Freitag, 23. Oktober 2015

REZENSION: "Fingerhut-Sommer" (Ben Aaronovitch)

Copyright dtv

Titel: Fingerhut-Sommer

Autor: Ben Aaronovitch

Genre: Roman / Fantasy / Krimi

Verlag: dtv

Erscheinungsjahr: 2015 

Format: Taschenbuch (9,95 €)

Seiten: 414

ISBN: 978-3-423-21602-9


Inhalt

Ja, es gibt sie: eine Welt ohne Hochhäuser und Starbucks an jeder Ecke - eine Welt außerhalb von London - auch wenn Peter Grant diese Tatsache gerne ausblendet. Sein neuster Fall zwingt ihn allerdings, die Stadtgrenzen in Richtung Herefordshire zu verlassen, denn dort sind zwei Mädchen spurlos verschwunden. Peter ist sich sicher, dass hier Magie im Spiel ist. Zusammen mit Fluss-Tochter Beverley macht er sich auf die Suche nach den beiden und stößt dabei auf Wesen, die er bisher nur aus Fabeln und Märchen kannte.


Cover


Von der Gestaltung der Peter Grant- Reihe bin ich jedes Mal begeistert. Die Grafiken sind einfach cool: sie lassen deutlich den Krimi-Bezug erkennen und meistern es dabei, auf den Humor, der einem im Roman begegnen wird, hinzuweisen. Eine gelungene Mischung!  

Meine Meinung


Wenn ich ehrlich bin, hatte ich nur mäßig Lust, Fingerhut-Sommer zu lesen. Selbst als Fan der Reihe musste ich mich fast schon dazu zwingen. Das Wunderbare an Aaronovitchs Büchern ist jedoch, dass man sich problemlos in Lesestimmung versetzen kann, sobald man erstmal die ersten Sätze gelesen hat. Ihm (und seinem Übersetzer) liegt das Schreiben einfach im Blut, weil Zeile für Zeile nur so dahinfließt. Ständig wird die Handlung durch ironische oder sarkastische Kommentare und beiläufig eingestreute Details zu den Akteuren, der spezifischen (Magier-)Fachliteratur und Anspielungen auf Serien und Bücher angereichert. Seine Art zu schreiben ist einfach klasse und macht einen Großteil (wenn nicht sogar den Hauptteil) des Lesevergnügens aus. In diesem Fall hat der Stil auch den Roman für mich „gerettet“, denn den Fall selbst empfand ich zunächst nur mäßig fesselnd. Auch wenn verschwundene Kinder durchaus tragisch sind, so fehlt mir bei Romanen mit Krimielementen meist etwas, wenn kein Blut fließt (ja, mir ist bewusst, dass das ein merkwürdiges Licht auf mich wirft). Daher war ich nur geringfügig an der Aufklärung des Rätsels interessiert. Erst als sich das Geschehen (mal wieder) als erheblich verworrener entpuppt hat, habe ich mich dafür begeistern können. Den dramatischen „Höhepunkt“ gab es aber erst im Schlussteil, nachdem sich die Lage gehörig zugespitzt hat. Übrigens klärt sich auch erst dann auf, warum der Roman überhaupt Fingerhut-Sommer heißt. 
Zudem bin ich der Meinung, dass das Buch unter der Abwesenheit von Lesley und Nightingale gelitten hat. Ich hab die Seitenhiebe und Spitzfindigkeiten seiner Partnerin und die verschrobenen Dialoge mit seinem Vorgesetzten vermisst. Ich für meinen Teil finde Nightingales Verwirrung, wenn er mit der neuesten Technologie und den Errungenschaften der Moderne nicht zurecht kommt, einfach total niedlich, aber davon fehlte in diesem Teil leider jede Spur. Auch Lesleys Präsenz ist (durch ihr Verschwinden) auf ein Minimum reduziert. Abgesehen von ein paar kryptischen SMS hört und liest man von ihr nichts. Man weiß nicht, wo sie ist, wie es ihr geht, warum sie sich verhält, wie sie sich verhält – nada. Ich hoffe, dass der Folgeband dahingehend dann Licht ins Dunkel bringt. 
Als „Sidekick-Figur-Ersatz“ für die beiden muss dann gewissermaßen Beverley hinhalten, die eine immer größere Rolle in Peters Leben einnimmt. Seit ihrem Erstauftritt hatte ich eigentlich eher unterkühlte Gefühle für sie, aber langsam werde ich mit ihr warm. Zwar bin ich immer noch „Team Lesley“ und habe die Hoffnung auf eine Vereinigung der beiden nicht aufgegeben, aber ich komme nicht umhin, Beverleys Qualitäten anzuerkennen. Sie ist selbstständig, durchsetzungsfähig (vllt. auch ein bisschen manipulativ), sarkastisch, offensichtlich sehr hübsch, kann reizend sein, wenn sie will, und ihr liegt wirklich viel an Peter, wie sie immer wieder beweist. Sie fordert ihn immer heraus, sodass er gehörig an ihr zu knabbern hat, weist ihn aber wenigstens nicht so zurück, wie Lesley das immer tut. Das spricht eindeutig für sie. Ich bin gespannt, was passiert, wenn die zwei Grazien aufeinander treffen – so einen kleinen Zickenkrieg stelle ich mir ungemein amüsant vor.

Fazit


Beim mittlerweile 5. Buch der Peter Grant-Reihe hat mich das Drumherum (sprich: die Vorgänge in seinem Privatleben) wesentlich mehr interessiert, als der zugrunde liegende Fall. Bis auf den Schluss mangelte es dem Geschehen an Dramatik - vielleicht weil Peters Leben mal nicht unmittelbar in Gefahr war. Außerdem fehlten mir Nightingale und Lesley. Der Aaronovitch-Humor ist allerdings nach wie vor glänzend, sodass ich trotzdem auf meine Kosten kam.


Die Reihe:

Band 4: Der böse Ort
Band 5: Fingerhut-Sommer

weitere Teile folgen    

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