Dienstag, 22. September 2015

REZENSION: "Das Institut der letzten Wünsche" (Antonia Michaelis)

Copyright Droemer Knaur

Titel: Das Institut der letzten Wünsche

Autor: Antonia Michaelis

Genre: Roman

Verlag: Droemer Knaur 

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hard Cover (19,99 €)

Seiten: 493

ISBN: 978-3-426-65365-4


Inhalt


Über Langeweile kann sich Mathilda in ihrem Job weiß Gott nicht beklagen. Als Angestellte im Institut der letzten Wünsche erfüllt sie Menschen, die in absehbarer Zeit sterben werden, einen letzten Herzenswunsch. Von kitschig bis waghalsig ist alles dabei und im Grunde kann Mathilda nichts mehr so leicht aus der Fassung bringen. Mit der nötigen Vorbereitung schafft sie alles – und sei es, den Live-Auftritt einer toten Opernsängerin zu organisieren! 
Ihr neuester Kunde wird für Mathilda allerdings zu einem echten Härtefall. Birger Raavenstein beauftragt sie mit der Suche nach seinem Kind und dessen Mutter, seiner einstigen großen Liebe. Kein Problem, denkt sich Mathilda, und beginnt mit der Planung der Familienzusammenführung. Doch mit einem hätte sie nie gerechnet: dass sie sich in Birger verliebt. 

Cover


Das Cover ist im Grunde wie das Buch: es lässt keine Wünsche offen. Alles fügt sich super ineinander. Am liebsten würde man selbst die junge Frau in dem Bild sein, so traumhaft ist es. 

Meine Meinung


Wow! Anders kann ich es nicht formulieren. Dieses Buch war einfach nur mitreißend und inspirierend. Ich hatte zwar wirklich Angst, dass ich durch die vielen überschwänglichen Rezensionen zu hohe Erwartungen an das Buch haben könnte, aber die war letztlich unbegründet. 
Bereits der erste Satz, der erste Abschnitt – ach, streicht das – das komplette Buch war absolut gelungen! Es gab fast keinen Moment, in dem bei mir Langeweile aufgekommen wäre. Das Paket aus Plot, Figurenkonstellation und Schreibstil ist in sich so stimmig, dass es wahrlich schwierig für mich ist, Kritikpunkte zu finden. Ich war permanent hin- und hergerissen zwischen Lachern und Traurigkeit, denn einerseits ist der bevorstehende Tod der Kunden des Instituts im Prinzip ein Stimmungskiller, andererseits werden das Geschehen und die Personen so humorvoll dargestellt und beschrieben, dass man kaum dazu kommt, Trübsal zu blasen. Genau genommen sind sogar die Sterbenden (abgesehen von Mathilda) diejenigen, die am meisten Schwung und Leben in die Geschichte bringen. Sie strotzen allesamt nur so vor Energie, meist sogar mehr als die Gesunden. Das fand ich sowohl verblüffen als auch bewundernswert und etwas neiderfüllt war ich zugegebenermaßen ebenfalls. Sie haben mich mit ihrer Art wirklich für sich eingenommen, sodass ich mich auch nicht entscheiden kann, wen ich von ihnen am liebsten mochte (selbst diejenigen, die nur einen kurzen Auftritt hatten, haben mich bezaubern können). Die Wünsche, die sie an Mathilda und Ingeborg richten, haben ebenfalls dazu beigetragen, dass man sie recht schnell ins Herz schließt, und haben mich mehr erheitert als deprimiert, weil manche davon wirklich ausgefallen und ungewöhnlich waren. 
Wie gesagt hat mir auch Mathilda als Protagonistin ausgesprochen gut gefallen. Sie ist ein sehr abwechslungsreicher Charakter: mal ist sie aufgeweckt, motiviert und energisch, dann hat sie wieder Phasen, in denen sie erschöpft und ausgelaugt ist. Entsprechend reagiert sie dann auch auf ihr Umfeld, wobei besonders Daniel, ihr Ex-Freund, dem sie nach Jahren der Funkstille wieder begegnet, ihre emotionalen Tiefs ausbaden muss. Er bekommt die ein oder andere pampige Kommentare oder Spitzfindigkeiten um die Ohren, die er aber mit Bravour zu nehmen weiß. Mir tat er zwar deswegen öfter leid, aber meistens habe ich Mathildas ironischen, trockenen Humor genossen. Zu den Kunden des Instituts war sie aber stets nett und offen für ihre Wünsche. Dann kam ihre fürsorgliche, aufopfernde Seite zum Vorschein, die man in diesem Job auch braucht. Hinzu kommt, dass sie etwas schräg und eigenwillig ist, was dazu führt, dass sie viel Verständnis für die letzten Wünsche der Sterbenden hat – mögen sie noch so außergewöhnlich sein. 
Abgesehen von den wirklich gelungenen Figuren bekommt man auch von der Geschichte selbst einiges geboten. In gewisser Weise hat Mathildas Suche nach Birgers Familie Züge einer Detektiv(kurz)geschichte, auch wenn sie deutlich harmloser abläuft. Auch wenn die betreffenden Personen recht schnell gefunden sind, ist die Aufgabe keinesfalls abgeschlossen, denn es gibt noch einige Ungereimtheiten zu klären. Diesbezüglich gab es auch einige sehr unvorhersehbare Wendungen, denn, wie so oft, trügt hier der Schein. Deshalb häufen sich zum Ende hin auch die Probleme, sodass einerseits die Verwirrung, andererseits die Spannung mit jeder Seite steigt.
Bisher klingt die Geschichte also nahezu perfekt. Das ist sie auch. Aber eben nur nahezu, denn ohne einen Wermutstropfen kommt der Roman dann doch nicht aus. In dem Fall war das für mich die unglaubliche Liebesgeschichte, die auf dem Buchdeckel angekündigt wurde. Zwar wird erwähnt, dass sich Mathilda auf den ersten Blick in Birger verliebt, aber so richtig gemerkt hat man das beim Lesen eigentlich nicht. Sie hat durchaus Momente, in denen sie in heimlich anhimmelt, aber das wirkt recht harmlos. Und da sie von ihrem Job so vereinnahmt ist, hat sie auch nicht wirklich Zeit, über ihre Gefühle zu sinnieren. Deshalb hab ich beim Lesen ihrer gemeinsamen Szenen nicht unbedingt Engelschöre singen gehört – maximal eine zart gezupfte Harfe begleitet von einer Geige. Eine Entwicklung Richtung Romanze deutet sich eigentlich erst nach der Hälfte des Buches an. Ab da passiert zwischen den beiden auch einiges. Das große Gefühlsfeuerwerk blieb meiner Meinung nach eher aus. Um ehrlich zu sein, habe ich die ganze Zeit gehofft, dass aus ihr und Daniel, ihrem Ex-Freund, etwas wird. Die beiden waren abwechselnd freundlich und kratzbürstig zueinander, sodass man hier schon eher die Funken sprühen gesehen hat. 
Da es im Roman jedoch nicht um eine Liebesgeschichte geht, sondern in erster Linie um das Erfüllen letzter Wünsche, hat es mich gar nicht so sehr gestört, dass die Gefühle so wenig fulminant beschrieben wurden. Mich haben die Patienten und die Suche nach Birgers verlorenen Familie wesentlich mehr interessiert. 

