Donnerstag, 12. November 2015

REZENSION: "All die verdammt perfekten Tage" (Jennifer Niven)

Copyright Limes


Titel: All die verdammt perfekten Tage
Autor: Jennifer Niven
Genre: Roman / Jugendroman
Verlag: Limes Verlag
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 400
ISBN: 978-0-3857-5589-4




Inhalt

Die erste Begegnung von Violet Markey und Theodor Finch endet beinahe in einem Desaster: Finch kommt genau im richtigen Moment, um Violet vorm Sprung in den Selbstmord zu bewahren. Paradox - denn eigentlich war er selbst auf dem Turm, um abschätzen zu können, ob ein Sprung von einem Gebäude für seinen Selbstmord in Frage käme. Während Violet dieses Ereignis am liebsten aus ihrem Gedächtnis streichen würde, sucht Finch nun gezielt ihre Nähe und erklärt sich prompt zu ihrem Partner für das Geografieprojekt. Auf der Suche nach sehenswerten Orten in Indiana kommen sich die beiden immer näher. Doch während es Violet immer besser geht, scheint Finch näher am Abgrund zu stehen als je zuvor. Wie kann Violet den Jungen retten, in den sie sich verliebt hat? 


Cover


Im Prinzip finde ich das Cover ziemlich gelungen. Mir gefällt die Struktur und Ordnung, die eine gewisse Ruhe ausstrahlen - auch wenn das im Widerspruch zur Handlung selbst steht. Wesentlich besser gefällt mir allerdings die Rückseite. Das Schema wird fortgeführt, nur stehen auf den Notizzetteln Auszüge aus dem Roman selbst, die mit einer Inhaltsangabe kombiniert werden. Das ist wirklich äußerst clever gelöst.

Meine Meinung


Anfangs ist mir der Name "Finch" ein bisschen sauer aufgestoßen, da ich dabei an American Pie denken musste. Wahrscheinlich konnte ich ihn und seine Selbstmordgedanken deshalb auch zunächst nicht ernst nehmen und hatte auch Schwierigkeiten, ihn irgendwo einzuordnen. Aus seiner Perspektive geschildert klingt er (mangels eines besseren Ausdrucks) wie der typische Loser in der Highschool. Als aber Violet das Wort ergriffen hat, bekam ich einen ganz anderen Eindruck von ihm. Aus ihrer Sicht wirkte er eher wie ein verhaltensauffälliger, unkontrollierter, teilweise auch gewalttätiger Junge, der macht, was ihm Spaß macht. In irgendeiner Passage hat sie ziemlich treffend formuliert, dass jemand mal gesagt hat, der einzige Weg, die Highschool zu überleben, wäre es, nicht aufzufallen. Finch hingegen schien genau das Gegenteil zu tun. Genau das macht ihn zu einem einprägsamen, unvergleichlichen Charakter. Ich habe seine Einstellung, seine Furchtlosigkeit und das liebevolle Verhalten gegenüber seiner Familie wirklich bewundert und geschätzt - und gleichzeitig habe ich ihn für seine Sprunghaftigkeit und seinen Hang, sich und andere Menschen zu "zerstören", gehasst. Wie gesagt, habe ich ihm seine Selbstmordgedanken erst nicht abgekauft. Dafür wirkte er einfach zu lebhaft. Aber nicht jeder Mensch mit Selbstmordgedanken ist depressiv und igelt sich ein. Soviel ist mir während des Romans klar geworden. Finch sucht auch nicht verzweifelt nach einer Möglichkeit zu sterben - im Gegenteil sagt er selbst, er versucht, am Leben zu bleiben - nur ist in manchen Momenten die Versuchung zu stark und er hat Aussetzer, in denen er keinen Sinn im Weiterleben sieht. Das ist meiner Meinung nach sogar noch viel gefährlicher, denn diese Situationen kann man aufgrund ihrer Plötzlichkeit nicht kontrollieren. Vor allem, wenn es keine konkrete Ursache gibt.
Bei Violet liegen die Dinge wesentlich einfacher: sie weiß, was sie innerlich auffrisst und hoffnungslos macht und kann - vor allem mit Finchs Hilfe - an ihren Problemen arbeiten. Für mich stand daher auch nie außer Frage, dass sie aus ihrem Tief herauskommen würde. Das hatte den Nebeneffekt, dass mir die Handlung zu schleppend voranging und ich mich auch irgendwann gefragt habe, was denn jetzt noch Großartiges passieren soll. Im Prinzip haben mir hier lediglich die Fortschritte in Finchs und Violets Beziehung den Anstoß zum Weiterlesen verpasst. Zusammen sind sie unglaublich süß, haben fast schon Traumpaarqualitäten - zumindest auf ihre verquere Art und Weise. Ihre Gefühle wirkten durch kleine Gesten und verdrehte Liebeserklärungen so echt und unverfälscht, dass sie mir immer das Herz erwärmt haben. Am Rande bemerkt, finde ich auch Finchs Spitznamen für sie ("Ultraviolet") total zauberhaft. Ich musste gleich an den Song der Stiff Dylans denken. 
Die letzten 100 Seiten des Buches verliefen dann gänzlich anders, als ich mir das vorgestellt hatte. Sie haben mich ein wenig aus der Bahn geworfen, weil ich einfach nicht mit diesem Ausgang gerechnet hätte. Niven entfernt sich hier von dem gewohnten Muster, wodurch sie sich deutlich von Jugendromanen mit einer ähnlichen Thematik abhebt. Im letzten Teil des Romans bekommt auch das Geografieprojekt die Tragweite, die ich im vorherigen Verlauf vermisst hatte. Denn auch, wenn ich die aufgesuchten Orte ziemlich cool fand (genau deswegen liebe ich die USA - wo sonst kann man sich einen Baum voll Schuhe ansehen?!), empfand ich die Suche oftmals sinnlos und für das Geschehen unerheblich. Der Schluss hat mich dann eines Besseren belehrt. 

Fazit


All the Bright Places ist in vielerlei Hinsicht ein kleines Überraschungspaket. Nicht nur entspricht Finch so gar keiner gängigen Romanfigurenkategorie, sondern auch die Entwicklung und schließlich der Ausgang sind eher untypisch. Während der Lektüre selbst hatte ich zwar so meine Probleme hatte, aber retrospektiv wird mir erst klar, wie tiefgründig und bewegend der Roman eigentlich ist. Bis zum Schluss durchzuhalten, lohnt sich also. 


2 Kommentare:

Lottasbuecher hat gesagt…

Hallöchen,
ich habe das Buch auf deutsch gelesen und geliebt. Von der ersten bis zur letzten Seite, habe ich dieses Buch geliebt und sooo gerne würde ich es noch einmal zum ersten Mal lesen. Ich weiß jetzt schon, dass das mein Buch des Dezembers wird. <3 Ganz große Liebe.

Liebst, Lotta

Katharina P. hat gesagt…

Hallo Lotta,
da musst du ja ein paar sehr gute Connections haben, wenn du das Buch jetzt schon auf Deutsch gelesen hast. Da wird man ja direkt neidisch ;)
Ich fand's auch sehr gelungen. Auf jeden Fall ist es wesentlich ernster, als ich vermutet hätte.
Kennst du die anderen Werke von ihr? Das scheint ja eine ganz andere Richtung zu sein?

LG Katha

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