Mittwoch, 2. September 2015

REZENSION: "Forbidden" (Tabitha Suzuma)

Copyright Oetinger Verlag

Titel: Forbidden

Autor: Tabitha Suzuma

Genre: Jugendbuch / Drama

Verlag: Oetinger Verlag

Erscheinungsjahr: 2011

Format: Hardcover (17,95 €), TB

Seiten: 446

ISBN: 978-3789147449



Inhalt:

Der 17-jährige Lochan und die 16-jährige Maya haben ein hartes Leben: Neben der Schule müssen sie sich um ihre drei jüngeren Geschwister kümmern, den Haushalt schmeißen und höllisch aufpassen, dass das Jugendamt nicht auf sie aufmerksam wird. Denn ihre Mutter ist nicht nur alkoholabhängig, sondern interessiert sie sich seit der Trennung von dem Vater ihrer Kinder so gut wie gar nicht mehr für ihre Familie und kreuzt in der Regel nur alle paar Wochen zuhause auf. Doch bei all dem Stress und der Verantwortung merken Maya und Lochan, dass sie viel mehr als nur Bruder und Schwester sind - sie lieben sich und begehren einander. Doch ihre Beziehung müssen sie unter allen Umständen geheimhalten, denn die ist gegen das Gesetz und hat für die beiden schließlich fatale Folgen...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir sehr gut, da es hervorragend zum Inhalt passt. Die roten Rosenblüten symbolisieren die Liebe zwischen Maya und Lochan und das Herz aus Stacheldraht macht deutlich, dass es sich um eine verbotene Liebe handelt. Ich finde, durch diesen Widerspruch wird man recht schnell auf das Cover aufmerksam und das war auch der Grund, weshalb ich zu dem Buch gegriffen habe.

Meine Meinung:

Cover und Klappentext haben mich ziemlich neugierig auf Forbidden gemacht, denn der Roman behandelt ein nicht sehr häufig besprochenes Tabuthema: Inzest. Protagonisten sind die Teenager Lochan und Maya, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird. Diese Erzählweise macht es dem Leser möglich, sich sowohl in Lochan als auch in Maya einzufühlen und ihre Gedanken und Beweggründe nachzuvollziehen. Ich denke, Suzuma hat sich vor allem auch deshalb für den Wechsel der Perspektiven entschieden, um darzustellen, dass die Liebe zwischen den beiden einvernehmlich ist und dass beide ähnlich fühlen.

Ausgangssituation für die Handlung ist das Familienleben von Lochan und Maya: Sie als die beiden Ältesten sind verantwortlich für die 5-jährige Schwester und ihre beiden Brüder im Alter von 9 und 13. Ihre Mutter ist so gut wie immer abwesend und taucht nur am Rande des Geschehens - meist betrunken, gleichgültig und mit einer Zigarette in der Hand - auf. Das hat mich beim Lesen unglaublich wütend gemacht: Wie kann eine Mutter ihre fünf Kinder alleine lassen und sich unterdessen vergnügen und betrinken? Mayas und Lochans sich entwickelnde Liebe scheint beinahe eine Konsequenz aus dem Verhalten ihrer Mutter zu sein, denn sie schlüpfen in die Rollen der Eltern und agieren fast täglich als gleichberechtigte Partner und nicht als Bruder und Schwester.

Den Fokus legt Suzuma auf die Gefühlswelt ihrer Protagonisten und ihr moralisches Dilemma. Vor allem Lochans Charakter hat mich sehr bedrückt und betroffen - er zieht sich von der Welt zurück, hat unheimliche Schwierigkeiten mit anderen zu sprechen und bekommt sogar mitten im Unterricht Panikattacken. Zuhause hingegen muss er stark sein, sich um die Versorgung der Geschwister kümmern und vor allem bei dem 13-jährigen Kit hart durchgreifen. Maya ist Lochans Gegenpol - sie ist offen und herzlich und weiß ihn immer zu beruhigen. Sie ist auch diejenige, die den ersten Schritt macht und Lochan dazu bewegt, sich auf die Beziehung mit ihr einzulassen, denn auch sie ist der Meinung: Sie lebten immer schon wie Partner zusammen und nicht wie Bruder und Schwester.

