Sonntag, 25. Oktober 2015

REZENSION: "Ein ganz neues Leben" (Jojo Moyes)

Copyright Wunderlich Verlag

Titel: Ein ganz neues Leben

Autor: Jojo Moyes

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Wunderlich by Rowohlt

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (19,95 €)

Seiten: 528

ISBN: 978-3805250948


Inhalt:

Ein Leben nach Will - für Lou erscheint das undenkbar. Sie lebt mittlerweile in einer kargen Wohnung in London, arbeitet in einem Irish Pub am Flughafen und schleppt sich mehr schlecht als recht durch jeden einzelnen Tag. Nach einem Unfall muss sie ihren Eltern schließlich versprechen, sich Hilfe in einer Trauergruppe zu suchen. Doch irgendwie kommt ihr das falsch vor: War das, was Will und sie hatten, wirklich echt? Hat man nach einem gemeinsam verbrachten, halben Jahr überhaupt das Recht, zu trauern? Lou fühlt sich fehl am Platz und ihr Leben scheint in einer Sackgasse zu stecken...da steht plötzlich jemand Überraschendes vor ihrer Tür und es tut sich eine Verbindung zu Will auf, mit der Lou und auch sonst niemand niemals gerechnet hätte...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist im gleichen Stil gehalten wie die der anderen Romane von Jojo Moyes und gefällt mir wieder unheimlich gut. Ich mag die Silhouette der einsamen Frau und die blauen Blumen am Rand, weil sie irgendwie Hoffnung symbolisieren und dabei meiner Meinung nach kein bisschen kitschig wirken. Das Cover hat mir richtig Lust aufs Lesen gemacht.

Meine Meinung:

Wenn es einen Roman gibt, von dem ich am allerwenigsten eine Fortsetzung erwartet hätte, dann ist es Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes. Das Ende war unwiderruflich und unumstößlich und doch hat man sich nach dem Lesen natürlich immer wieder gefragt, wie es Lou wohl nach Wills Tod ergangen ist. So ging es vermutlich auch der Autorin, denn in Ein ganz neues Leben erzählt sie, wie Lou mit dem Verlust umgeht und wie sie sich Schritt für Schritt in ein neues Leben kämpft. 

Wie schon in Ein ganzes halbes Jahr war mir Lou in Ein ganz neues Leben wieder unheimlich sympathisch, weil sie einfach ein ganz spezieller Typ ist und außerdem sehr hilfsbereit und aufopferungsvoll. Sie denkt wenig an sich selbst und so gut wie immer an ihre Mitmenschen. Sie beißt sich irgendwie durch jede Herausforderung und, was mir besonders gut gefallen hat, vergeht nicht in Selbstmitleid. Natürlich bemitleidet man sich nach so einem Verlust in irgendeiner Weise selbst, das tut Lou auch hin und wieder. Allerdings hat man als Leser trotzdem nicht das Gefühl, dass es jetzt auch mal reicht, denn Lou gelingt es immer kurz bevor es zu viel ist, sich wieder nach oben zu ziehen und wieder auf den Füßen zu landen. Sie braucht den ein oder anderen Stoß in die richtige Richtung, vor allem von ihren Eltern und ihre älteren Schwester Treena, aber dann strauchelt sie schon von selbst nach vorne :) Auch wenn Lou es selbst nicht so sieht: Sie ist eine starke Persönlichkeit.

Ich habe mich außerdem sehr gefreut, auch die anderen, liebgewonnenen Charaktere aus Ein ganzes halbes Jahr wiederzutreffen. Da sind Wills Eltern, die auf ganz unterschiedliche Arten mit dem Tod ihres Sohnes umgehen, der sie ein Stück weit aus ihrer Glamour-Welt herausgerissen und sie irgendwie zu angenehmeren Zeitgenossen gemacht hat - einfach menschlicher. Da sind Lous Eltern, die sich mitten in einer Ehekrise befinden und ihre Tochter immer noch so behandeln, als wäre sie ein rohes Ei. Und da ist Treena: Immer noch zielstrebige Studentin, alleinerziehende Mutter und absolut nicht auf den Mund gefallen. Man erfährt außerdem, wie es Wills Pfleger, der mittlerweile in New York lebt, ergangen ist.

