Donnerstag, 10. September 2015

REZENSION: "Der Club der Traumtänzer" (Andreas Izquierdo)

Copyright Dumont Verlag
Titel: Der Club der Traumtänzer

Autor: Andreas Izquierdo

Genre: Roman 

Verlag: Dumont Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 448

ISBN: 978-3-3821-6263-4



Inhalt


Gabor Schöning hat keinen Grund, sich über sein Leben zu beklagen: er ist erfolgreich, sieht gut aus und ist äußerst beliebt bei den Frauen. Solange für ihn alles glatt läuft, interessiert ihn nicht, wie es anderen geht. Doch dann fährt er Kathrin mit seinem Auto an und auf einmal sieht er sich mit mehr Problemen konfrontiert als ihm lieb ist. Kathrin ist nämlich Direktorin einer Förderschule und überredet Gabor dazu, fünf ihrer Schützlinge das Tanzen beizubringen, wenn er nicht will, dass sie Anzeige gegen ihn erstattet. Innerhalb kürzester Zeit gerät sein Leben aus den Fugen: die Tanzstunden korrelieren immer häufiger mit seinem Berufsleben und gefährden es zunehmend, die privaten Probleme der Schüler wirken sich auf seine eigenes Leben aus und zu allem Überfluss muss er sich mit deren aufbrausenden Eltern herumschlagen. 

Cover


Um es in wenigen Worten zusammenzufassen: beschwingt, träumerisch und wunderbar aufeinander abgestimmt – ein Cover, das sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht!

