Montag, 28. September 2015

REZENSION: "Du und ich und all die Jahre" (Amy Silver)

Copyright Rowohlt Verlag
Titel: Du und ich und all die Jahre

Autor: Amy Silver

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Rowohlt Verlag

Erscheinungsjahr: 2015 (11. Aufl.)

Format: Taschenbuch (8,99 €)

Seiten: 367

ISBN: 978-3-499-25989-0

Challenge-Gewinner: Ja (September                                          2015)

Inhalt

Nicole hat jedes Silvester auf dieselbe Art und Weise verbracht: zusammen mit ihrem besten Freund Julian, mit dem sie ihre 5 Vorsätze für das kommende Jahr austauscht. Seit ihrer Schulzeit hat das Tradition. Aber dieses Jahr hapert Nic mit ihrer Liste, denn in ihrem Privatleben läuft nichts wirklich rund: in ihrer Ehe mit Dom kriselt es, ihr Vater ist an Krebs erkrankt und auch mit ihrer besten Freundin versteht sie sich nicht mehr so gut wie früher. Und dann wäre da noch Aidan, Julians älterer Cousin, der immer im ungünstigsten Moment auftaucht – und den sie seit ihrer ersten Begegnung liebt.


Cover

Das Cover hat mich sofort angesprochen: die Farben sind auffällig, aber nicht erdrückend, das Motiv einprägsam (wenn auch von der Idee und dem Stil her nicht neu) und die Gestaltung ähnelt Was bleibt, wenn du gehst, sodass man den Roman mit Amy Silver in Verbindung bringen kann. Mein einziger Kritikpunkt ist eigentlich, dass mit dem Bild eine Harmonie vermittelt wird, die im Roman selbst nur bedingt gegeben ist.