Lieblingszitat


Vielleicht, dachte Mathilda, käme eines Tages ein Prinz, ein klischeehafter blonder großer sportlicher Typ, der tatsächlich nur für seine Angehörigen hier war. Ein Prinz, der das richtige Alter hatte und Hunde wie Eddie liebte und …
„Eddie“, sagte Mathilda streng. „Hör auf, diese Akte aufzufressen.“ Sie nahm Eddie die Akte weg. legte sie auf den Tisch und dachte weiter an den Prinzen, und dann dachte sie, dass sie einen blonden großen sportlichen hundeliebenden Prinzen vermutlich zum Kotze fände.“ (S. 146)

Fazit


Mit Das Institut der letzten Wünsche ist Antonia Michaelis ein wirklich großartiger Roman gelungen. Die Personen, ihre Wünsche und ihre jeweiligen Geschichten werden so liebevoll erzählt, dass ich mir wünsche, es gäbe dieses Institut wirklich. In dieser Hinsicht wurden all meine Erwartungen erfüllt – und übertroffen. Lediglich die angekündigte Romanze von Birger und Mathilda entsprach nicht meinen Vorstellungen. Ansonsten ist es aber ein absolut wunderbares Buch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann!


2 Kommentare:

Nelly G. hat gesagt…

Huhu, das Buch steht schon seit seinem Erscheinungstermin auf meiner Wunschliste, aber wegen meines monströsen SuBs hab ich mir das Buch noch nicht zugelegt. Aber deine Begeisterung für dieses Buch kommt durch deine Rezi richtig gut rüber und ich bin mal wieder total versucht :D

Liebste Grüße, Nelly

Katharina P. hat gesagt…

Hallo Nelly,
ja, mich hatte damals auch eine überschwängliche Rezension dazu verleitet zu sagen: jetzt muss es einfach gelesen werden, ehe sich wieder etwas anderes dazwischenschiebt :D Aber den Kampf mit dem SuB kennen wir ja alle, deswegen finde ich es ziemlich "vernünftig" von dir, dass du es bisher vermieden hast, ihn weiter zu vergrößern^^
Ich bin aber trotzdem gespannt, wie du's findest, wenn du es gelesen hast (da ich Followerin deiner Seite bin, krieg ich's ja mit ;) ).

Liebe Grüße,
Katha

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