Mittwoch, 21. Oktober 2015

REZENSION: "Die Blutschule" (Sebastian Fitzek als Max Rhode)

Copyright Bastei Lübbe

Titel: Die Blutschule

Autor: Max Rhode (Sebastian Fitzek)

Genre: Thriller / Horror

Verlag: Bastei Lübbe

Erscheinungsjahr: 2015  

Format: Klappenbroschur (12,99 €)

Seiten: 255

ISBN: 978-3404172672


Inhalt:

Simon ist gerade 13, als er mit seinen Eltern und seinem 1 Jahr älteren Bruder in ein winziges Dorf am Storkower See ziehen muss. Was auf den ersten Blick idyllisch und abgeschieden wirkt, entpuppt sich jedoch schon bald als höllischer Alptraum. Etwas Dunkles, Grausames scheint in diesem See zu lauern und ergreift Besitz von den Menschen um ihn herum. Und unversehens finden sich Simon und sein Bruder Mark auf einer einsamen Insel mitten im See wieder und drücken die Schulbank. Doch was sie hier lernen, ist jenseits von Gut und Böse: Jagen, Fallen stellen, Töten... 


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist genauso, wie man es von einem blutigen Thriller erwartet: Düster, geheimnisvoll und bedrohlich. Besonders gut gefallen mir die Schulbank mit den Kratzern im Vordergrund und die blutig rote Schrift auf schwarzem Grund - obwohl letzteres natürlich ziemlich typisch für einen Thriller ist. ;)

Meine Meinung:

Bevor ich zur eigentlichen Rezension komme, möchte ich ein paar Worte zum Hintergrund des Thrillers sagen. Einige wundern sich bestimmt (wie auch ich zunächst), wieso Sebastian Fitzek plötzlich unter einem Pseudonym schreibt - schließlich ist er ein Bestsellerautor und jedes seiner Bücher ein Kassenschlager. Die Antwort ist ziemlich überraschend: Max Rhode, der fiktive Autor von Die Blutschule, ist der Protagonist von Fitzeks neuem Roman Das Joshua-Profil, der am 26.10. erscheint. In diesem ist Max Rhode ein erfolgreicher Autor von Thrillern - indem Sebastian Fitzek also Die Blutschule (das Buch einer seiner Figuren) tatsächlich geschrieben und veröffentlicht hat, spielt er mit seinen Lesern und suggeriert Authentizität. Das an sich ist natürlich eine geniale Idee und ich bin gespannt, inwiefern Die Blutschule einen beim Lesen von Das Joshua-Profil beeinflusst. Gleichzeitig hat das Ganze noch einen weiteren Vorteil: Man bekommt einen zusätzlichen Roman von Fitzek in die Finger :D

Zunächst einmal muss man sagen, dass Die Blutschule mit rund 250 Seiten für einen Thriller recht kurz ist. Das hat mich aber von vornherein ganz und gar nicht gestört - im Gegenteil. Manchmal stimmt es eben: In der Kürze liegt die Würze. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass der Roman einfach (anders als die meisten anderen Thriller) auf den Punkt ist. Er ist nicht zu rasant, kommt aber direkt zur Sache, was mir auf jeden Fall lieber ist als ewiges Herumgeschnüffel und -gesuche, seitenlange Dialoge und Monologe und langgezogenes Vorgeplänkel über Hunderte von Seiten. Fitzeks neuester Thriller ist einfach erfrischend anders und auf den Punkt, was mir wirklich unheimlich gut gefällt.

Wer Fitzek kennt, weiß: Nichts geht über den Schreibstil. Er versteht es einfach, allmählich Spannung aufzubauen und dann im richtigen (und oftmals unerwarteten) Moment die Bombe platzen zu lassen. Genauso verhält es sich auch in Die Blutschule, wobei der Schreibstil sich hier gleichzeitig von Fitzeks anderen Roman unterscheidet. Das beweist sein handwerkliches Geschick als Autor, indem er nämlich suggeriert, das Buch hätte ein ganz anderer geschrieben - Max Rhode. Das erkennt man also nicht nur am Cover, sondern auch am Schreibstil und das muss man erst einmal können. Ich finde, Fitzeks Stil ist in diesem Thriller wesentlich vulgärer und schonungsloser, was gleichzeitig zum Protagonisten und Ich-Erzähler Simon passt.

