Montag, 14. September 2015

REZENSION: "Die Welt ist kein Ozean" (Alexa Hennig von Lange)

Copyright cbt

Titel: Die Welt ist kein Ozean

Autor: Alexa Hennig von Lange

Genre: Roman / Jugendroman / Liebesroman

Verlag: cbt Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Broschiert (14,99 €)

Seiten: 349

ISBN: 978-3-570-16296-5


Inhalt


Ein Praktikum in einem Laden oder einer Firma ist Franzi zu langweilig. Während andere Akten sortieren und Kaffee kochen, kümmert sie sich um die Patienten einer Psychiatrischen Klinik. An ihrem ersten Tag trifft sie auf Tucker und ist sofort von ihm fasziniert. Auch wenn es ihr theoretisch verboten ist, als Angestellte etwas mit einem Patienten anzufangen, will sie ihn doch näher kennen lernen. Da gibt es nur ein Problem: Tucker ist nach einem tragischen Ereignis traumatisiert - so schlimm, dass er seitdem kein einziges Wort mehr gesprochen hat. Wie also kommt man einem Menschen näher, der nicht spricht?


Cover


Das Cover finde ich einfach bombastisch! Sowohl die kräftigen Farben, die sich so stark voneinander abheben, als auch die Welle und die aufgewirbelten Haare verleihen dem Ganzen eine aufmerksamkeitserregende Dynamik. Wirklich super!

