Montag, 5. Oktober 2015

REZENSION: "Blinde Vögel" (Ursula Poznanski)

Copyright Wunderlich Verlag

Titel: Blinde Vögel

Autor: Ursula Poznanski

Genre: Roman / Thriller

Verlag: Wunderlich Verlag

Erscheinungsjahr: 2013 

Format: Broschiert (16,99 €)

Seiten: 476

ISBN: 978-3-8052-5045-0


Inhalt


Der Fund zweier Leichen in Salzburg stellt Bea Kaspary und Florin Wenninger erneut vor Rätsel, denn auf den ersten Blick scheint zwischen den Mordopfern keinerlei Verbindung zu bestehen. Der einzige Anhaltspunkt in den Ermittlungen ist die Facebook-Gruppe „Lyrik lebt!“, in der beide Opfer Mitglied waren. Wieder einmal sieht sich Beatrice gezwungen, ihre Arbeit mit ihrem Privatleben zu vermischen, denn nur die Anmeldung in der Gruppe ermöglicht ihr die Spurensuche nach dem Täter. Durch das Interagieren mit den Gruppenmitgliedern verstrickt sie sich immer weiter in das Netz und zieht allmählich die Aufmerksamkeit des Mörders auf sich. 

Cover


Das Bild ist passend zum Genre kreiert: beim Anschauen kommt eine düstere Stimmung auf, das Motiv ist auffällig und ich hab mich gleich gefragt, ob der Vogel symbolisch für etwas stehen soll. In der Tat besteht da ein Zusammenhang, der gegen Ende des Buches aufgeklärt wird. 

Meine Meinung


Wie bei vielen Krimi-Buchreihen ist es auch nicht zwingend notwendig, die vorherigen Teile zu kennen, um sich zurecht zu finden. Mit nur wenigen Worten wird man über die Personen und das bisherige Geschehen ins Bilde gesetzt und allenfalls machen die Referenzen zu vergangenen Fällen Lust darauf, die anderen Bücher zu lesen. Würde ich Fünf von Ursula Poznanski nicht bereits kennen, hätte ich es mir jetzt auf jeden Fall vorgemerkt (der 3. Band Stimmen steht bereits auf der WuLi). Aber nun zu Blinde Vögel:
Es war nicht sonderlich schwer, sich wieder mit Beatrice Kaspary und Florin Wenninger vertraut zu machen, da man neben ihrer Ermittlungsarbeit auch Einblicke in ihr Privatleben bekommt. In diesem Teil sind beide Bereiche (Job und Privatleben) sogar noch stärker miteinander verknüpft als noch in Fünf, da Bea sich auch privat online auf die Suche des Mörders macht. Das ist auch einer der Aspekte, den ich sehr an der Kaspary-Reihe mag: Social Media bzw. aktuelle Trenderscheinungen spielen eine absolut zentrale Rolle. In der Beziehung orientiert sich Ursula Poznanski immer am Puls der Zeit und ist up to date. Erstaunlicherweise lernt man selbst sogar manchmal noch etwas dazu (ich zumindest habe es getan) und wird selbst ggf. etwas vorsichtiger im Hinblick auf seine eigenen Daten im Netz. Ich habe unverzüglich meine Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook gecheckt, nachdem das Thema im Buch aufgekommen war. Außerdem haben solche Fälle, in denen Technik und Social Media nicht unerheblich sind, eine ganz eigene Dynamik, da sich die Verfolgungsjagd auf zwei Ebenen abspielt: dem realen Leben und den virtuellen Raum. Trotzdem empfand ich den Nervenkitzel hier ein wenig schwächer, da die Gespräche per Facebook mit den Gruppenmitgliedern hin und wieder etwas langwierig erschienen und dadurch das Geschehen ausgebremst haben. Aber wie immer war die Enthüllung am Ende überraschend und auch das Tatmotiv war weitaus komplexer als ich vermutet habe, sodass das eine das andere ausgleicht. 
Mein beständiger Störfaktor war eigentlich nur Achim, Beatrices Ex-Mann. Seine Gehabe und sein Unverständnis dafür, dass Beatrice als Polizistin eigentlich immer im Einsatz ist, war einfach nur nervig. Ich verstehe zwar durchaus, wie belastend das in ihrer früheren Beziehung gewesen sein muss und dass es auch bei der Erziehung ihrer Kinder ein großes Hindernis darstellt, aber er wusste ja auch von Anfang an, worauf er sich bei ihr einlässt. Daher hätte ich ihn bei jedem bissigen Kommentar am liebsten angeschrien. Demzufolge war ich auch sehr froh, dass er in Band 2 eine wesentlich geringere Rolle gespielt hat als noch in Fünf
Sein nervtötender Charakter hat aber den positiven Nebeneffekt, dass Florin dadurch umso vorteilhafter im Gedächtnis bleibt. Er hebt sich durch sein freundliches Verhalten, sein offenes Ohr für Beas Probleme und die niedlichen Andeutungen, Gesten (ich sage nur: Klingelton) und Komplimente sehr stark von Achims ständigen Vorwürfen ab, dass es nur verständlich ist, dass Bea ihm allmählich verfällt. Bereits in Fünf gab es erste Andeutungen in die Richtung und erfreulicherweise kommen Bea und Florin in der Beziehung deutlich voran. Ihre gemeinsamen privaten Momente bringen immer einen kleinen Lichtschimmer in die Handlung. 
Was ich ebenfalls sehr mag, ist, dass einige Abschnitte 1:1 wie Gedankengänge formuliert sind. Das ist so, als würde man direkt in Beas Kopf hineinblicken und sehen, wie ihr Verstand arbeitet. Auch der Wechsel in die Gedanken des Mörders, von dessen Identität man aber keine Ahnung hat, hat mir gefallen. Ich bin sogar der Meinung, dass die Geschichte noch mehr dieser Passagen vertragen hätte. 

Fazit


Was den Fall betrifft, kann man Blinde Vögel problemlos als eigenständigen Kriminalroman lesen. Um einzelne Dinge zu verstehen, die Beas und Florins Beziehung zueinander betreffen, macht es sich gut, wenn man den ersten Teil kennt, aber es ist nicht zwingend notwendig. Als Shipperin der beiden war ich besonders über ihre gemeinsamen Momente erfreut. Sie helfen auch über die Phasen hinweg, in denen die Ermittlungen festzustecken scheinen. Die Handlung selbst raubt einem im Hinblick auf die Spannung nicht den Schlaf, aber es ist auch nicht langweilig, und besonders die Auflösung war kaum vorhersehbar. 

 

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