Mittwoch, 7. Oktober 2015

REZENSION: "Margos Spuren" (John Green)

Copyright dtv

Titel: Margos Spuren

Autor: John Green

Genre: Jugendroman

Verlag: dtv (Reihe Hanser)

Erscheinungsjahr: 2015 (Erstausgabe 2008)

Format: Taschenbuch (9,95 €)

Seiten: 336

ISBN: 978-3423086448 

Inhalt:

Schon fast sein ganzes Leben lang wohnt Quentin Tür an Tür mit Margo Roth Spiegelman, einem geheimnisvollen und für Quentin unfassbar faszinierenden Mädchen. Doch sie scheint ihn nicht wahrzunehmen und ihn zu ignorieren, bis Margo eines Nachts urplötzlich an Quentins Fenster klopft, um gemeinsam mit ihm einen Rachefeldzug zu starten. Eine ganze Nacht lang fahren die beiden durch die Gegend und Quentin beginnt sich allmählich frei und mutig zu fühlen - am nächsten Tag ist Margo verschwunden. Doch sie ging nicht, ohne Quentin Hinweise zu hinterlassen. Hinweise darauf, wo sie sich versteckt und wie er sie finden kann. Gemeinsam mit seinen Freunden Ben, Radar und Lacey macht sich Quentin daran, Margos Spuren zu entschlüsseln und so auch sie selbst Stück für Stück zu enträtseln... 


So gefällt mir das Cover:

Na gut, was soll ich zu dem Cover sagen!? Es ist eben das Plakat zum Film, da ich im Buchladen zur neuesten Ausgabe gegriffen habe. :D Prinzipiell bin ich weder ein Fan von Filmfiguren auf Covern noch von Gesichtern in Nahaufnahme, aber es ist nun einmal das Buch zum Film.

Meine Meinung:

Eigentlich wollte ich ja zuerst den Film schauen, aber da ich es zeitlich nicht mehr ins Kino gteschafft hatte und mich das Buch dann in der Buchhandlung so anlächelte, habe ich mich doch für das Vorher-Lesen entschieden. Ich war sehr gespannt, da die Romane von John Green ja sehr gehyped werden und ich noch nicht einmal Das Schicksal ist ein mieser Verräter gelesen hatte. Also los, dachte ich mir.

In Margos Spuren erzählt der 18-jährige und ziemlich nerdige Quentin von seinen letzten Wochen auf der Highschool, wobei er sich auf die Begegnung mit Margo Roth Spiegelman - wie er sie grundsätzlich nennt - konzentriert. Dass er dabei auffällig oft ihren vollen Namen verwendet, zeigt, dass sie für ihn eine beinahe mythische Bedeutung hat. Er beschreibt sie als sein Wunder und als einen Menschen, der so anders ist als alle anderen, dass er ihn einfach lieben muss. Quentin war mir dabei überaus sympathisch, denn er ist zwar zunächst ein Videospiel-liebender Langweiliger mit ebenso langweiligen Freunden, wächst aber mit Margos Hilfe im Laufe der Geschichte über sich hinaus. Das Erstaunliche ist, dass er auch von ihr lernt, wenn sie gar nicht da ist und zwar auf der Suche nach ihr.

Margo ist viel mehr als ein rebellischer Teenager - sie ist ein unglaublich vielschichtiger Charakter, hört gerne Musik, liest viele Gedichte und will dem ganzen aufgesetzten Alltag in der Highschool und der Großstadt Orlando einfach nur entkommen. Für sie ist die Welt künstlich, sind die Menschen und Städte künstlich. Sie will zu sich selbst finden und dabei auch Quentin dabei helfen, zu sich selbst zu finden und das Leben zu begreifen. Margo muss also unheimlich klug sein, versteckt sich aber hinter einer relativ kühlen und toughen Fassade. Keine Sekunde habe ich beim Lesen daran gezweifelt, dass sie ein außergewöhnlicher Mensch ist und dass ihre Verehrung durch Quentin und ihre anderen Schulkameraden ihre Berechtigung hat. 

Während Quentin nach Margo sucht, lernt er viel über sich selbst, über das Leben und auch über seine ebenfalls nerdigen Freunde Ben und Radar und die scheinbar oberflächliche Lacey. Es hat mir unheimlichen Spaß gemacht, mit diesen unterschiedlichen Charakteren zusammen nach Margo zu suchen und vor allem während des abschließenden Roadtrips musste ich einige Male laut losprusten. Die Teenies sind einfach liebenswert, ein wenig verschroben, aber auch abenteuerhungrig und abgedreht. Vor Margos Verschwinden scheinen sie alle in einer Art Blase gelebt zu haben, doch seitdem wirkten sie auf mich wie außer Rand und Band - als würden sie das erste Mal richtig atmen. Margos Flucht hat jedem von ihnen auf eine außergewöhnliche Weise gezeigt, dass das Leben mehr ist, als sie bisher dachten.

Die Handlung hat mir insgesamt wirklich gut gefallen. Gegliedert ist sie in drei Teile: 1. Margos nächtlicher Rachefeldzug mit Quentin als Handlanger, 2. Die Entschlüsselung von Margos Spuren, 3. Der abschließende Roadtrip zu dem Ort, an dem Margo sich scheinbar befindet. Alle drei Teile sind unheimlich witzig, aber auch spannend, der zweite Abschnitt war mir persönlich allerdings etwas zu langatmig und stellenweise langweilig. John Greens fantastischer Schreibstil hat mich aber konstant mitgerissen und so bin ich trotz der zeitweiligen Hänger nur so durch das Buch geflogen. Es ist alles in allem unheimlich klug und lustig und war für mich eine wirklich amüsante Abwechslung zu der teilweise sehr schweren Kost, die ich sonst so lese.

Lieblingszitat:

"Und dazu kommt noch, dass wir anscheinend Schwierigkeiten haben zu akzeptieren, dass andere Leute auch nur ganz normale Menschen sind. Entweder wir verehren sie wie Götter, oder wir verachten sie wie Tiere." (Seite 215) 

Mein Fazit:

Mit Margos Spuren ist das Experiment John Green für mich geglückt. Das Buch ist so vieles: lehrreich, klug, witzig und abgedreht - ganz genauso wie die verschiedenen Charaktere, deren Interaktion für mich zusammen mit Greens wunderbar leichtfüßigem und teilweise lustigen Schreibstil das Besondere an diesem Roman ausmacht. Margos Spuren ist eine Suche nach einem verschwundenen Mädchen, aber auch die Suche eines bisher unscheinbaren Jungen nach sich selbst und den Geheimnissen des Lebens. Trotzdem im Mittelteil die Handlung ein wenig eingeschlafen ist, hat mir das Lesen wirklich großen Spaß bereitet und ich kann das Jugendbuch nur jedem empfehlen - ob Teenie oder nicht! Jetzt freue ich mich umso mehr auf den Film :)


       

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