448

ISBN: 978-3785574928


Inhalt:

Endlich können June und Day aufatmen: Die Republik Amerika scheint unter der Führung des jungen Elektors schließlich doch noch die Richtung zu wechseln, der erbitterte Krieg mit den Kolonien gehört der Vergangenheit an...oder etwa nicht? Ein Friedensabkommen ist schon in Sicht, da beordert June, mittlerweile Anwärterin auf das Amt der Princeps, Day, der mit seinem Bruder Eden in Los Angeles lebt und dort einen militärischen Posten inne hat, nach Denver. Die Kolonien beschuldigen die Republik eines ungeheuerlichen Verbrechens und verlangen beinahe Unmögliches - nun ist es an Day, das zu opfern, was ihm am meisten bedeutet. Und während er und June sich nach Monaten der Trennung endlich wieder näherkommen, bricht erneut das Chaos über die Republik und ihre Regierung herein...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir auf jeden Fall besser als die der ersten beiden Bände: Das dunkle Violett spricht mich an und insgesamt ist es mit den aufgeprägten Ornamenten und der goldenen Flamme sowie dem Schriftzug sehr edel gestaltet. Ich finde es außerdem gut, dass es nicht so überladen ist und trotzdem ins Auge sticht.

Meine Meinung:

Mit Berstende Sterne findet die Legend-Trilogie von Marie Lu ihren Abschluss und nach den ersten beiden recht soliden Bänden war ich ziemlich gespannt auf das Finale. Insbesondere nach dem fiesen Cliffhanger, mit dem Band 2 endet. Wird Day überleben? Haben er und June eine gemeinsame Zukunft? Bleibt Anden Elektor der Republik? Triumphiert das Land über die Kolonien? Eines kann ich euch schon vorab versprechen: All diese Fragen werden in Berstende Sterne beantwortet und damit enttäuscht das Buch schon einmal nicht.

Wie auch die beiden ersten Bände, wird die Geschichte Legend 3 abwechselnd aus Days und aus Junes Sicht erzählt. Ich finde es super, dass Marie Lu diesen Stil beibehalten hat, weil man es ja von anderen Dytsopie-Reihen kennt, dass da zum Schluss gerne mal experimentiert wird, was meiner Meinung nach immer komplett in die Hose geht. Außerdem hat der Erzählstil auch den Vorteil, dass er die Spannung aufrecht erhält und man natürlich immer damit rechnen muss, dass einer der beiden Protagonisten stirbt oder von der Bildfläche verschwindet. Man muss als Leser schlichtweg auf alles vorbereitet sein und das finde ich an der Legend-Reihe so toll. Überzeugt hat mich auch wieder Marie Lus detailreicher und wirklich angenehmer Schreibstil. 

June und Day sind auch in Band 3 wieder zwei außerordentlich starke Charaktere, die wunderbar miteinander harmonieren. Seit dem zweiten Teil ist mir June ja ziemlich sympathisch und auch Berstende Sterne hat mich ihr noch ein Stückchen näher gebracht. Sowohl mit ihr als auch mit Day fiebert man beim Lesen wahnsinnig mit und so haben mir die Passagen beider Ich-Erzähler gleichermaßen gefallen. Anders als in den ersten beiden Bänden, konzentriert sich Lu in diesem Roman außerdem hauptsächlich auf die beiden: Eine etwas größere Rolle spielen Anden und Days Bruder Eden, die Patrioten mit Tess und Pascao sowie die Gegenspielerin Commander Jameson treten allerdings eher in den Hintergrund

Daraus ergibt sich, dass sich die Handlung von Berstende Sterne im Wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten zusammensetzt: Der Gefühlswelt der beiden Protagonisten und Kampfhandlungen. Während mich ersteres wirklich überzeugt hat und mich sehr gut nachempfinden ließ, wie June und Day "ticken" und was sie gemeinsam haben, hat mich letzteres nach einer Weile eher ermüdet. Tatsächlich werden unheimlich viele Bomben gelegt, es wird seitenlang beschrieben, wie Day an Wänden hochklettert und wie June um sich schießt. Mir was das einfach zu viel Action, weil ich mir das Ganze auch nicht so gut bildlich vorstellen konnte und ich mir insgesamt einen philosopherischen Ansatz gewünscht hätte. Im Großen und Ganzen werden im letzten Band der Reihe Probleme hauptsächlich durch irgendwelche Kampfhandlungen geschaffen und auch gelöst, was mir stellenweise ein wenig einfallslos erschien. Allerdings bleibt Lu damit ihrem Konzept treu und Berstende Sterne fügt sich hervorragend ins Gesamtbild der Legend-Trilogie ein.

Es gab allerdings auch einen neuen Ansatz, den ich super interessant fand: Die Verbündeten der Kolonien beziehungsweise der Republik. Während die Kolonien sich mit Afrika zusammentun, setzt Anden auf die Untersützung der Antarktis und das ist eine wirkliche Überraschung. Erst einmal ist es natürlich überraschend, dass die Antarktis eine solch riesige Wirtschafts- und auch militärische Macht ist. Und dann hat mich auch die Gesellschaftsstruktur der Antarktis fasziniert, die in gewissem Maße utopisch ist. Die Antarktiker arbeiten mit einem Level- und Punktesystem, das die Einwohner im ständigen Konkurrenzkampf miteinander stehen lässt und so für Ruhe und Frieden sorgt. Dieses Konzept könnte ich mir sehr gut als eigenständige Utopie (oder auch Dystopie?) vorstellen und finde es ein wenig schade, dass Lu den Ansatz nicht weiter verfolgt. Aus dem Stoff ließe sich bestimmt etwas machen.

Der dritte Teil der Legend-Reihe beantwortet einem eigentlich alle Fragen, die nach Schwelender Sturm noch offen geblieben sind. Was ich sehr gelungen finde: Im Finale spielt noch einmal die von der Republik in Umlauf gebrachte Seuche eine Rolle und so schließt sich der Kreis zum ersten Band. Das Ende trifft nicht ganz meinen Geschmack, da es mir vielleicht ein bisschen zu einfach und unproblematisch erscheint, hat mich aber insgesamt recht befriedigt zurückgelassen und so konnte ich das Buch dann schließlich völlig beruhigt aus der Hand legen.

Mein Fazit:

Hier und da liest man ja, dass Berstende Sterne der beste Teil der Legend-Dystopie sei - das sehe ich nicht so. Aber: Er ist auf etwa dem gleichen Level wie die beiden Vorgänger und das ist für eine Reihe ja doch recht außergewöhnlich. Obwohl ich mir natürlich ein fulminantes Finale gewünscht hätte, in dem die Geschichte noch einmal richtig Fahrt aufnimmt und mich komplett von den Socken reißt, hat mir Marie Lus Trilogie-Abschluss ganz gut gefallen. Es sind einige Überraschungen und unvorhergesehene Wendungen dabei und die Charaktere überzeugen erneut auf ganzer Linie. Auf jeden Fall lohnt sich das Lesen und wer sich auf die außergewöhnliche Kombi aus dem Gefühlsleben der Protagonisten und actionreichen Kampfhandlungen einlässt, wird absolut nicht enttäuscht.


            
    

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