Donnerstag, 3. September 2015

REZENSION: "Die Liebe deines Lebens" (Cecelia Ahern)

Copyright Fischer Krüger Verlag

Titel: Die Liebe deines Lebens

Autor: Cecelia Ahern

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Fischer Krüger Verlag

Erscheinungsjahr: 2013

Format: Hard Cover (16,99 €)

Seiten: 377

ISBN: 978-3-8105-0151-6



Inhalt

Christine befindet sich in letzter Zeit ständig zur falschen Zeit am falschen Ort. Erst erschießt sich direkt vor ihren Augen ein Mann und dann überquert sie genau in dem Moment die Ha'penny Bridge, als Adam beschließt, sich das Leben zu nehmen. In ihrer Verzweiflung beginnt Christine ein Gespräch mit ihm, um ihn vom Springen abzuhalten. Überraschenderweise zeigen ihre Worte Wirkung, denn Adam beschließt, weiterzuleben - vorerst. Denn vorher trifft er mit Christine eine Abmachung: bis zu seinem Geburtstag muss sie ihn davon überzeugen, dass das Leben lebenswert ist. Gar nicht so einfach, denn 1. hat sie für diese Aufgabe nur 2 Wochen Zeit und 2. weiß sie selbst nicht, wie man das Leben genießt. Sie setzt all ihre Hoffnungen darauf, dass Adam wieder Lebensfreude gewinnt, wenn er mit seiner Ex-Freundin Maria zusammenkommt. Doch während sie Adam dabei hilft, verliebt sie sich immer mehr selbst in ihn.   

Cover

Wenn man einen blauen Einband sieht und dann "Fischer Krüger" liest, kann man sich fast immer sicher sein, dass es sich um einen Roman von Cecelia Ahern handelt. Das kann monoton wirken, mir persönlich gefällt es aber ganz gut, weil man das Buch sofort zuordnen kann. Abgesehen von dem hohen Wiedererkennungswert bin ich aber auch ein Fan vom Layout an sich. Die Motive und die Farbauswahl harmonieren miteinander und passen auch zur Story. 

