Freitag, 30. Oktober 2015

REZENSION: "Das Joshua-Profil" (Sebastian Fitzek)

Copyright Bastei Lübbe

Titel: Das Joshua-Profil

Autor: Sebastian Fitzek

Genre: Thriller

Verlag: Bastei Lübbe

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (19,99 €)

Seiten: 430

ISBN: 978-3785725450


Inhalt:

Max Rhode verdient seinen Lebensunterhalt als eher mäßig erfolgreicher Thrillerautor, anders als die Hauptpersonen in seinen Romanen und sein älterer Bruder Cosmo, ein verurteilter Pädophiler, hat er sich selbst jedoch noch nie etwas zuschulden kommen lassen. In absehbarer Zeit wird sich das allerdings ändern: Schon bald wird Max ein grausames Verbrechen an seiner eigenen Tochter begehen. Nur weiß er das selbst noch nicht - Joshua weiß es, denn Joshua irrt sich nie. Und so wird Max zum gejagten Verbrecher, dem eine gefährliche Organisation auf den Fersen ist...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist - typisch Thriller - in Schwarz/Rot gehalten, gefällt mir aber ziemlich gut. Die Hände wirken ziemlich real und haben schon fast einen 3D-Effekt. Ich finde es auch super, dass das Cover die Fäden des eigenen Lebens symbolisiert, die jemand anderes im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand hat.

Meine Meinung:

Nachdem ich Die Blutschule gelesen hatte, war ich ziemlich neugierig auf Das Joshua-Profil, das am 16.10. frisch erschienen ist. Die beiden Bücher erzählen zwar im Prinzip voneinander unabhängige Geschichten, doch der fiktive Autor von Die Blutschule, Max Rhode, ist der Protagonist im Joshua-Profil und schon allein das macht das Konzept ziemlich interessant. Ich habe Max Rhode also schon beim Lesen "seines Romans" kennengelernt und konnte mir deswegen von Anfang an ein ziemlich konkretes Bild von ihm machen. 

Der Klappentext wirkt erst einmal recht wirr und man weiß nicht genau, woran man ist. Das Gleiche gilt auch für die Handlung, die immer wieder Fragen aufwirft und einen von einer Absurdität in die nächste stürzt. Das an sich finde ich klasse: Fitzek spielt mit dem Leser und wirft ihm Informationen immer nur häppchenweise hin, wodurch sich wirklich erst gegen Ende das Puzzle nach und nach zusammensetzt. Ich möchte nicht zu viel verraten - ihr müsst schon selbst herausfinden, wer oder was Joshua ist -, aber das Konzept ist ziemlich interessant und spannend, dabei auch absolut vorstellbar und authentisch. 

Authentisch ist auch der Protagonist - der mäßig erfolgreiche Thrillerautor Max Rhode. Wer so wie ich schon vorher Die Blutschule gelesen hat, kann sich recht schnell ein ziemlich gutes Bild von ihm machen und so wird er irgendwie zu einer greifbareren und realistischeren Person. Man findet nach und nach heraus, was es mit Der Blutschule auf sich hat und stellt fest, dass der fingierte Roman einige Parallelen zum Leben von Max aufweist. Fitzek nutzt also einen fiktiven Autor und sein Wek, um zu demonstrieren, welche Rolle die Autorfigur bei der Herstellung eines Textes spielt und welche unbewussten Einflüsse oftmals Eingang in ihn finden. Ziemlich gelungen finde ich auch die Tatsache, dass die Handlung von Die Blutschule eine große Rolle im Joshua-Profil spielt und den Schlüssel zur Lösung des Falls darstellt.

Die Figuren-Konstellationen sind insgesamt "typisch Fitzek". Neben Max haben wir noch seine Tochter Jola, die schon bald in tödlicher Gefahr schwebt und die er zu retten versucht, und die zufällig in das Geschehen hineingestolperte Paket-Lieferantin Frida. Außerdem natürlich die skrupellosen Gegner, die hinter Max her sind, und die Gegner der Gegner, die ihm augenscheinlich helfen wollen. Einen kontroversen Charakter hat Fitzek hingegen mit Max' Bruder Cosmo geschaffen. Dieser ist ein verurteilter Pädophiler, der einem allen Regeln zum Trotz allerdings ziemlich sympathisch ist. Fitzek stellt ihn nicht als das Monster dar, das man erwartet in ihm zu sehen, sondern als einen Menschen mit Schwächen und Neigungen, die ihn belasten und gegen die er sich zu wehren versucht. Dieser Ansatz ist ebenso gewagt wie herausragend, denn er zeigt eben, dass nicht alles immer nur Schwarz oder Weiß ist. 

Die Handlung ist insgesamt wirklich innovativ und interessant, stellenweise sehr rasant und spannend. Es ist so ziemlich alles dabei, was man von einem Thriller erwartet: Verfolgungsjagden, Entführungen, Mord, tödliche Missverständnisse, Geheimnisse und falsche Spuren. Irgendwie kam mir die Handlung aber an einigen Stellen ziemlich überzogen vor, direkt wie aus einem explosiven Hollywood-Thriller. Außerdem war mir das Ende dann vielleicht eine Spur zu abrupt. Dafür hat mir das verhältnismäßig lange Nachwort unheimlich gut gefallen und mir wieder einmal gezeigt, was für ein sympathischer Mensch Sebastian Fitzek doch ist. Alles in allem wurde ich aber wirklich gut unterhalten.

Mein Fazit:

Das Joshua-Profil ist einerseits genau das, was man von einem Thriller oder auch von einem Fitzek erwartet: Hochspannung und Nervenkitzel pur. Obwohl mir die Handlung an einigen Stellen etwas zu klischeehaft und überzogen war, haben mich die neuen Ansätze, die Fitzek in seinem aktuellsten Roman aufgreift, vollends überzeugt. Beeindruckt haben mich vor allem der Protagonist Max Rhode, der durch Die Blutschule greifbarer und authentischer wirkt als so manch anderer Hauptcharakter, sein Bruder Cosmo - ein erschreckend sympathischer Pädophiler - und nicht zuletzt die schockierende Idee, die hinter Joshua steckt. Wer bereit ist, sich auf eine nebulöse Handlung und eine an Science Fiction erinnerende Thematik einzulassen, der wird von Das Joshua-Profil auf jeden Fall glänzend unterhalten!


      

 


2 Kommentare:

Peter1996 hat gesagt…

Hallöchen! :)
Deine Rezension zu "Das Joshua Profil" gefällt mir echt gut. Mich der Thriller immer ziemlich abgeschreckt, da er so gar nicht nach Fitzek klingt... aber ich überlege mir nun, ob ich ihn nicht doch lese.
Kennst du eigentlich schon "Der Nachtsammler", "Augensammler" und "Augenjäger"? Die sind top!

Liebe Grüße
- Peter

http://petersbuecherkiste.blogspot.com/

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu :)

Das "Joshua-Profil" kann ich wirklich empfehlen, es ist ein etwas anderer Fitzek, aber trotzdem ganz klar ein Fitzek ;) Und "Die Blutschule" würde ich auf jeden Fall dazu lesen.

"Der Nachtwandler" steht schon im Regal bereit und "Augensammler" und "Augenjäger" habe ich gelesen und fand sie auch ganz gut. Am besten gefallen hat mir bisher aber "Passagier 23".

Liebe Grüße
Svenja

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