Freitag, 6. November 2015

REZENSION "Auf dem falschen Dampfer kommt man auch ans Ziel" (Dorothea Böhme)

Copyright Blanvalet
Titel: Auf dem falschen Dampfer kommt man auch ans Ziel

Autor: Dorothea Böhme

Genre: Roman 

Verlag: Blanvalet

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 288

ISBN: 978-3-7341-0075-8


Inhalt


Seit fünf Jahren herrscht zwischen Ricarda, Juliane und Trixie absolute Funkstille - dabei sind die drei Schwestern! Seit einem riesigen Krach haben sie kein Wort mehr miteinander gewechselt. Bis zu dem Moment, in dem Juliane beschließt, wieder Kontakt zu ihren Geschwistern aufzunehmen. Sie lockt Trixie und Ricarda auf eine gemeinsame Kreuzfahrt, um das Kriegsbeil zu begraben. Der entspannte Urlaub bleibt allerdings aus, denn die Schwestern sind nicht nur für einander eine Belastung, sondern auch für alle anderen Reisenden. Wahrscheinlich nimmt deshalb keiner Ricardas Argwohn gegenüber dem Kapitän ernst, auch wenn der sich mehr als merkwürdig verhält. Nicht mal der Offizier Patrick, auf den sie ein Auge geworfen hat, scheint ihr zu glauben...  

Cover



Das Cover vermittelt zwei wesentliche Komponenten der Handlung: Chaos und Humor. Man weiß sofort, dass hier definitiv nichts glatt laufen und man dementsprechend unterhalten wird. Außerdem kommt man direkt in Urlaubsstimmung (auch, wenn Winter ist), was ich super finde. 


Meine Meinung


Naheliegenderweise gibt es entsprechend der drei Schwestern auch drei Perspektiven, aus denen die Ereignisse geschildert werden. Das bringt nicht nur Abwechslung und Schwung in die Geschichte, sondern hat mich sofort mit den drei Grazien (oder je nach Situation eher Harpyen) vertraut gemacht. Zunächst war ich etwas unzufrieden damit, dass sie oberflächlich betrachtet den gängigen Clichés entsprechen (die Karrierefrau Juliane, das lebhafte Kücken Trixie und die stille vernünftige Ricarda), doch im Laufe der Handlung stellten sich bei jeder Schwester so einige unerwartete, unter Verschluss gehaltene - nun, nennen wir es mal grob "Interessen" - heraus. Diese sind allerdings nicht nur schönes Beiwerk, sondern haben maßgeblich Einfluss auf die Handlung, wie sich früher oder später zeigt. Das gefiel mir sehr gut, denn es zeigt, dass sich die Autorin durchaus etwas bei der Entwicklung ihrer Charaktere gedacht hat. 
Auch die Erzählweise von Dorothea Böhme fand ich sehr gelungen. Man kann problemlos zwischen den Schwestern hin- und herswitchen und gewinnt jede mit ihren jeweiligen Macken lieb. Sie schreibt beschwingt und humorvoll und trifft den richtigen Ton, um das gewisse Urlaubsfeeling zu kreieren. Trotz der Vorkommnisse auf dem Schiff und einiger weniger angenehmen Mitreisenden hat mich beim Lesen das Reisefieber gepackt. Am liebsten hätte ich sofort meine Klamotten in einen Koffer geworfen und mich selbst auf einen Dampfer begeben.
Die Kapitel umfassen meist nur wenige Seiten. Dementsprechend sind die einzelnen Handlungsstränge nicht sonderlich lang. Meistens war das angemessen, aber für manche Szenarien hätte ich mir eine ausführlichere Darstellung gewünscht. Ich hatte manchmal das Gefühl, man wird einfach so aus den Gedanken der jeweiligen Schwester herausgerissen. 

Etwas merkwürdig fand ich auch, dass das Trio so einfach über die 5-jährige Funkstille hinweg hinweg gegangen ist. Ich hatte mit mehr Protesten und Widerstand bei ihrem ersten Aufeinandertreffen gerechnet. Dennoch hat die Autorin meiner Meinung nach diese Hassliebe unter Geschwistern sehr gut eingefangen. In dem einen Moment keifen sie sich noch an, im nächsten machen sie sich füreinander stark, wenn eine "Bedrohung von Außen" kommt, frei nach dem Motto: "Ich darf meine Schwester kritisieren - du nicht!" Diese Einstellung kenne ich nur zu gut.
Auf diesem internen Familiendrama lag definitiv das Augenmerk und darauf, das Verhältnis der Schwestern wieder in Ordnung zu bringen. Dadurch wurden andere Aspekte der Geschichte, beispielsweise die romantischen Entwicklungen zwischen Ricarda und Patrick, oder das Geheimnis um den Kapitän, häufig zur Nebensache. Sie haben am Ende zwar eine Rolle gespielt, aber das ging mir etwas zu hektisch, wenngleich ich hier in mehrfacher Hinsicht "auf dem falschen Dampfer" war. Auch die Probleme der drei, die die Geschichte erst ins Rollen gebracht haben, wurden zwar öfter thematisiert, aber dann meist mit nur wenigen Worten abgehandelt oder beiseite geschoben. Besonders bei Juliane wäre da Ausbaupotenzial vorhanden gewesen.

Fazit

Die schwesterliche Dynamik ist das, was den Roman ausmacht. Das ständige Hin und Her zwischen scharfzüngigen Kommentaren untereinander und Verteidigung gegen andere hat die Geschichte belebt. Dadurch sind jedoch viele Aspekte der Handlung (ominöser Kapitän, Romanze) hinten runter gefallen und waren eher Zusatzmaterial als Handlungsschwerpunkt. Diesbezüglich hätte ich mir mehr erhofft. 


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