Dienstag, 13. Oktober 2015

REZENSION: "Schau mir in die Augen, Audrey" (Sophie Kinsella)

Copyright cbj

Titel: Schau mir in die Augen, Audrey

Autor: Sophie Kinsella

Genre: Roman / Jugendroman

Verlag: cbj

Erscheinungsjahr: 2015 

Format: Broschiert (14,99 €)

Seiten: 384

ISBN: 978-3-570-17148-6



Inhalt


Manche Menschen können nicht ohne ihr Smartphone leben, Audrey nicht ohne ihre riesige Sonnenbrille. Seit einem traumatischen Ereignis vor einigen Monaten hat sie keinen Fuß mehr vor die Haustür gesetzt und versteckt sich bevorzugt in abgedunkelten Räumen oder hinter den Gläsern ihrer Sonnenbrille. Ihr sozialer Kontakt beschränkt sich auf die Interaktion mit ihrer Familie. Erst als Linus, ein Freund ihres Bruders Frank, zu einem Dauergast in ihrem Rückzugsort wird, sieht sie sich gezwungen, aus ihrem Schneckenhaus herauszukriechen. Denn der hübsche, nette Junge lässt sich von Audreys schreckhaftem Verhalten nicht so leicht vergraulen. 

Cover


In die Optik des Buches habe ich mich auf den ersten Blick verliebt. Es ist mädchenhaft, jugendlich und modern, mir gefällt, wie die Farben ineinander spielen und wie zart Audrey dargestellt ist. Vielleicht schlummert tief in mir doch ein Teil, der auf prinzessinnenhafte rosa Zuckerwatte-Träumereien steht. 

Meine Meinung


Meine Erwartungen an den Jugendroman von Sophie Kinsella waren schon von vornherein sehr hoch, nicht nur, weil ich nahezu jeden ihrer Romane mag, sondern auch, weil das Cover und Inhaltsangabe Großes versprechen. Aber nicht immer ist alles Gold, was glänzt. Mein positiver Ersteindruck von der Gestaltung des Buches hat sich zunächst bestätigt: die Skizze des Hauses ziert jeden Kapitelanfang, einzelne Abschnitte werden durch die typische Audrey-Sonnenbrille voneinander getrennt und – im Zuge des Filmprojekts, das Audrey im Auftrag ihrer Therapeutin bewältigen soll – sind einige Ereignisse in Form eines Drehbuchs wiedergegeben, die sich auch typografisch vom übrigen Schriftbild abheben. Ziemlich ausgeklügelt und optisch definitiv ansprechend
Auch die ersten Seiten haben mich sofort begeistern können. Kinsella schreibt ebenso beschwingt wie in ihren Erwachsenenromanen, sodass Audrey – trotz ihrer Jugend und ihres „Handicaps“ - den Eindruck einer frechen, aufgeweckten Person erweckt. Ihr Humor ist öfter sehr trocken, was keineswegs bedeutet, dass sie gefühlskalt wäre – im Gegenteil ist sie einfühlsam und sensibel. Das bleiben vorerst die einzigen Charakterzüge, die man ihr zuschreiben kann, denn interessanterweise wird zwar das Geschehen aus Audreys Sicht beschrieben, aber man lernt in erster Linie ihre Familienmitglieder kennen. Erst später, nachdem man bereits ein recht umfangreiches Bild von ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem Bruder Frank hat, widmet sie sich in einigen Zeilen der Vorstellung ihres eigenen Wesens. Beim Lesen war das keineswegs störend. Genau genommen ist diese Chronologie der perfekte Spiegel ihrer Schüchternheit bzw. ihrer Diagnose. 
Aber Beschreibungen der Familie allein reichen nicht aus, um einen Roman interessant zu machen, mögen sie auch noch so witzig sein. Der Anreiz zum Weiterlesen war für mich der Auslöser, der Audreys Zurückgezogenheit hervorgerufen hat. Die Frage nach dem Warum schwebt die ganze Zeit im Raum und wird clevererweise auch erst am Ende beantwortet. Unglücklicherweise war die Auflösung für mich weder so überwältigend, noch so erschütternd wie ich es mir erhofft hatte. Ich möchte nicht behaupten, das Ereignis wäre harmlos gewesen, aber irgendwie hatte ich etwas mit mehr Dramatik erwartet. Daher war ich diesbezüglich etwas enttäuscht. 
Auch die sich anbahnende Liebesgeschichte mit Linus, Franks Freund, blieb nicht kontinuierlich so reizvoll wie zu Beginn. Zwar war ihre zarte Annäherung sehr süß und schön mitzuverfolgen, aber auf Dauer mangelte es an Würze. Mir fehlte die Herausforderung, das Außergewöhnliche; alles verlief viel zu glatt: Linus hat sofort viel Verständnis für Audrey gehabt (versteht mich nicht falsch: das ist absolut super und in der realen Welt würde ich mir wünschen, dass mehr Menschen so wären wie er, aber in dem Buch wirkte es nahezu utopisch) und hat sofort einen Draht zu ihr. *Vorsicht Spoiler* Unter seinem Einfluss macht Audrey dann so rasante Fortschritte, dass ich mich dann einfach nur gefragt habe, ob sie denn wirklich eine Sozialphobie hat. Eine so geradlinige Verbesserung erschien mir einfach nur unrealistisch. Dadurch habe ich auch das Ende als weniger intensiv empfunden. Um ehrlich zu sein, war ich mehr daran interessiert, wie das Familien-Dilemma für Frank ausgeht, als daran, ob Audrey ihr Problem bewältigen kann.

Fazit


Aus genau diesen Gründen hat Schau mir in die Augen, Audrey mir nur mäßig gut gefallen. Nach einem irre komischen, mitreißenden Start, flacht die Handlung deutlich ab. Darüber können auch der muntere Schreibstil und die gelungene (sehr mädchenhafte) Aufmachung nicht hinwegtrösten.


1 Kommentare:

Diary of a Booklover hat gesagt…

Hey :)

Mir ging es sehr ähnlich wie dir/euch, ich war leider auch nicht so begeistert von dem Buch wie einige andere. Schön, dass ich mit der Meinung nicht ganz so allein bin. ;)

http://diary-of-a-booklover.tumblr.com/post/132396365512/schau-mir-in-die-augen-audrey

Einen tollen Blog habt ihr übrigens! ;) Und ich finde die Rezis richtig schön geschrieben. Ihr habt einen tollen Blick für die Details und Besonderheiten der Bücher, finde ich :) Ich würde dem Blog sehr gerne folgen. Habt ihr auch Blogconnect oder Bloglovin? Hab da jetzt nichts entdeckt. Würde mich sehr über eine Antwort freuen. ;)

Liebe Grüße,
Viktoria von
www.diary-of-a-booklover.tumblr.com

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