Diesem merkt man nämlich auf jeder einzelnen Seite seine unbändige Wut, seine Zerrissenheit und seine seelischen Wunden an, die die Erlebnisse am Storkower See ihm zugefügt haben. Manchmal war es regelrecht beklemmend, dass man das Gefühl hatte, direkt neben Simon zu stehen und alles, was er durchmachen muss, hautnah mitzuerleben. Und das ist so einiges: Während der Roman relativ entspannt beginnt, baut sich schon bald eine ziemlich aufgeladene Stimmung auf und dann geht es Schlag auf Schlag. Die bildreiche und sehr anschauliche Sprache sorgt auf jeden Fall dafür, dass man beim Lesen einen starken Magen braucht. Außerdem bindet Fitzek alias Rhode auch Horror-Elemente in die Handlung ein, insbesondere in Form einer düsteren Macht, die vom See auszugehen scheint und von den Menschen Besitz ergreift. Übersinnliche Kräfte spielen zwar zum Beispiel auch im Augensammler eine Rolle, aber hier bekommen sie eine völlig neue, brutale und bösartige Dimension.

Die Blutschule ist nicht unbedingt ein Thriller im klassischen Sinne, sondern driftet an mehreren Stellen eher ins Horror-Genre ab. Diese Mischung ist ziemlich interessant und verschafft einem beim Lesen ein beunruhigendes, beklemmendes Gefühl. Genau das wünsche ich mir von einem guten Schocker. Die Handlung ist vielleicht nicht sehr komplex, aber dafür sehr überraschend und spannend bis zum Ende. Dieses überrascht dann noch einmal mit einer unerwarteten Wendung, die einen schlucken lässt. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber das Ende ist der wirklich fulminante und schockierende Höhepunkt des Romans. Bis dahin baut Fitzek Stück für Stück eine ziemlich unangenehme Atmosphäre auf und so ist man schließlich froh, diesen gruseligen See mit seiner unheimlichen Schule und der bösen Macht wieder verlassen zu können. Allerdings empfindet man als leidenschaftlicher Thriller/Horror-Leser an mehreren Stellen auch ein grausames Vergnügen.


Mein Fazit:

Sebastian Fitzeks unter dem Pseudonym Max Rhode veröffentlichter Horror-Thriller Die Blutschule lässt einen wirklich das Blut in den Adern gefrieren und ist ein unheimlich atmosphärischer, stimmungsgeladener und schockierender Roman. Man spürt das Grauen des Protagonisten Simon in jeder einzelnen Pore und rutscht von einem Horror-Szenario ins Nächste. Dabei finde ich persönlich es super, dass der Roman vom Umfang her eher kompakt ist, denn so ist nichts in die Länge gezogen. Die Handlung ist schonungslos und auf den Punkt gebracht und das macht den Thriller für mich wesentlich spannender und unterhaltsamer als ein hunderte von Seiten langer Schinken es in meinen Augen ist. Weil mich Die Blutschule wirklich gefesselt und überrascht hat, gibt es von mir die volle Punktzahl.


   
   

2 Kommentare:

Tanja hat gesagt…

Hach, ich bin mir so unsicher: Ich fand das letzte Fitzek-Buch so gut und der hat mit seinen Geschichten ein Händchen dafür, dass die mich abwechselnd völlig begeistern oder ob ihres Erfolgs eher irritieren.
Von der Beschreibung her reizt mich das schon ein wenig, aber ich glaube, ich warte erst noch ein paar Meinungen auch zum "Joshua-Profil" ab, weil wenn dann will ich entweder beide Romane oder keinen davon lesen.

Ansonsten habe ich euch beide nun übrigens auch mitnominiert: http://reading-parrot.blogspot.ch/2015/10/liebster-award-meine-angst-vor-den-ninja-turtles.html ;)

LG,
Tanja

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallöchen :)

Vielen Dank für die Nominierung, da werden wir nächste Woche mal die Köpfe zusammenstecken. Und du hast recht: Ich denke auch, dass es die größte Herausforderung ist, 11 weitere Blogs zu nominieren. Ich mach mir jetzt schon Gedanken :P

Zu dem Fitzek: Mach doch einfach bei unserem Gewinnspiel mit :) Dann wird dir ja vielleicht die Entscheidung abgenommen, ob du es lesen sollst oder nicht *g* Aber ich kann dir sagen, dass ich es wirklich sehr genossen habe. Bei mir ist das so, dass ich wirklich Lust auf einen Fitzek haben muss - seine Bücher sind gut, keine Frage, aber irgendwie sind es keine Romane, die ich immer lesen kann. "Die Blutschule" ist da anders, wobei mir eben besonders gut gefällt, dass es sich in Richtung Horror bewegt und somit mal was völlig ist.

Liebe Grüße
Svenja

Kommentar veröffentlichen