Freitag, 18. September 2015

REZENSION: "Crashed (Skinned 2)" (Robin Wasserman)

Copyright Script5 (Loewe Verlag)

Titel: Crashed (Skinned 2)

Autor: Robin Wasserman

Genre: Jugendroman / Dystopie

Verlag: Script5 (Loewe Verlag)

Erscheinungsjahr: 2010

Format: Hard Cover (16,90 €)

Seiten: 432

ISBN: 978-3-8390-0114-1



Inhalt

Sechs Monate sind vergangen, seitdem Lia Kahn in einem neuen Körper aufgewacht ist. Sie ist nun ein Mech, eine mechanische Hülle aus Drähten und Kabeln, die verborgen unter einem menschlichen Äußeren, in dem ihr Gehirn mit all den Erinnerungen an ihre Vergangenheit weiterlebt. Inzwischen hat sie an dieses Dasein gewöhnt und sich bei den anderen Mechs eingelebt, nachdem ihre Familie und ihr einziger Freund Auden sie verstoßen haben. 
Sie könnte frei sein, sich abnabeln und ihr altes Leben zurücklassen und zusammen mit den Mechs ein unsterbliches Dasein ohne Angst und Regeln führen. Doch dann wird Lia beschuldigt, ein Attentat begangen zu haben, bei dem mehrere Menschen starben, und plötzlich muss sie sich entscheiden, auf wessen Seite sie steht: auf der der Menschen oder auf der der Mechs?

Cover


Nach wie vor bin ich ein Fan von der aufwendigen Gestaltung, die sich aus den verwobenen Kreisen und Geraden ergibt. Das verleiht dem Buch eine gewisse Mystik.

