Donnerstag, 22. Oktober 2015

REZENSION: "Der dunkle Fluss" (Chigozie Obioma)

Copyright Aufbau Verlag

Titel: Der dunkle Fluss

Autor: Chigozie Obioma

Genre: Roman 

Verlag: Aufbau Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (19,95 €)

Seiten: 313

ISBN: 978-3351035921 


Inhalt: 

Benjamin wächst zusammen mit fünf Geschwistern im Afrika der 1990er Jahre auf. Nicht weit von ihrem Elternhaus entfernt befindet sich ein dunkler Fluss, der von den Einheimischen für zahlreiche Unglücke verantwortlich gemacht wird. Und tatsächlich: Nicht lange, nachdem Benjamin und seine drei älteren Brüder im Fluss Fische gefangen haben, wird die Familie von einer Tragödie nach der anderen heimgesucht. Benjamins Welt verändert sich rasend schnell und das Schicksal seiner Familie nimmt seinen Lauf...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover spiegelt für mich Afrika wider und zwar nicht nur aufgrund des farbigen Jungen, der mit seiner Pose jung und lebendig wirkt, sondern vor allem aufgrund der Farbgebung. Das dunkle Rot und der hellere Kreis, der für mich die Sonne symbolisiert, lassen einen sofort an die Hitze und Weite Afrikas denken. Das Cover ist also absolut passend, obwohl es mir mit den kräftigen Signalfarben vielleicht einen Ticken zu aufdringlich ist.


Meine Meinung:

Seit der Leipziger Buchmesse lag die signierte Ausgabe von Chigozie Obiomas Roman Der dunkle Fluss nun schon auf meinem SuB und nun kam ich endlich zum Lesen. Ich war sehr gespannt auf das Buch, weil ich zum Einen Bücher vom Aufbau Verlag generell sehr mag und der Autor zum Anderen teilweise mit Khaled Hosseini verglichen wird, den ich sehr gerne lese. 

Der Einstieg fiel mir relativ leicht, denn Obioma schreibt sehr angenehm, stimmungsvoll und vor allem bildlich. Während des Lesens schmeckt man die saftigen Mangos, riecht die fremden Gerüche und fühlt die sengende Gluthitze der afrikanischen Sonne auf der Haut. Daher hat mir das Setting auch am besten gefallen, es war so anders als die Orte, an denen die meisten Geschichten spielen, die ich so lese. Obioma hat außerdem einen ganz eigenen Stil und beschwört mit seinen Worten Bilder von mythischen Gegenden und Sagen herauf. 

Protagonist des Romans ist der 10-jährige Benjamin, der gleichzeitig das reflektierende Ich ist. Die Geschehnisse werden also aus seiner Sicht erzählt, was dem Leser die Hauptperson ja eigentlich grundsätzlich näher bringt. In Der dunkle Fluss war das allerdings nicht der Fall. Irgendwie blieb Benjamin für mich bis zum Ende in gewisser Weise körperlos, ich konnte mich nicht wirklich in ihn hineinversetzen. Ich kann gar nicht genau sagen, woran das liegt, denn es wird doch recht leidenschaftlich erzählt und die Gefühle des Erzählers spielen eine große Rolle. Vielleicht liegt es einfach an der afrikanischen Kultur, die einem ja recht fremd ist und auf die man sich erst einmal einlassen muss. 

Die Handlung selbst war für mich lange Zeit über ein Rätsel. Ich konnte die beschriebenen Geschehnisse oftmals nicht richtig einordnen und habe mich gefragt, worauf das Ganze hinausläuft. Im Prinzip geht es um eine Familientragödie, wie mir im Nachhinein klar ist. Es geht auch um den Einfluss von (Aber-)Glauben und Mythen auf das Leben der Menschen in Afrika und um Politik und ihre Folgen. Das alles verbindet Obioma geschickt miteinander und für mich tat es der Geschichte keinen Abbruch, dass sie stellenweise so undurchsichtig und rätselhaft war, vielmehr macht es sie zu einer außergewöhnlichen und mythischen Erzählung.

Den Lesefluss gestört haben meiner Meinung nach allerdings teilweise die zahlreichen Rückblicke. Diese werden ohne Kennzeichnung in die laufende Handlung eingebunden, was für mich das Lesen ab und an erschwert hat. Man musste wirklich wach und aufmerksam sein, um alles in sich aufzunehmen, was mir manchmal nicht ganz gelang, da Lesen für mich ja vordergründig Entspannung ist. Gleichzeitig verleihen die Rückblicke der Geschichte und ihrem Erzähler aber auch eine gewisse Authentizität: Man stellt sich einen älteren Benjamin vor, der seine Erlebnisse mündlich wiedergibt und sich während des Erzählens an weitere Ereignisse erinnert. 

Mein Fazit:

Der dunkle Fluss ist der Debütroman von Chigozie Obioma und als solcher wirklich sehr gelungen. Obioma geht sehr gewandt mit Worten um und erschafft so Welten, denen man sich nicht entziehen kann. Beeindruckt haben mich außerdem die fremde Kultur, das mythische Setting und die stellenweise undurchsichtige Handlung, die das Buch für mich zu einem wirklich außergewöhnlichen Roman machen. Allerdings kam ich manchmal nur holprig voran, da die vielen Rückblicke und der nicht ganz fassbare Ich-Erzähler den Lesefluss nach meinem Empfinden etwas stören. Alles in allem hat mich Obiomas Roman aber wirklich gefesselt und ich kann ihn auf jeden Fall weiterempfehlen, weil er so ganz anders ist als die "Mainstream-Literatur".



2 Kommentare:

Cirilla von Cintra hat gesagt…

Liebe Svenja,

ich habe dich mit dieser Rezension auf meiner Weltreiseseite in Afrika verlinkt. Ich hoffe, dass das ok ist. Ansonsten sag mit bitte einfach bescheid, dann nehme ich den Link direkt wieder raus :)

Liebe Grüße
Ciri

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu :) Natürlich ist das okay, über Links freuen wir uns immer :) Vielen Dank!

Liebe Grüße
Svenja

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