Beim Lesen vergisst man sehr oft, dass die Liebe zwischen Maya und Lochan verboten ist, dass sie Geschwister sind. Suzuma geht sehr einfühlsam mit ihnen um und auf ihre Gedanken ein: Man erlebt ihren ersten Kuss und spürt hautnah ihr Begehren. Ich habe eigentlich nicht einmal gedacht "Wie abartig", weil Maya und Lochan tatsächlich so gut zusammenpassen wie ein Liebespaar und weil ihre Küsse, Berührungen und Worte so selbstverständlich und echt sind. Stoppen sich die beiden zu Beginn immer wieder, weil sie sich daran erinnern, dass das was sie tun strengstens verboten und verpönt ist, werden sie im Laufe der Geschichte unvorsichtiger und geben sich schließlich ihrem Verlangen hin. Dabei denken sie jedoch immer an ihre Geschwister und das finde ich sehr beeindruckend, denn tatsächlich sind Maya und Lochan eher Erwachsene, die eine große Verantwortung tragen, und sie wirken in allem, was sie tun, besonders reif.

Indem Suzuma das Inzest-Thema auf diese Weise betrachtet und dem Leser mit Lochan und Maya Bruder und Schwester präsentiert, deren Liebe tatsächlich echt und unumstößlich wirkt, denkt man auf eine ganz andere Art über das Thema nach. Es stößt einen nicht ab, sondern regt eher dazu an, sich zu fragen: Konnten die beiden gar nicht anders, aufgrund ihrer außergewöhnlichen Familiensituation, hätten sie sich auch geliebt, wenn sie sich sorgende Eltern gehabt hätten und kann man einem Paar, das sich derart anbetet und liebt, tatsächlich den Umgang miteinander verbieten? Diesen Ansatz finde ich wirklich bemerkenswert, denn er führt einen besonders einfühlsam an ein Tabuthema heran.

Schockiert hat mich die Geschichte natürlich trotzdem in vielerlei Hinsicht - nicht nur in Bezug auf die Liebe und die sexuelle Beziehung zwischen Geschwistern, sondern auch in Hinblick auf die ständige Abwesenheit und völlige Ignoranz der Mutter. Die Beweggründe von Lochan und Maya und ihre Gefühle lassen sich sehr gut nachvollziehen und die Handlung ist mit einigen Ausnahmen spannend bis zum Schluss. Dieser hat mich wirklich sehr betroffen gemacht und auch wenn ich von Anfang an kein Happy End erwartet habe, hätte ich mir das Ende doch irgendwie anders vorgestellt. Aber lasst euch überraschen.

Mein Fazit:

Forbidden ist die Geschichte von Lochan und Maya - zweier Teenager, die das Leben auf eine harte Probe stellt und die sich innig lieben. Doch die beiden sind Bruder und Schwester und diese Tatsache ist ebenso erschreckend wie ihre Familiensituation, denn Lochan und Maya werden von ihrer Mutter mit den drei jüngeren Geschwistern sitzen gelassen. Trotz dieses beklemmenden Themas habe ich das Buch sehr gerne gelesen, denn Tabitha Suzuma gelingt es, den Leser auf besonders einfühlsame Weise an dieses Tabuthema heranzuführen und sie erreicht vor allem durch die Erzählweise, dass man die Gefühle der Geschwister zumindest nachvollziehen, wenn auch nicht verstehen kann. Eine bedrückende Geschichte mit kleineren Schwächen, die im Großen und Ganzen spannend und verstörend, dabei aber auch anrührend und bewegend ist bis zur letzten Seite.





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