Meine Meinung

Trotz des angenehmen Schreibstils hatte ich einige Startschwierigkeiten, auch wenn ich nicht wirklich weiß, woran es lag. Vielleicht lag es an der Ausgangssituation (die Ehekrise von Dom und Nic und die Nachricht von Nics Vater), die einen erstmal vor den Kopf stößt. Nachdem ich das aber erstmal verdaut hatte, hatte mich die Geschichte schließlich am Haken. 
Wie auch bei Was bleibt, wenn du gehst gefiel mir diese Trennung von Vergangenheit und Gegenwart sehr gut. Man kann dadurch die Handlungen der Personen durch den Einblick in ihr früheres Ich besser nachvollziehen und bekommt ein klareres Bild von ihnen. Außerdem fiebert man deshalb jedem „Zeitsprung“ entgegen, denn es werden einem im aktuellen Geschehen immer gewisse Details vorenthalten, die sich erst nach und nach in den Rückblenden erschließen, und man wartet auf die Zusammenführung beider Zeitstränge. Das ist eine clevere Lösung, denn dadurch wird die Handlung erst interessant und man gewinnt nicht den Eindruck, als würde nichts passieren. 
Mein Verhältnis zu den Charakteren war sehr durchwachsen. Zwar mochte ich Nic von Anfang an, aber in den Rückblenden fehlte es mir bei ihr an Willensstärke gegenüber Aidan. Wie Dom richtig festgestellt hat: er ruft und sie springt. Sie hat ihm alles verziehen, jede Menge Ausreden für sein Verhalten gefunden und das war auf Dauer einfach anstrengend. Allerdings bezieht sich das nur auf die vergangenen Jahre. Die Nic der Gegenwart lässt sich wesentlich weniger herumschubsen, was deutlich macht, wie sehr sie sich gewandelt hat. Jedoch erscheint sie einem nicht mehr ganz so lebensfroh. Die Erklärung dafür ergibt sich im Laufe des Buches, daher will ich sie nicht vorweg greifen. Jedenfalls war mir die willensstarke Nicole wesentlich lieber. 
Meine Einstellung zu Dom und Aiden glich auch eher einer Achterbahnfahrt. Erst fand ich Dom total niedlich in seiner Art und hab nicht verstanden, warum Nic manchmal so distanziert ihm gegenüber ist. Dann habe ich erfahren, dass er mit Nics bester Freundin Alex geschlafen hat, sodass er sofort in meiner Gunst gesunken ist. Genauso wie Nic tat ich mich ziemlich schwer, ihm diesen Fehler zu verzeihen. Die Sympathie hat sich dann auf Aidan verlagert, auch wenn er das komplette Gegenteil von Dom ist – oder gerade deswegen. Allerdings waren die Eigenschaften, die ich anfangs so gut an ihm fand, dann auch die Punkte, derentwegen ich ihn langsam immer weniger mochte. Paradox, ich weiß. Ich konnte zunächst sehr gut verstehen, was Nic an ihm so anziehend fand: er war älter und erfahrener, besitzt einen fast jugendlichen Charme, sieht auf seine Art und Weise gut aus, ist charismatisch und hat viel mit Nic gemein (z.B. ihr Job als Dokumentarfilmer). Außerdem hat er irgendetwas Gebrochenes an sich, was ihm die (mysteriöse) Ausstrahlung eines tragischen Helden verleiht. Und wie so oft spricht das das Helfer-Syndrom einer Frau an. Da ist es nur logisch, dass sie ihm verfällt. Aber genau diese Eigenschaften sind auch der Ursprung allen Übels, denn er ist dadurch ziemlich sprunghaft und abenteuerlustig, was Aidan und Nic immer wieder entzweit, weshalb ich nicht umhin kam, ihn streckenweise richtiggehend zu hassen. Dann mochte ich Dom wieder deutlich mehr. Einerseits war das etwas anstrengend, andererseits konnte ich Nic dadurch umso besser verstehen, dass sie sich zwischen den beiden nicht recht entscheiden konnte. Ich für meinen Teil hätte es wohl nicht gekonnt.
Auch bei Alex war ich öfter hin- und hergerissen. Man verurteilt ihren „Ausrutscher“, aber abgesehen davon ist sie so eine wunderbare Freundin, dass man keinen rechten Grund hat, sie gänzlich zu verabscheuen. Besonders in den Rückblenden hat sie mich durch ihren Esprit und ihre verständnisvolle, direkte Ader für sich vereinnahmt. Außerdem ist sie trotz ihrer unglaublichen Schönheit weder dumm noch oberflächlich – also nahezu perfekt. 
Die einzige Person, der ich eigentlich durchweg positiv gewogen war, war Julian. An ihm kann und will ich keinen Makel finden. Er ist so ein Mensch, den man einfach nur gerne zum Freund haben möchte, weil sein Selbstbewusstsein und sein frohes Gemüt auf andere abfärbt.
Auch wenn ich also permanent meine Sympathiepunkte umverteilt habe, so gefielen mir die Charaktere und vor allem der Zusammenhalt zwischen Nic, Julian und Alex einfach besser als in Was bleibt, wenn du gehst, weil mir dort die Freundschaft des Öfteren etwas gezwungen erschien. 

Lieblingszitat


„“Okay“, gab ich zu, „vielleicht siehst du eher aus wie ein Kellner und weniger wie James Bond. Aber immerhin bist du ein scharfer Kellner. Angestellte wie dich zerren kleien schlampen aus guter Familie gern mal für einen Quickie in die Bibliothek.“ - „Ich liebe deine Komplimente, Schatz.““ (S. 241-242)

Fazit

Die Strukturierung, d.h. der ständige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, war der Geschichte äußerst zuträglich, weil sich das Bild dadurch erst nach und nach zusammengesetzt hat. Die Dynamik der Figuren hat mir meist sehr gut gefallen, auch wenn es mich schon etwas strapaziert hat, dass man sie im einen Moment gut leiden kann und im nächsten Moment machen sie jede Sympathie mit irgendeiner Aktion zunichte. Komischerweise hat aber genau das auch eine gewisse Anziehung auf mich ausgeübt.


1 Kommentare:

Janine B. hat gesagt…

Hallo liebe Katharina,

ich habe „Du und ich und all die Jahre“ auch erst gelesen und vorhin rezensiert und ich hoffe, es ist für dich okay, dass ich deine Rezension in meiner unter der Überschrift “Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch” verlinkt habe? Falls nicht, melde dich einfach kurz bei mir und ich lösche dich wieder raus, ja? 😉 Hier der Link: Du und ich und all die Jahre.

Alles Liebe ♥,
Janine

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