Meine Meinung


Den Anfang des Romans gestaltete sich für mich eher beschwerlich. Irgendwie konnte ich mich nicht richtig hineinfinden und das richtige Feeling wollte nicht aufkommen. Gabor, der Protagonist, wird als relativ arroganter, rücksichtsloser Mensch in die Handlung eingeführt, dem fast jedes Mittel recht ist, damit alles in seinem Interesse verläuft (besonders im Job). Demzufolge hatte ich ein zwiegespaltenes Verhältnis zu ihm: ich wollte ihn mögen, kam aber nicht mit seinem Verhalten klar. Gott sei Dank hat sich das nach den ersten Kapiteln (die allesamt sehr kurz gehalten sind) gegeben. Als Gabor in Kontakt zu Kathrin tritt, nachdem er sie angefahren hat, lernt man ihn von einer anderen Seite kennen. Eigentlich sucht er nur deshalb das Gespräch, um sie dazu zu bekommen, keine Anzeige zu erstatten. Aber er muss relativ fix erkennen, dass sie nicht die harmlose, ältere Frau ist, als die er sie eingeschätzt hat. Mit nur wenigen Worten dreht sie den Spieß um und gewinnt die Oberhand im Gespräch. Gabors Charme, für den er so bekannt ist, zeigt bei ihr keinerlei Wirkung – etwas, woran er einfach nicht gewöhnt ist. Allein schon deswegen muss man Kathrin einfach mögen. Sie war definitiv meine Lieblingsfigur, obwohl sie immer nur in recht kurzen Szenen einen Auftritt hatte. Sie war diejenige, die den Stein ins Rollen gebracht hat, indem sie Gabor „erpresst“ hat, den Jugendlichen Tanzunterricht zu geben. Schon hier zeigt sich eine ihrer wesentlichsten Charakterzüge: sie ist ungeheuer manipulativ, wenn es darum geht, das zu bekommen, was sie will. Paradoxerweise wird sie allerdings nicht von Egoismus oder purer Bosheit motiviert sondern von Herzensgüte, denn ihr liegt das seelische Wohl der Gruppe am Herzen und auch die von Gabor (auch wenn er das zunächst nicht so sieht). Sie weidet sich zwar daran, wie er sich unter ihren Anweisungen windet, aber sie ist dabei so zuckersüß, dass ich sie einfach lieb gewonnen habe. Das liegt wohl auch daran, dass sie mich an eine Mathelehrerin erinnert hat, die ich mal hatte. Sie hatte auch ihre diebische Freude daran, einen Schüler pro Stunde zu piesacken, aber die meiste Zeit war sie einfach witzig und ein herzensguter Mensch.
Die 5 Jugendlichen, die Kathrin in Gabors Obhut gibt, haben zwar gemein, dass sie allesamt eine Lernschwäche haben (und deshalb auf eine Förderschule gehen), könnten aber unterschiedlicher nicht sein: der großmäulige Marvin, der witzige Vinnie, die schweigsame Lisa, die dickliche Jennifer und der vom Schicksal gebeutelte Felix. Alle fünf lernt man sowohl durch ihr Agieren in der Gruppe als auch durch kleine „Vorstellungskapitel“ kennen. In diesen werden besondere oder normale Tage in ihren jeweiligen Leben wiedergegeben. Oftmals ähnelten sie sachlichen Berichten, da sie distanziert beschrieben werden. Das hatte leider den Nebeneffekt, dass ich zwar schon von ihren Dilemmata betroffen war, aber nicht emotional aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Besonders am Ende war das nachteilig, denn ich war nicht mit ganzem Herzen dabei
Im Gegensatz zu mir lässt sich Gabor jedoch sehr schnell auf die Schüler und ihre Probleme ein. Davon war ich zunächst überrascht, weil sich das nicht mit seinem eigentlichen Image als gefühlskalter Mistkerl vereinbaren ließ. Sein Verhalten war aber weniger verwunderlich, nachdem man von seiner schwierigen Kindheit und Jugend erfahren hat. Sie ist sowohl die Ursache dafür, dass er recht abgehärtet daher kommt, aber gleichzeitig auch dafür, dass er sich in die Jungs und Mädchen hineinversetzen kann. Er nimmt sich ihrer an und entwickelt schnell väterliche Gefühle bzw. will sie beschützen und ihnen helfen. Dennoch kann er seine anfängliche Arroganz und seinen Egoismus nicht völlig abstreifen, sodass es öfter zu Missverständnissen kommt und er sich gegenüber den Teenies und ihren Eltern vollkommen falsch verhält. Dieses Vor und Zurück ist das, was die Geschichte langsam vorwärts bringt und nicht langweilig werden lässt. Was mich jedoch gestört hat, war, dass die Probleme immer recht schnell wieder vom Tisch gewesen sind. Die Gruppe lässt sich immer sehr leicht beschwichtigen und sieht Gabor seine Fehltritte nach. Das spricht zwar für ihre Herzensgüte, aber sie hätten meiner Meinung ruhig etwas nachtragender sein können. Scheinbar habe ich eine ebenso große Freude daran, Gabor zu schikanieren wie Kathrin es hat. 
Am Roman haben mir letztlich besonders die Szenen zwischen Gabor und Kathrin gefallen sowie der anschauliche Schreibstil und die Stilmittel, die Andreas Izquierdo verwendet hat. Dort liegen definitiv seine Stärken. 

Fazit


Die Geschichte hat mich leider nicht ganz so emotional berührt, wie ich erwartet hätte. Das liegt wohl daran, dass der Roman nicht genügend Platz lässt, um detailliert und umfangreich auf die einzelnen Personen einzugehen. Die Schicksalsschläge der Jugendlichen und von Gabor fand ich zwar durchaus schlimm, aber ich konnte nicht recht mit ihnen mitleiden. Besonders im Hinblick auf das Ende ist das schade. Dennoch ist es ein flüssig und angenehm zu lesender Roman mit einigen schönen Stellen.


2 Kommentare:

Martina hat gesagt…

Oh...bis jetzt habe ich eigentlich fast nur Höchstbewertungen zu diesem Buch gesehen. Es liegt bei mir schon ewig auf den SuB und immer wieder möchte ich es lesen und dann kommt wieder ein anderes Buch dazwischen...
Liebe Grüße
Martina
http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

Katharina P. hat gesagt…

Hallo Martina!
Ja, das hatte ich auch. Vielleicht habe ich deshalb auch extrem hohe Erwartungen an das Buch gehabt, die sich nicht erfüllen konnten. Das soll dich keinesfalls vom Lesen abhalten. Im Gegenteil würde ich mich über deinen persönlichen Endruck freuen (bin deswegen auch gleich Followerin deiner Seite geworden^^).

Liebe Grüße,
Katha

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