Freitag, 13. November 2015

REZENSION: "Die Sturmschwester" (Lucinda Riley)

Copyright Goldmann Verlag

Titel: Die Sturmschwester (Seven Sisters 02)

Autor: Lucinda Riley

Genre: Roman

Verlag: Goldmann

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (19,99 €)

Seiten: 576

ISBN: 978-3442313952


Inhalt: 

Nach dem Tod ihres geliebten Vaters Pa Salt steht Ally vor einem Rätsel: Sie und ihre fünf Schwestern wurden als Babys von ihm adoptiert und haben nun die Möglichkeit, sich auf die Suche nach ihren Wurzeln zu machen. Nachdem Allys ältere Schwester Maia nach Brasilien aufgebrochen ist und dort nicht nur ihre Familie, sondern auch die Liebe gefunden hat, macht auch Ally sich daran, die Botschaften ihres Adoptivvaters zu entwirren und reist schließlich nach Norwegen. Dort stößt sie auf die faszinierende Geschichte von Jens Halvorsen und Anna Landvik, ein Musiker und eine Sängerin, die in den 1870er Jahren beide an der Uraufführung von Henrik Ibsens "Peer Gynt" in Christiana, dem heutigen Oslo, mitgewirkt haben. Jens und Anna scheinen ein faszinierendes Leben geführt zu haben, doch was das hat mit Ally zu tun? Ist sie vielleicht der Nachkomme einer traditionsreichen Musiker-Familie? Immerhin ist sie nicht nur eine begnadete Seglerin, sondern auch eine erfolgreiche Flötistin. Findet Ally in der Vergangenheit die Kraft, um in die Zukunft zu blicken?


So gefällt mir das Cover:

Das Cover kann mich wieder nicht ganz überzeugen, denn wie schon das des ersten Bandes ist es mir irgendwie zu übertrieben und kitschig. Obwohl natürlich die Landschaft, das Wasser und das kleine Segelboot sehr gut zum Inhalt passen. Ich hätte es einfach schöner gefunden, wenn es ein wenig dezenter gestaltet wäre - es wirkt schon ganz schön dick aufgetragen für meinen Geschmack.

Meine Meinung:

Die Seven Sisters Reihe von Lucinda Riley ist ja doch recht unkonventionell und nicht unbedingt so, wie man sich eine Buchreihe vorstellt. Schon der erste Teil kam mir eher wie ein in sich abgeschlossener Roman vor und so ist es auch mit Die Sturmschwester. Man kann die Bücher also tatsächlich unabhängig voneinander lesen und nicht zwingend in der Reihenfolge, in der sie erschienen sind. 

Auf Die Sturmschwester habe ich mich unheimlich gefreut, weil ich jedes Buch von Lucinda Riley verschlinge und ihre traumhaften Geschichten liebe. Da wurde ich auch diesmal nicht enttäuscht. Natürlich ähnelt der zweite Band der Seven Sisters Reihe vom Aufbau her dem ersten, das finde ich aber nicht weiter schlimm, da man ja schon damit gerechnet hat und da es ja im Großen und Ganzen um die einzelnen Geschichten der sechs Schwestern geht. Protaginistin ist diesmal Ally, die zweite Schwester. Was mich zu Beginn etwas gestört hat, war, dass ich als Leser den Tod von Pa Salt und die anschließende Zusammenkunft der Schwestern noch einmal geschildert bekam - zwar aus Allys Sicht, aber dennoch war da nicht viel Neues dabei und ich fand es etwas ermüdend, das alles noch einmal zu lesen. 

Nach Pa Salts Tod wird es allerdings schlagartig spannender. Ally ist anders als Maia eine sehr starke und selbstbewusste junge Frau, die ganz genau weiß, was sie im Leben erreichen will. Mit dem begnadeten Skipper Theo hat sie einen ebenfalls starken Mann an ihrer Seite, allerdings versetzt ein weiterer Schicksalsschlag ihr einen gehörigen Dämpfer. Das ist der Auslöser für Ally, den Hinweisen von Pa Salt nachzugehen und sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit zu machen. Das Land, in das es diesmal geht, ist Norwegen. Ein wunderschönes Setting, allerdings hat es mir nicht ganz so imponiert wie Brasilien im ersten Buch. Das liegt vermutlich daran, dass mich Skandinavien mich insgesamt nicht wirklich reizt - es ist mir einfach zu kalt, obwohl die Landschaft natürlich faszinierend ist. 