Meine Meinung 


Die Protagonisten Adam und Christine könnten mich schon separat voneinander begeistern, da sie beide Eigenschaften haben, die man einfach mögen muss. Christine ist die gute Samariterin, die mit ihrem ausgeprägten Helfersyndrom immer für alle da ist. Sie setzt sich für andere ein und übernimmt die Verantwortung für ihr Handeln. Meistens empfand ich das als einen sehr lobenswerter Charakterzug, aber manchmal wäre es mir lieber gewesen, wenn sie weniger Rücksicht auf die Gefühle anderer genommen hätte. Speziell gegenüber Barry, ihrem Noch-Ehemann, hätte sie sich meiner Meinung nach wesentlich weniger rücksichtsvoll verhalten können. Klar kann ich verstehen, dass es ihn hart getroffen hat, als sie ihn aus heiterem Himmel verlassen hat, aber ich fand es nicht in Ordnung, wie er sie tyrannisiert und all ihre Freunde und Bekannte mit wütenden Anrufen belästigt hat. Sein Schmerz ist nachvollziehbar, aber dieses Verhalten war einfach vollkommen daneben. Obwohl Christine im Prinzip der selben Meinung ist, hat sie ihn trotzdem kommentarlos gewähren und all seine Schikanen über sich ergehen lassen. Auch wenn das ihre Form der Buße war, hätte ich es jedoch bevorzugt, wenn sie ihm gegenüber mehr Widerstand geleistet hätte, da er einige Grenzen deutlich überschritten hat. Zwar zeugt ihre Reaktion von ihrer inneren Stärke, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich jemand im wahren Leben auch so verhalten würde.
Bewundernswert fand ich allerdings, wie robust und ausdauernd sie ist. Trotz der schweren Schicksalsschläge, von denen es, wie man erfährt, nicht nur kürzlich sondern auch schon in ihrer Kindheit einige gab, hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben und versucht unbeirrt weiterzumachen. Das Gleiche kann man übrigens auch von ihrem Vater und ihren Schwestern behaupten. Da sieht man auch über ihren Tick, Selbsthilfebücher zu lesen und zu sammeln, hinweg. Sie machen sie sogar umso liebenswerter. 
Adam wiederum ist zwar emotional instabiler als Christine, konnte mich aber (in seinen munteren Momenten) durch seine romantische Ader um den kleinen Finger wickeln. Die Liebesbeweise, die er für seine Ex-Freundin erbracht hat, sind ziemlich kreativ und ein Beweis für seine humorvolle Seite. Diese Dinge, sein gutes Aussehen und noch einiges mehr, z.B. seine Bescheidenheit und Zurückhaltung, verleihen ihm schon fast Traummannqualität - wenn da nicht seine Depression wäre. Die häufigen Stimmungsschwankungen kamen häufig in den ungelegensten Momenten, was mich öfter aufgeregt hat. Allerdings dienen sie dazu, der Story die nötige Spannung zu verleihen, denn eine stetige Verbesserung seiner Psyche würde wohl nur langweilen. Mit seiner Entwicklung innerhalb der Handlung war ich allerdings sehr zufrieden. 
Für gewöhnlich erachte ich es als schwierig, wenn sich Romanfiguren binnen weniger Tage in jemanden verlieben, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme, weil die Gefühle glaubwürdig herübergebracht wurden. Durch die situativen Umstände ihrer ersten Begegnung lernen sich Christine und Adam auf einer tiefgründigeren Ebene kennen als es üblich ist. Der Small-Talk entfällt größtenteils, stattdessen sind sie sich der Probleme, Ängste und wunden Punkten des anderen schon von Anfang bewusst. Die unliebsamen Themen, die meist sehr weit hinausgezögert werden, kommen gleich zur Sprache, wodurch ihr Verhältnis zueinander von vornherein persönlicher und intensiver ist. Sie kehren quasi das klassische Sprichwort "In guten wie in schweren Tagen" um. Durch die emotionale Krise steht ihre Bewährungsprobe schon am Anfang, wodurch sie die Möglichkeit haben, gleich herauszufinden, ob und wie sie schwierige Situationen meistern können. Das schweißt natürlich zusammen. Allerdings kann man nicht behaupten, dass die Ereignisse nach dem Selbstmordversuch besonders rosig gewesen wären. Hin und wieder machen beide sowohl jeder für sich als auch in ihrer aufkeimenden Freundschaft einige Schritte zurück. Sie testen immer wieder aus, wie stark ihre Bindung ist und wie viel sie dem anderen zumuten können. Zum einen wird es dadurch beim Lesen nicht langweilig, zum anderen hat mich genau dieses Auf und Ab letztlich von der Echtheit ihrer Gefühle überzeugt. Adam und Christine teilen aber keineswegs nur negative Erlebnisse miteinander, sondern haben jede Menge heitere Momente. Da sie den selben Sinn für Humor haben, lachen sie viel mit- und auch übereinander und haben häufiger alberne und sinnfreie Wortwechsel. Daran sieht man, wie gut sie miteinander harmonieren, was mich fast schon etwas neidisch auf die beiden gemacht hat. Außerdem gefiel es mir, wie beiläufig sie sich gegenseitig Komplimente gemacht haben, sodass es nie merkwürdig zwischen den beiden wurde.
Ein weiteres Highlight waren die Passagen, in denen Christines Familie (ihr Vater und ihre Schwestern Brenda und Adrienne) mit von der Partie waren. Im ersten Moment haben sie mich etwas verschreckt, da sie miteinander sehr unverblümt umgehen und deshalb auch Kritik und kleine Seitenhiebe keine Seltenheit sind. Insofern man das Ziel dieser Äußerungen ist, braucht man wohl ein dickes Fell, um damit klar zukommen, für mich als "Außenstehende" war es allerdings vor allem amüsant. Die Vier sind ein eingespieltes Team und wissen daher, wie sie die Kommentare des anderen zu verstehen haben, denn der liebevolle Unterton geht nie verloren. Das Ganze läuft so spielerisch ab, dass ich mich eines Grinsens nicht erwehren konnte. Besonders Christines Vater sticht heraus, weil er einfach goldig gewesen sind. Zu sehen, wie er sich für seine Kinder einsetzt, war wirklich herzerwärmend. Außerdem stammen einige der besten und witzigsten Sätze aus seinem Mund.
Durch ihren Stil ist es Cecelia Ahern gelungen, einem deprimierenden Thema die Schwere zu nehmen. Sie verknüpft tragische Momente mit unterhaltsamen Situationen und Dialogen und reichert das eigentliche Geschehen mit Erinnerungen, Gedankengängen und zusätzlichen Details an. Dadurch werden die Charaktere für den Leser greifbar, sodass man sich in sie hineinversetzen kann.

Lieblingszitat


""[...] Sechsundsechzig Möglichkeiten, wie man Geldsorgen regelt. Sechsundsechzig? Ich kenne nur eine - man geht arbeiten"[...]" (S. 110)

Fazit


Die Geschichte wartet mit einer Vielfalt starker Charaktere, witzigen Dialogen und einem gelungenen Handlungsverlauf auf. Zwar ist das Ende vorhersehbar, aber der Weg dorthin wird so wunderbar geschildert, dass man darüber hinwegsehen kann. Trotz der ernsteren Grundthematik ist es ein Roman, bei dem mir das Herz aufgeht. Daher kann ich ihn nur wärmstens jedem empfehlen.


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