Freitag, 25. September 2015

REZENSION: "Das Geheimnis jenes Tages" (Annette Dutton)

Copyright Droemer Knaur Verlag

Titel: Das Geheimnis jenes Tages

Autor: Annette Dutton

Genre: Roman

Verlag: Droemer Knaur

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 384

ISBN: 978-3426517031
  

Inhalt:

Leipzig, 2009: Die Anthropologin Nadine reist nach Australien, um Gebeine australischer Ureinwohner, die Mitte des 19. Jahrhunderts unrechtmäßig nach Deutschland überführt wurden, zurückzugeben. Doch nach wenigen Tagen verschwindet ihre 18-jährige Tochter Alina spurlos im australischen Busch. Gerüchte über einen sogenannten Backpacker-Mörder machen die Runde und Nadine ist außer sich vor Sorge. Insbesondere, da sie schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat...
Sachsen, Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Botanikerin und Sammlerin hat es Amalie Dietrich nicht leicht - die Arbeit ist beschwerlich und das Verteilen ihrer botanischen Sammlungen kostet sie immense Zeit und Kraft. Da ergibt sich für sie die Möglichkeit, nach Australien zu reisen und dort erworbene Exponate nach Deutschland zu verschiffen, wo sie in einem Hamburger Museum ausgestellt werden sollen. Amalie ergreift die Gelegenheit, auch wenn das bedeutet, dass sie ihre Tochter Charitas allein in Deutschland zurücklassen muss. Doch Amalies Vorhaben erweist sich als mühseliger und gefährlicher als gedacht...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir sehr gut - das halb im Nebel verborgene Haus, der verschlungene Pfad und die knorrigen Bäume wirken mystisch und geheimnisvoll. Das passt hervorragend zum Titel des Romans und auch zu der Handlung, die ich mir anhand des Klappentextes erhofft habe.

Meine Meinung:

Von Annette Dutton hatte ich bereits Der geheimnisvolle Garten gelesen, was mir unheimlich gut gefallen hat. Deshalb hab ich mich sehr gefreut, dass ich ihren neuen Roman Das Geheimnis jenes Tages bei Lovelybooks.de im Rahmen einer Leserunde gewonnen habe, an der auch die Autorin selbst teilnahm.

Der Roman beginnt ziemlich spannend und zwar mit einer tragischen Episode aus dem Leben der Protagonistin Nadine. Dieses Erlebnis ist sozusagen der Ausgangspunkt, denn es beeinflusst Nadines künftiges Leben und auch ihre Berufswahl: Sie studiert Anthropologie und ist später für das Institut an der Universität Leipzig tätig. Parallel dazu wird die Geschichte der Amalie Dietrich erzählt, einer Botanikerin und Wissenschaftlerin, die zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter Mitte des 19. Jahrhunderts im sächsischen Siebenlehn lebt. 

Beide Handlungsstränge sind prinzipiell spannend und der Wechsel zwischen ihnen flüssig und klar, sodass man beim Lesen nicht durcheinander kommt. Allerdings war mir Nadines Geschichte bis auf das erste Kapitel etwas zu oberflächlich geschrieben: Man erfährt nicht viel über sie, ihre Tochter Alina und ihren Ex-Freund Thomas und so fehlt es den Figuren leider etwas an Tiefe. Das fand ich beim Lesen sehr schade, denn eigentlich hat mir die Handlung im Jahr 2009 besser gefallen als die Geschichte von Amalie. Diese ist wiederum sehr ausführlich und detailreich, vor allem was die Arbeit von Amalie und ihrem Mann Wilhelm, die Botanik, und ihre spätere Australienreise betrifft. Man erhält einen guten und durchaus interessanten Einblick in die Geschichte der Botanik und der Anthropologie und lernt Amalie als nicht von Anfang an starke, aber sehr fleißige, kluge und durchsetzungsfähige Frau kennen. Dabei ist sie einem nicht immer sympathisch, denn sie lässt sich von Wilhelm, einem ich-bezogenen und oberflächlichem Pascha, ausnutzen und stellt außerdem die Botanik über die Bedürfnisse und Wünsche ihrer eigenen Tochter Charitas. 

Amalies Geschichte war stellenweise wirklich interessant, vor allem, als sie dann in Australien ist. Hier haben mir die Beschreibungen der Umgebung sehr gut gefallen, die detailreiche Auseinandersetzung mit Amalies Arbeit war mir aber zu viel des Guten und kam mir ziemlich langatmig vor. Hinzu kommt, dass einige Teile der Geschichte in Brief-Form erzählt werden, was nicht so ganz meinen Geschmack trifft. Man hatte teilweise über mehrere Seiten das Gefühl, dass endlich einmal etwas Spannendes oder Unvorgesehenes passieren muss, doch Dutton konzentriert sich hier hauptsählich auf die Selbstbeweihräucherung von Amalie und die Gefühle ihrer Tochter. Da hätte ich mir mehr erhofft, denn die Geschichte im Jahr 2009 entwickelt sich währenddessen zu einem Thriller: Es kommt ein brutaler Mörder ins Spiel, der höchstwahrscheinlich Nadines Tochter in seiner Gewalt hat. Und so habe ich oftmals aufgeseufzt, wenn wieder ein Cliffhanger kam und es auf der nächsten Seite mit Amalie weiterging. Das hat für mich einfach die Spannung unterbrochen. Ich denke, dass eine eher biografische Geschichte und ein Thriller nicht sonderlich gut zusammenpassen.