Die Geschichte bereichern aber natürlich auch viele neue Charaktere wie etwa die Teilnehmer der Trauergruppe, die Lou zwar mächtig auf die Nerven gehen, aber nach und nach zu ihren Freunden werden. Mit dem robusten, aber liebenswerten Sanitäter Sam tritt auch ein neuer Mann in Lous Leben, auf den sie sich aber irgendwie nicht richtig einlassen kann. Will schwebt immer noch wie ein Geist über allem, was Lou tut. Und doch ist er auch ihre Motivation, nach vorne zu sehen und etwas aus ihrem Leben zu machen, weil sie weiß, dass er es sich so gewünscht hat. Und schließlich spielt auch eine mysteriöse Jugendliche namens Lily eine große Rolle, die Lou aus heiterem Himmel kennenlernt und sich sofort eine große Verantwortung aufbürdet. Lily ist störrisch, verbittert und absolut nicht erpicht darauf, sich an irgendwelche Regeln zu halten. Und Lou hat alle Hände damit zu tun, Lily davon abzuhalten, sich zu betrinken, ihre Wohnung zu zerstören und alles und jeden vollzuqualmen. Die Zickereien zwischen den beiden fand ich sehr amüsant - sie haben der Handlung (wie auch die Streitigkeiten zwischen Lou und Will in Ein ganzes halbes Jahr) bei all den ernsten Themen etwas Heiteres und Lockeres verliehen. Was genau es mit Lily auf sich hat, lest ihr am besten selbst.

In Ein ganzes halbes Jahr hat Moyes ja bereits zwei Tabuthemen aufgegriffen: Den Umgang mit Schwerstbehinderten und wie schwierig es immer noch für sie ist, sich in die Gesellschaft zu integrieren, einfach aufgrund der Unwissenheit und des Unwillens anderer Menschen; und natürlich die aktive Sterbehilfe. Letzteres wird auch in der Fortsetzung wieder thematisiert: Man erfährt, wie Wills Selbstmord durch die Presse ging und wie die Menschen auf seine Eltern und auch Lou reagierten, die ja ihrer Meinung nach tatenlos zugesehen haben, wie Will sich umbringen ließ. Ich finde es wirklich toll, dass Moyes diese Reaktionen beschrieben hat, denn Sterbehilfe ist ja noch immer ein sehr kontroverses Thema, über das man sich schon seine Gedanken machen sollte. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Wills Tod zweifelsohne tragisch war, aber für ihn der beste Weg. Schließlich war er ein stolzer Mann und konnte einfach nicht damit leben, seit dem Unfall immer nur von anderen abhängig zu sein, nicht einmal selbst essen und trinken oder sich anziehen zu können. Man sollte seine Eltern und auch Lou eher bewundern als verurteilen, denn schließlich haben sie ihr eigenes Glück, ihr eigenes Leben dem von Will untergeordnet. Und das zeugt meiner Meinung nach von enormer Größe - sie haben ihn gehen lassen, obwohl sie ihn für immer schmerzlich vermissen werden.

Ein ganz neues Leben ist wieder ein Buch, bei dem einfach alles passt und bei dem man von der ersten bis zur letzten Seite mitfiebert. Charaktere, Handlung und natürlich Moyes' fantastischer Schreibstil sorgen dafür, dass man keine Sekunde lang daran zweifelt, dass Lous Leben tatsächlich so verlaufen sein könnte und natürlich auch dafür, dass man die Lektüre einfach nur genießt. Allerdings ist das Ende schon wieder irgendwie unbefriedigend - Frau Moyes, kommt denn da noch was? ;)


Mein Fazit

Ich hatte riesengroße Erwartungen an die Fortsetzung von Ein ganzes halbes Jahr - und was soll ich sagen, sie wurden restlos erfüllt. Mir hat einfach alles an Ein ganz neues Leben gefallen und es ist, wie auch der Vorgänger, ein Buch, das man so schnell nicht vergisst. Es ist eine Hommage an das Leben und macht auch all jenen Mut, die schon einmal einen geliebten Menschen verloren haben. Trotzdem liefert es mit Lou nicht gerade einen perfekten Protagonisten, der alles richtig macht, ganz im Gegenteil - und genau das ist es, was ich sowohl an Ein ganzes halbes Jahr als auch an Ein ganz neues Leben so liebe. Wer den Vorgänger kennt, sollte sich dieses Buch auf gar keinen Fall entgehen lassen! Ich habe einfach nur jedes einzelne Wort genossen.



Die Reihe:

1. Band: Ein ganzes halbes Jahr
2. Band: Ein ganz neues Leben

4 Kommentare:

Nadine Reich hat gesagt…

Hallöchen :)
Eine wunderbare Rezension! Ich habe ja schon länger überlegt, ob ich es lesen soll und jetzt bin ich mir endlich sicher!
Ein ganzes halbes Jahr fan dich auch ganz toll und denke dann wird mich dieses auch so überzeugen.
Liebste Grüße!
Nadine♥

Steffi L. hat gesagt…

Hallo Katha,
das Buch bist du mir voraus. Ich freu mich schon, wenn ich endlich Zeit habe es zu lesen!

Liebe Grüße
Steffi
von http://zitroschsleseland.blogspot.de

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo :)

Dankeschön :) Das Buch ist wirklich wunderschön, ich konnte mich richtig darin verlieren. Aber irgendwie hatte ich auch nichts anderes von Jojo Moyes erwartet. Bei mir zumindest trifft sie mit jedem Buch ins Schwarze.

Liebe Grüße
Svenja

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu :)

Ich kann es dir auf jeden Fall empfehlen, ich habe es sehr genossen ;)

Liebe Grüße
Svenja

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