Meine Meinung


Zunächst einmal ist mir der Schreibstil positiv aufgefallen: er passt sich sehr gut an die Protagonistin an. Er ist jugendlich, nimmt sich nicht zu ernst, aufgekratzt und munter. Selbst in Konfliktsituationen hatte ich nie das Gefühl, dass die Stimmung ins Bedrückende kippt. Angesichts des Settings ist das doch recht überraschend, spricht aber für Franzis Charakter. 
Weniger zugesagt hat mir allerdings, dass sie phasenweise etwas naiv daherkam und öfter an sich selbst gezweifelt hat. Natürlich wirkt es bescheiden und sympathisch, dass sie nicht mit ihrem musikalischem Talent und ihrem außergewöhnlichen Aussehen hausieren geht, aber manchmal hätte ich mir von ihr ein wenig mehr Selbstbewusstsein gewünscht. Ich weiß allerdings auch, dass das in dem Alter vollkommen normal ist. Wenn sie jedoch tatsächlich wie auf dem Cover aussieht, dann muss sie sich nun wirklich nicht verstecken. Kann sie wahrscheinlich auch gar nicht, da sie allein wegen der Haare aus der Masse heraussticht. Kein Wunder, dass andere von ihr fasziniert sind. 
Mit einigen anderen ihrer Eigenschaften konnte ich mich wiederum gut identifizieren. Sie ist beispielsweise immer auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen und gibt sich nicht mit Normalem zufrieden. Deshalb hat sie sich auch für ein Praktikum in einer Psychiatrischen Klinik entschieden, anstatt für eins im Kino oder einer Firma. Dazu gehört schon eine gewissen Portion Mut – oder Unüberlegtheit. Sie fragt sich später öfter, ob sie sich vollkommen selbst überschätzt, weil mit der Aufgabe viel Verantwortung verbunden ist. Teilweise muss ich ihr da auch zustimmen, denn ich denke, ihr fehlte noch die nötige Reife. Das sieht man schon daran, wie relaxt sie mit der ärztlichen Schweigepflicht umgegangen ist, über die sie eigentlich vorher belehrt wurde. Auch wenn sie nicht leichtfertig, d.h. aus freien Stücken, Informationen über Tucker weitergegeben hat, so kann man doch auch nicht behaupten, dass sie sehr standfest gewesen wäre. Klar, verstehe ich, dass im Eifer des Gefechts einem mal einige Geheimnisse herausrutschen können, aber ich war trotzdem irgendwie enttäuscht von ihr, wenn Patienteninformationen aus ihr herausgeplatzt sind. 
Zu den Patienten und ihren Problemen und dem Personal der Klinik hätte ich mir zudem ein paar mehr Details gewünscht. Es werden zwar am Rande einige Bemerkungen zu ihnen gemacht, aber Franzi agiert kaum mit ihnen. Der klare Fokus liegt auf Tucker, der als einziger näher beschrieben wird, alle anderen werden da zur Nebensache. Das betrifft ebenso Franzis Eltern und ihre Schwester Sina. Das fand ich besonders schade, da einige Sachen aus ihrer Vergangenheit angesprochen wurden, die mich brennend interessiert hätten. Da sie aber die Handlung des vorherigen Romans Ach wie gut, dass niemand weiß ausmachen, wird nicht näher auf sie eingegangen. Deshalb habe ich mir das Buch gleich mal vorgemerkt. 
Die einzige Person, die neben Tucker noch eine wichtige Rolle spielt, ist Franzis beste Freundin Nelli. Sie ist vom Typ her nicht ganz einfach, da sie zu der Sorte Mensch gehört, die zwar einerseits sehr selbstbewusst und sich ihrer Vorzüge bewusst sind, andererseits aber ständig Aufmerksamkeit und Bestätigung brauchen. Sobald letzteres nicht gegeben ist, wird sie auch schnell mal zickig. Darüber musste ich öfter die Augen verdrehen, aber ich muss auch sagen, dass es nie den Rahmen gesprengt hat. Manchmal fand ich es sogar ganz süß, dass sie „eifersüchtig“ war, dass ihre beste Freundin sich nun auch für andere Menschen außer ihr interessiert. 
Die Liebesgeschichte selbst konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Das hat mehrere Gründe, allen voran, dass sich innerhalb weniger Tage so viele drastische Veränderungen vollzogen haben und daher alles überstürzt wirkte. Im Grunde haben die Gefühle überhaupt keine Zeit, glaubhaft zu wachsen: Tucker und Franzi lernen sich kennen, sie fühlt sich fast schon magisch zu ihm hingezogen und malt sich schon irgendeine Art Beziehung aus, die noch gar nicht existiert und obwohl noch gar nichts zwischen den beiden passiert ist. Wie durch ein Wunder macht Tucker nach Jahren des totalem Mutismus auf einmal Fortschritte und kriecht aus seinem Schneckenhaus. Das Ganze passiert so plötzlich, dass man sich eigentlich nur wundert, wo denn diese Wende überhaupt herkommt. Vielleicht fehlt mir auch einfach die romantische Ader, um das nachvollziehen zu können.
Niedlich fand ich allerdings den Vergleich Franzis mit Pumuckl. Wegen der Haare ist das sehr naheliegend. Und passenderweise fühlt sich Tucker ja im Wasser heimisch, das ja blau reflektiert. Da musste ich sofort an den Klabautermann denken. Dass das von der Autorin beabsichtigt war, sei mal so dahingestellt.
Das Dilemma für Franzi besteht nun nicht nur darin, dass sie sich zu einem Jungen hingezogen fühlt, der nicht spricht, sondern dass sie sich nun auch zwischen ihm und ihrem Traum vom Musikstipendium in Australien entscheiden muss. Wenn man mal davon absieht, dass sie sich schon über dieses Thema Gedanken gemacht hat, als sie Tucker gerade zwei Tage kannte und die beiden keinerlei romantische Interaktion hatten, war ich auch der Meinung, dass sie das Thema Zukunftsgestaltung unnötig verkompliziert (und überdramatisiert) hat. Sie hat nicht erkannt, dass es keine Entweder-Oder-Entscheidung sein muss. Sie hätte dem Gefühlschaos vollkommen aus dem Weg gehen können, wenn sie sich mehr mit der Familie beratschlagt hätte, aber dann würde der Geschichte wohl auch der grundlegende Konflikt fehlen. Letztlich war ich dann aber zufrieden mit ihrer Entscheidung.

Fazit


Leider ist in diesem Fall die Verpackung anregender als der Inhalt. Zwar gefallen mir der Schreibstil, einzelne Charaktere und die Ausgangsidee, aber der Roman kratzt an vielen Stellen nur an der Oberfläche. Dass ich das Buch recht schnell durchgelesen habe, hatte weniger mit der Spannung, als mit der Erzählweise und dem geringen Umfang zu tun. Allerdings hat mich die Geschichte neugierig auf Ach wie gut das niemand weiß gemacht, dem Roman, der die Story von Franzis Schwester Sina und Noah erzählt. 


Ich möchte mich an der Stelle nochmal überschwänglich bei Lena bedanken, bei deren Bloggewinnspiel ich dieses Buch ergattert habe. Sie führt einen wirklich schönen, umfangreichen Blog. Schaut doch mal bei ihr vorbei *klick*

1 Kommentare:

Lena Müller hat gesagt…

Hey ;)
Mich hat das Buch damals auch nicht so wirklich überzeugen können, leider. Denn der Klappentext hört sich sehr vielversprechend an.
Ich kann mich deiner Meinung nur anschließen.
Schöne Rezi. ;)

Liebe Grüße,
Lena

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