Freitag, 16. Oktober 2015

REZENSION: "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" (Kerstin Gier)

Copyright Bastei Lübbe
Titel: Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner

Autor: Kerstin Gier

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Bastei Lübbe

Erscheinungsjahr: 2013 

Format: Taschenbuch (8,99 €)

Seiten: 282

ISBN: 978-3-404-16795-1


Inhalt:

Seit fünf Jahren sind Kati und Felix ein glückliches Paar. Sie kennen einander in- und auswendig und wissen den anderen mit seinen kleinen Macken zu schätzen und zu lieben. Eigentlich ist alles perfekt - bis Kati auf einer Tagung Mathias trifft, der einen gehörigen Schwarm Schmetterlinge in ihrem Bauch zum Flattern bringt. Hals über Kopf verliebt sie sich in ihn, auch wenn sie sich gegen die Gefühle wehrt, schließlich will sie ihrem Mann nicht weh tun. Doch das Universum hat eine Lösung für ihr Dilemma parat: nach einem Unfall wacht Kati exakt einen Tag vor ihrer ersten Begegnung mit Felix auf. Nun hat sie die Möglichkeit, ihre Beziehung zu verhindern und ihm somit jeden Herzschmerz zu ersparen und stattdessen mit Mathias glücklich zu werden. Das ist gar nicht so einfach, denn per Zufall läuft sie Felix immer wieder über den Weg und Mathias für sich zu gewinnen, läuft auch nicht so ab, wie Kati sich das vorstellt. 


Cover


Von dem Cover bin ich eigentlich weniger begeistert. An sich ist die Idee witzig und ausgefallen, aber ich finde die Kombination aus Esel, den abstrakten Blümchen und der Hintergrundfarbe einfach völlig unpassend und merkwürdig. Das wirkt leider schon fast amateurhaft. 

Meine Meinung


Geschichten, in denen man durch einen Zeitsprung die Möglichkeit hat, den Lauf der Dinge zu verändern, kommen für mich nie aus der Mode. Schließlich kennen wir alle diese Momente, in denen wir uns alternative Szenarien überlegen und uns fragen: „Was wäre wenn?“ Aus dem Grund hat mich auch der Inhalt von Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner so angesprochen. Und dass das Buch auch noch von Kerstin Gier stammt, war ein weiterer Pluspunkt, denn bisher habe ich nur Romane von ihr gelesen, die mir gefallen haben. Der Anfang gefiel mir ziemlich gut, da man zunächst das jeweilige erste Kennenlernen aus Felix' und Mathias' Perspektive geschildert bekommt, sodass man sich im Nu ein Bild von den drei zentralen Charakteren machen kann. Danach vollzieht sich dann ein Wechsel zu Katis Gedankenwelt. Diese ist in üblicher Gier-Manier geschrieben, d.h. locker, auf den Punkt und mit einem Augenzwinkern versehen. Auch wenn ich sonst ein Fan davon bin, fand ich dann doch Kati bzw. die Erzählweise etwas anstrengend, denn an manchen Stellen hätte ich mir einen ernsthaften Ton der Flapsigkeit vorgezogen. Natürlich lebt ein solcher Roman von skurrilen und peinlichen Situationen (Bridget Jones lässt grüßen), aber ich habe mich hin und wieder gefragt, ob das jetzt wirklich notwendig war. Auch dem überdrehten Geplappere von Kati, wenn sie ihre Unsicherheit überspielen wollte, konnte ich (im Gegensatz zu Felix und Mathias) nicht viel abgewinnen – aber das muss ich ja auch nicht. 
Wirklich klasse an ihr fand ich jedoch, dass sie alles andere als egoistisch ist. Sie nutzt den Zeitsprung nicht nur dafür, ihr eigenes Liebesleben umzugestalten (und somit ihrem Mann Felix einigen Herzschmerz zu ersparen), sondern will auch ihren Freunden und Verwandten (zumindest die, die sie mag) zu ihrem Glück verhelfen. Dadurch hat sie mehrere kleine und große Missionen (bspw. die Hochzeit ihrer Schwester den würdigen Ablauf zu verleihen, den sie verdient hat), die sie auf Trab halten und verhindern, dass die Handlung stagniert
Natürlich war der Ausgang der Geschichte absehbar (zumindest für mich) und man darf dahingehend keine Überraschungen erwarten. Das ist in diesem Fall sogar gut so, denn eine andere Pärchenkonstellation hätte ich wohl boykottiert. Ich kann an der Stelle Mathias und Felix detailliert beschreiben, weil man wohl sehr schnell herauslesen könnte, wen von beiden ich präferiere. Aber ich kann zumindest sagen, dass beide Eigenschaften haben, die ich an ihnen schätze. Mathias ist trotz seines guten Aussehens nicht arrogant (auch wenn das im ersten Abschnitt so klang), macht nie abschätzige Bemerkungen über andere und ist wirklich nett, steht aber trotzdem für Abwechslung und das Unbekannte. Felix wiederum ist sozusagen der Fels in der Brandung, liebt Kati bedingungslos, ist intelligent und sieht stets das Gute im Menschen. So gesehen sind beide ein Glücksgriff, aber nur einer ist der Richtige (in dem Fall kann man das tatsächlich so sagen). 
Für die Gestaltung des Romans haben sich Kerstin Gier bzw. ihre Verlegerin ein bisschen was einfallen lassen: es gibt nicht nur Erklärungen in Fußnoten, sondern auch eine Fülle an Zitaten und Lebensweisheiten, die immer passend zum thematischen Rahmen gewählt sind (das muss eine unglaubliche Recherchearbeit gewesen sein). Beides gefällt mir ausgesprochen gut, denn in die Fußnoten kann man super Bemerkungen einschieben, zu denen man an der jeweiligen Stelle nicht gut überleiten konnte, und die Zitate haben mich enorm bereichert

Lieblingszitat


Mein Lieblingszitat aus dem Buch stammt von Goethe: 
“Auch aus den Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

Fazit


Insgesamt ist Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner ein Buch, das man gelesen haben kann, aber nicht lesen muss. Es ist unterhaltsam für einige Stunden und man kann es wunderbar einschieben, wenn man ein bisschen weniger anspruchsvolle Lektüre braucht. Trotz der Dreieckskonstellation werden alle Charaktere so präsentiert, dass man sie einfach nur liebgewinnen kann. Auf Dauer war Katis Sprunghaftigkeit und Aufgekratztheit für mich etwas anstrengend, aber sie war für die Unterhaltung notwendig



1 Kommentare:

Lena Müller hat gesagt…

Hey ;)
Das Buch habe ich vor kurzem auch gelesen. Mir hat es eigentlich ganz gut gefallen. Besonders der Sinn, bzw. die Aussage des Buches fande ich total toll.
Danach habe ich gleich 'Männer und andere Katastrophen gelesen', was mir aber gar nicht zugesagt hat... ;(

Liebe Grüße,
Lena

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