Mir hat zwar der 2009-Teil insgesamt besser gefallen, allerdings kam mir dieser - wie schon gesagt - etwas oberflächlich vor. Die Ideen (Nadines Verlust, die Rückgabe der Aborigine-Knochen, die Entführung von Alina) sind durchaus gut, hätten für meinen Geschmack aber besser ausgearbeitet werden können. Mir ging alles viel zu schnell, Probleme wurden zu schnell gelöst und Überraschungsmomente waren eher selten. Gerade das Ende des Romans hat mich sehr enttäuscht: Sowohl bei Amalie als auch bei Nadine klärt sich einfach alles viel zu schnell - es gibt zu vieles, das irgendwie nicht thematisiert beziehungsweise nur angerissen wird. Auch werden die Geschichten zwar parallel erzählt, haben aber direkt nichts miteinander zu tun und so wartete ich leider vergeblich auf eine Verbindung zwischen Nadine und Amalie und das große Geheimnis, mit dem ich angesichts des Titels gerechnet habe.

Duttons flüssiger und sehr angenehmer Schreibstil war an manchen langatmigen Stellen der Grund dafür, dass sich der Roman wirklich gut gelesen hat, trotzdem die Spannung teilweise nicht da war. Ich denke, aufgrund der vielen Bücher von Autorinnen wie Lucinda Riley, Kate Morton, Jojo Moyes und Annette Dutton selbst erwartet man einfach, dass zwei parallel erzählte Handlungsstränge spätestens am Ende irgendwie zusammenlaufen und ein lange gehütetes Geheimnis aufgedeckt wird. Das ist vermutlich der Hauptgrund, wieso ich am Ende doch ein wenig enttäuscht war. Ich könnte mir vorstellen, dass Annette Dutton einfach gerne die zweifelsohne faszinierende und erstaunliche Geschichte der Amalie Dietrich (die Botanikern aus Sachsen gab es wirklich) und der frühen Forschungen in Australien erzählen wollte, ihr es aber leider nicht ganz gelang, sie in einen spannenden und zusammenhängenden Kontext einzubetten.

Aber zum Schluss noch etwas, was mir sehr gefallen hat: Die Schauplätze. Sachsen, Leipzig, das Salzkammergut und Salzburger Land sind mir ja sehr vertraut beziehungsweise meine Heimat und darüber liest man ja immer gern. :) Unübertroffen ist natürlich das unglaublich weite und geheimnisvolle Australien, das man sich nach Duttons Beschreibungen nur zu gut vorstellen kann. Es hat das Fernweh in mir geweckt und mich weiter in den Wunsch bestärkt, dass ich irgendwann mal gerne nach Australien möchte.

Mein Fazit:

Auf Annette Duttons neuen Roman Das Geheimnis jenes Tages habe ich mich sehr gefreut - das Problem war leider, dass ich mit ganz bestimmten Erwartungen an das Buch herangegangen bin und so vor allem gegen Ende der Geschichte enttäuscht wurde. Während mir die Charaktere der 2009er-Handlung zu oberflächlich waren, die Geschichte super spannend, aber etwas zu konstruiert; wurden mir Amalies Leben und Schaffen etwas zu sehr ausgeweitet. Mir fehlten Zusammenhänge sowie Spannungs- und Überraschungsmomente. Die Geschichte hatte großes Potenzial, das vielleicht nicht völlig ausgeschöpft wurde, und auch der Genremix war meinen Geschmack etwas viel. Aber wie immer haben mich Annette Duttons wunderbar flüssiger und locker leichter Schreibstil und der traumhafte Schauplatz Australien begeistert. Ich habe also nach dem Lesen eine etwas zwiegespaltene Meinung, würde das Buch aber trotzdem empfehlen. Bis auf einige Episoden hat das Lesen wirklich großen Spaß gemacht.


  
   

2 Kommentare:

Mareike von Herzpotenzial hat gesagt…

Oh, der geheimnisvolle Garten hat mir damals auch sehr gut gefallen. Ich wusste noch gar nicht, dass es einen neuen Roman der Autorin gibt.
Gut, dass ich über deinen Blog gestolpert bin!

Liebe Grüße
Mareike

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu =) Auf meinem Sub stehen noch zwei Romane von Annette Dutton, die ich demnächst auch mal in Angriff nehmen werde =) Ich bin schon gespannt darauf.

Liebe Grüße
Svenja

Kommentar veröffentlichen