Dienstag, 27. Oktober 2015

REZENSION: "Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen" (Mitch Albom)

Copyright Goldmann Verlag

Titel: Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen

Autor: Mitch Albom 

Genre: Roman 

Verlag: Goldmann Verlag

Erscheinungsjahr: 2005

Format: Taschenbuch (7,95 €)

Seiten: 224

ISBN: 978-3-442-46077-9


Inhalt


Das letzte, das Eddie in seinem Leben sieht, ist der Wagon, der auf das kleine Mädchen zusaust. Danach findet er sich im Himmel wieder. Im Gegensatz zu der Annahme, man würde dort am Himmelstor von Petrus in Empfang genommen, trifft Eddie auf fünf Verstorbene, deren Existenz auf irgendeine Art und Weise mit seiner verknüpft war. Sie haben auf ihn gewartet, um ihm die Augen zu öffnen: darüber, welche Sorte Mensch er war, welche Rolle er für andere gespielt hat, und schließlich darüber, wofür sein Leben schließlich gut war. 


Cover



Ich bin mir etwas unschlüssig, ob ich das Cover mag oder nicht. Einerseits finde ich es etwas unspektakulär, andererseits würde eine effektheischende Gestaltung so gar nicht zu der Ernsthaftigkeit des Inhalts passen. Vielleicht hätte man hier noch mehr aus der Geschichte herausholen können, eventuell, indem man die Umrisse der Verstorbenen mit abbildet. 


Meine Meinung


Auf den ersten Blick mag Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen nicht sonderlich viel Eindruck schinden, da es sehr schlicht daher kommt, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Zu Beginn war ich etwas skeptisch, da der Er-Erzähler eher im Ton einer Gute-Nacht-Geschichte Eddies Leben (oder was davon übrig ist) geschildert hat. Auf den Inhalt ist das jedoch keineswegs zutreffend, denn hier werden äußerst schwere Themengebiete angeschnitten: Tod, Vergebung, Krankheiten, Sucht und Krieg – sehr viel Input für so ein schmales Bändchen. Entspannung und Gute-Laune-Momente darf man hier also nicht erwarten. Der Roman ist äußerst tiefgründig und philosophisch angehaucht. Er hat meine Sicht auf die Welt zum Teil verändert bzw. mich in meiner Wahrnehmung sensibilisiert. Ich habe mir unweigerlich selbst Gedanken über mein Leben und die Rolle, die ich vielleicht im Dasein anderer einnehme, gemacht. Man vergisst einfach sehr schnell, dass jede noch so unbedeutend erscheinende Begegnung eine Reihe von Ereignissen in Gang setzen kann und die Zukunft nachhaltig verändert. Das führt einem dieser Roman wunderbar vor Augen. 
Um diese Erkenntnis zu bringen, springt Albom immer in der Chronologie hin und her: mal schildert er Eddies Begegnungen im Himmel, mal kann man ihm durch Rückblenden beim Aufwachsen beobachten und sein Erwachsenenleben miterleben. Das bringt Abwechslung in die ansonsten gleich ablaufende Reihenfolge: Eddie trifft einen Verstorbenen, stellt Zusammenhänge zwischen sich selbst und dieser Person her und lernt auf diese Weise seine Lektion. Das Reizvolle daran war vor allem die ständige Frage, wem Eddie als nächstes begegnen würde und in welcher Verbindung er mit der bzw. dem Toten steht (das sind keineswegs immer nahestehende Personen). Und natürlich die Ungewissheit darüber, ob Eddie das Leben des kleinen Mädchens retten konnte oder nicht. 
An manchen Stellen hätte ich mir einige ausführlichere Beschreibungen gewünscht, aber im Großen und Ganzen ist die Länge des Buches gut gewählt. Wäre es umfangreicher, hätte es wohl irgendwann begonnen, mich aufgrund der gleichförmigen Abläufe begonnen zu langweilen oder zumindest weniger zu fesseln.

Lieblingszitate


„Leben und Tod werden nicht von Fairness regiert“, sagte er. „Sonst würde niemals ein guter Mensch jung sterben.““ (S. 57) 
***
„Fremde“, sagte der Blaue Mann, „sind nur Familienmitglieder, die man noch kennen lernen muss.“ (S. 58)

Fazit


Im Grunde ist Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen eine Art Ratgeber, der wie eine Parabel durch eine romanhafte Erzählung den Leser zu einer Erkenntnis führt. Es ist auf eine sehr subtile Art mitreißend und berührend und hat mich dadurch zum Nachdenken gebracht ohne mich dabei emotional aus der Bahn zu werfen. 


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