Montag, 30. November 2015

REZENSION: "Duell der Mörder" (John Matthews)

Copyright Goldmann Verlag

Titel: Duell der Mörder

Autor: John Matthews

Genre: Krimi / Historischer Kriminalroman

Verlag: Goldmann

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Klappenbroschur (14,99 €) 

Seiten: 384

ISBN: 978-3442204427 

Inhalt:

New York, 1891: Etwa ein Jahr nach der Aufklärung der brutalen Ripper-Morde durch Inspector Argenti und den britischen Kriminalanalytiker Finley Jameson hält erneut eine Mordserie die Stadt in Atem. Diesmal handelt es sich bei den Opfern ausschließlich um junge Frauen aus der Oberschicht und die Ermittler stehen zunächst vor einem Rätsel, denn äußerlich weisen die Toten so gut wie keine Anzeichen eines Gewaltverbrechens auf. Jameson kommt der raffinierten Methode des Täters jedoch bald auf die Spur. Als ein Brief bei der New York Times eintrifft, müssen er und Argenti sich allerdings fragen, ob der Ripper damals wirklich umgekommen oder ob er nicht vielleicht wiedergekehrt ist... 


So gefällt mir das Cover:

Wie schon das Cover von Stadt in Angst gefällt mir auch dieses ziemlich gut, wobei es durch den blutroten Hintergrund noch bedrohlicher und düsterer wirkt. Dass es sich um einen historischen Kriminalroman handelt, wird dabei wieder anhand der beiden Männer vor der Silhouette der Metropole New York deutlich. Mich persönlich hat das Cover wirklich neugierig auf den Inhalt gemacht.

Meine Meinung:

Mit Duell der Mörder präsentiert John Matthews den zweiten historischen Kriminalroman um den Polizeiinspektor Joseph Argenti und den Kriminalanalytiker Finley Jameson. Die Handlung setzt etwa ein Jahr nach der Aufklärung der Ripper-Morde in New York ein und beginnt erneut mit dem Tod eines Mädchens. Diesmal jedoch handelt es sich um einen unblutigen Mord und bei dem Mädchen um die Tochter einer wohlhabenden New Yorker Familie: Sozusagen das Gegenstück zu den Anschlägen von Jack the Ripper auf Prostituierte. Das macht den Fall zwar recht interessant und vielleicht ungewöhnlich, aber irgendwie erschien mir die Tatsache, dass es nun plötzlich eine Mordserie in New York gibt, die das absolute Gegenteil der Ripper-Morde und dabei trotzdem so gefährlich ist, etwas plump. 

Die Methode des neuen Mörders, der im Buch ziemlich schnell als "Debütantinnenmörder" bezeichnet wird, ist durchaus interessant und knifflig und dabei ebenso effektiv wie die des Rippers. Wieder macht sich das Zweiergespann Argenti und Jameson daran, den Mörder zu verfolgen und seine Geheimnisse aufzudecken. Dabei spielt auch der Ripper wieder eine große Rolle, da Briefe an die New York Times vermuten lassen, dass sogar er selbst der Debütantinnenmörder sein könnte - Eugene Doves Tod am Ende von Stadt in Angst erinnert ja doch ziemlich an Sherlock Holmes' letztes Problem; es ist also durchaus denkbar, dass er überlebt hat und nun zurückgekehrt ist.

Was mich gestört hat war vor allem der Umstand, dass man wie schon in Stadt in Angst dem Mörder ab und zu über die Schulter schaut: Man war als Leser also um einiges schlauer als Argenti und Jameson, was zur Folge hatte, dass man die Ermittlungen der beiden als ziemlich kopflos und fruchtlos empfand, denn man selbst wusste ja schon, wer der Mörder ist. Das hat mich in Duell der Mörder wesentlich mehr gestört als in Stadt in Angst

Ein weiterer Aspekt, der mir nicht gefallen hat, ist die aufgesplittete Handlung. Neben der Mordserie geht es um die Gerichtsverhandlung von Tom Brogan, um Korruption, um Bandenkriege, um Michael Tierney und seine Rivalen und und und...etwa ab der Mitte des Romans gerät das eigentlich Spannende (die Morde) sogar in Vergessenheit und es wird sich nur noch auf das konzentriert, was eigentlich im Hintergrund abläuft. Es war während des Lesens nicht nur unheimlich schwer, den Überblick zu behalten, sondern hat mich nach einer gewissen Zeit auch einfach genervt: Ständig tauchte noch irgendwer neues auf, der dann wieder ein Problem mit Tierney hatte und sich deswegen mit Typ X zusammenschloss und so weiter...das Ganze war ein einziger riesiger Pool aus Charakteren und Handlungen - eine ineinenader verschmolzene Masse, aus der man die einzelnen Bestandteile nicht mehr wirklich herausfiltern konnte.

Die Handlung war also insgesamt eher dürftig und konnte mich im Großen und Ganzen nicht wirklich überzeugen. Dafür konnte der Roman wie auch schon der Vorgänger mit einer historischen Kulisse, die an Doyles Sherlock Holmes-Geschichten erinnert, und mit vielschichtigen Charakteren, die überaus gut miteinander agieren, punkten. Auch die Debütantinnen-Geschichte fand ich eigentlich recht interessant, Matthews hätte ihr aber einfach mehr Aufmerksamkeit schenken müssen, anstatt sich auf alles mögliche Andere, was in New York so vorgeht, zu konzentrieren. Potenzial hat die Geschichte vom wiederauferstandenen Ripper (wobei ich an dieser Stelle nicht verraten werde, was es damit wirklich auf sich hat) auf jeden Fall.

Mein Fazit:

Nachdem mir John Matthews' Stadt in Angst ja wirklich gut gefallen hatte, war ich von dem Nachfolger, Duell der Mörder, dann doch ein wenig enttäuscht. Das, auf was man sich als Leser freut - nämlich der Kriminalfall bzw. die Mordserie -, gerät leider im Laufe der Geschichte immer mehr in den Hintergrund - dafür dröselt sich die Handlung in mehrere Stränge auf, denen man leider nicht immer folgen kann. Für meinen Geschmack war da einfach zu viel los. Gefallen haben mir aber die Idee, die Geschichte von Jack the Ripper weiterzuspinnen, und ihm einen "Gegenspieler" zu präsentieren sowie das historische Setting und die teilweise starken Charaktere. Weil die Geschichte mich zwar nicht wirklich mitgerissen, aber dennoch größtenteils gut unterhalten hat, bewerte ich Duell der Mörder mit Ach und Krach mit 3 von 5 Schriftstellerköpfen.


 

    

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