Meine Meinung


Zugegebenermaßen gestaltete sich das Reinfitzen in den zweiten Band der Reihe etwas problematisch. Das könnte vor allem daran liegen, dass die Geschichte einen kleinen Zeitsprung gemacht hat, nachdem Skinned so dramatisch geendet hat. Nicht mehr Auden ist Lias ständiger Begleiter sondern die Gruppe von Mechs, die sie im ersten Teil kennengelernt hat. Deren Gewohnheiten und das Klima in der Gemeinschaft sind gänzlich anders, als man es von ihr und Auden gewohnt war, und deswegen war ich auch erstmal etwas verwirrt. Mir fehlte jeglicher Bezug, jegliche Nähe zu ihnen, da ich noch nicht allzu viel über sie wusste. Das gibt sich allerdings mit der Zeit, denn auch wenn sie nicht gerade als redselig und gefühlsduselig bekannt sind, so geben einzelne Mechs etwas aus ihrer Vergangenheit preis. Dadurch versteht man sie und ihre Handlungen meistens besser und kann sich entsprechend auf sie einlassen. 
Dennoch bleiben sie weitgehend undurchsichtig – aber das trifft im Prinzip auf alle Figuren zu. Der einzigen Person, der man „trauen“ kann, da man all ihre Gedankengänge kennt, ist Lia selbst. Alle anderen, die Mechs und die Menschen, sind ein einziges Rätsel. Genau das macht die Story aus. Viele, die dem Anschein nach nett sind, entpuppen sich überraschend als falsch oder hinterlistig, bei einigen schwankt man immer wieder zwischen Zu- und Abneigung und öfter ist fraglich, wer die Oberhand hat und wer nur die Marionette in dem ganzen Theater ist. Das ist schon etwas zermürbend. Mehr als einmal habe ich mir gewünscht, dass es einen Perspektivenwechsel gäbe, sodass man auch in die Köpfe der anderen hineinschauen kann. Beispielsweise wäre eine Schilderung aus der Sicht von Lias Schwester Zo klar vom Vorteil, um zu durchschauen, wie sie wirklich zu Lia steht. Allgemein ist die gesamte Familie sehr schwer abzuschätzen. Lieben sie Lia? Sehen sie sie als Skinner an? Und wenn ja, können sie sie trotzdem als ihre Tochter akzeptieren? Sie senden so widersprüchliche Signale aus, dass ich wirklich verwirrt war, und umso mehr bin ich gespannt, ob sie über ihren Schatten springen können. Ich habe so das Gefühl, dass ich von ihnen im letzten Teil so einiges geboten bekommen werde. 
Angesichts der Tatsache, dass die Mechs allgemein als emotionslos gelten, gab es doch bemerkenswert viel Gefühlswirrwarr. Das ist für mich auch irgendwie das Haar in der Suppe. Ich meine jetzt nicht, dass ich etwas gegen zwischenmenschliches Durcheinander habe (ich bestehe sogar darauf), aber im Endeffekt widerspricht es der Tatsache, dass Mechs nichts empfinden. Daher war mir nicht ganz schlüssig, warum sie trotzdem wütend auf Anfeindungen reagieren können. Theoretisch müssten sie die emotionale Bandbreite eines toten Fischs haben, aber das haben sie nicht. Schließlich wehren sie sich ja gegen die Gesellschaft und die Regierung und gehen Beziehungen miteinander ein. Bei Lia ist der Widerspruch wohl am stärksten. Es ist z.B. schwer einzuordnen, zu wem sie sich hingezogen fühlt (in dem Rahmen, wie es für sie möglich ist) und zu wem nicht. So wie sie die Personen beschreibt und welche Gedanken sie sich zu ihnen macht, gewinnt man den Eindruck, als wären sowohl Jude, Riley, als auch Auden, Walker und sogar Ben potentielle Liebesinteressen. Denjenigen, auf den schließlich ihre „Wahl“ fällt, hatte ich zugegebenermaßen nicht von Anfang an (d.h. im ersten Teil) auf dem Schirm, aber ich war deswegen keineswegs enttäuscht. Im Gegenteil fand ich die gemeinsamen Szenen immer ausgesprochen schön und liebenswert, aber niemals kitschig. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Konstellation von Dauer ist. 
Wenig begeistert war ich von Audens Gefühlskälte, obwohl das nach dem Ende des ersten Bandes natürlich absehbar war. Trotzdem war ich darüber ziemlich traurig, denn ich hatte ihn in Skinned recht lieb gewonnen. Er hat sich so drastisch verändert und ist so unnahbar geworden, dass ich ihn am liebsten nur angeschrien hätte. Besonders heftig war, dass er auch öffentlich sehr deutlich macht, dass er die Mechs als Unmenschen ansieht. Ich frage mich, ob hinter dieser 180-Grad-Wende noch mehr steckt, als bloß sein verletztes Ego. Vielleicht wird er ja dazu manipuliert, die Leute gegen die Mechs aufzuhetzen? Auch hier tappt man noch weitgehend im Dunkeln, was mein Interesse an Wired noch steigert. 
Wie man vielleicht merkt, weicht der Aufbau deutlich vom Trilogie-Auftakt ab. Der innere Konflikt (sind die Mechs Maschinen oder Menschen?) und der Konflikt mit der Familie existieren zwar noch, werden aber von der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft zunehmend an den Rand gedrängt, auch wenn natürlich alles miteinander zusammenhängt. Teil 2 ist dadurch viel actionreicher und hält des Öfteren unerwartete Wendungen für den Leser bereit. Auch das Ende war erneut ein kleiner Schock für mich, womit Robin Wasserman unter Beweis gestellt hat, dass sie weiß, wie man eine gute Brücke zwischen zwei Bänden schlägt. 

Fazit


Um mein ellenlanges Geschwafel zusammenzufassen: Crashed ist keinesfalls schwächer als der erste Teil, denn er ist dynamischer und immer für eine Überraschung gut. Die Handlung ist ein ganzes Stück vorwärts gekommen, man hat neue Informationen zu den jeweiligen „Fraktionen“ der Mechs und der Orgs (Menschen) erhalten und es haben sich einige neue Konflikte aufgetan, deren Lösung noch in den Sternen steht. Bisher ist das Ende noch keineswegs absehbar. Umso mehr freue ich mich auf den Abschluss der Trilogie!


Neugierig, wie alles anfing? Zur Rezension von Skinned geht's hier *klick*

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