Wie in so gut wie allen Riley-Romanen setzt sich die Handlung wieder aus mehreren Strängen zusammen. Parallel werden die Geschichten von Ally in der Gegenwart (2007), von Jens Halvorsen und Anna Landvik gegen Ende des 19. Jahrhunderts und von Pip Halvorsen und seiner Frau während des Zweiten Weltkriegs erzählt. Besonders gut gefallen hat es mir, dass Teile der Geschichte in meiner Heimatstadt Leipzig spielen und ich so eintauchen konnte in das historische, kulturelle Leipzig. Außerdem habe ich auch die Ausflüge in die Musikwelt sehr genossen - insgesamt war es eine komplett andere Geschichte, ein gänzlich anderes Setting und ein völlig anderer geschichtlicher und kultureller Hintergrund. Dieses Zusammenspiel hat mir sehr gut gefallen und es hat mir großen Spaß gemacht, zwischen den verschiedenen Epochen hin- und herzuhüpfen und die Verbindungen aufzuspüren.

Wie auch im ersten Band, spielen Allys Schwestern keine große Rolle in Die Sturmschwester. Dafür gibt es eine Reihe neuer Charaktere, mit denen Ally im Laufe der Handlung zusammentrifft. So zum Beispiel den Segler Theo, ihr Freund, seine Mutter und die beiden Musiker Willem und Thom, die Ally während ihrer Recherchen im norwegischen Bergen kennenlernt. Manches Mal dachte ich mir: Okay, jetzt vertraut sie diesem fremden Menschen aber ganz schön schnell. Andererseits ist sie auch emotional aufgewühlt und deswegen vermutlich dankbar für jede Unterstützung. Die Charaktere in der Gegenwart waren mir insgesamt ein wenig sympathischer als Anna Landvik, Jens Halvorsen, Edvard Grieg und die anderen Personen in der Vergangenheit. Aber irgendwie fügt sich alles perfekt zusammen, die Charaktere ergänzen sich gut und dennoch bleibt das Ganze dabei glaubhaft. Während des Lesens habe ich vor allem mit Ally und Anna mitgefiebert, während ich insbesondere auf Jens einen regelrechten Hass entwickelte. Ihr werdet schon sehen ;)

Die großen Geheimnisse, denen Ally schließlich mithilfe so manchen neuen Freundes auf die Spur kommt, sind typische Familiengeheimnisse, die sich immer mal wieder im Text andeuten. Deswegen war die Auflösung insgesamt für mich nicht so spannend - man hat einfach mit vielem bereits gerechnet. Trotzdem habe ich es sehr genossen, gemeinsam mit Ally auf den verschlungenen Pfaden ihrer Familiengeschichte zu wandeln und die ein oder andere überraschende Wendung war schon auch dabei. Der Wechsel der Orte, die verschiedenen Protagonisten, die alten Geheimnisse - all das macht Die Sturmschwester zu einem typischen Pageturner á la Riley. Am Ende bleiben immer noch einige Fragen, die sich bereits im ersten Teil gestellt haben, aber ich habe das Gefühl, dass man dem Geheimnis der Plejaden und ihrer Bedeutung für Pa Salt allmählich näher kommt. Ich bin gespannt, was Star im nächsten Band herausfindet, gleichzeitig habe ich aber auch die Befürchtung, dass die Reihe irgendwann ihren Reiz verliert, denn es scheint ja so, als werden es mindestens sechs Bücher, die vermutlich alle nach dem gleichen Schema ablaufen. Aber es kann ja auch gut sein, dass Lucinda Riley mich überrascht - ich bin gespannt :)  

Mein Fazit:

Der zweite Band der Seven Sisters Reihe erzählt wieder eine wundervolle Geschichte vor historischen Schauplätzen und lässt einen eintauchen in die raue Welt Norwegens und das historische Leipzig. Neben Rileys fantastischem Schreibstil haben mich auch die starke Protagonistin Ally, die Verbindung aus der Musik und der Liebe zum Meer und natürlich die verschlungenen Pfade einer alten Familie fasziniert. Obwohl manches ein wenig vorhersehbar war und die Handlung mir hier und da ein wenig zu kitschig vorkam, konnte mich Die Sturmschwester wieder überzeugen. Auch wer Die sieben Schwestern nicht gelesen hat, findet in dem Roman eine wundervolle Geschichte, uralte Geheimnisse und ein unerwartetes Glück - typisch Lucinda Riley eben und genau das Richtige für kalte Herbstabende. Daher geht mein Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar dieses wundervollen Buches.



      
Die Reihe:

2. Band: Die Sturmschwester

fünf weitere Bände folgen   

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