Mittwoch, 9. September 2015

REZENSION: "Als Schisser um die Welt" (Jan Kowalsky)

Copyright Goldmann Verlag
Titel: Als Schisser um die Welt

Autor: Jan Kowalsky

Genre: Sachbuch / Humor / Reise

Verlag: Goldmann Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (8,99 €)

Seiten: 320

ISBN: 978-3442158041


Inhalt:

Jan hat ein Problem: Seine Frau liebt es, Fernreisen zu unternehmen, die Welt zu erkunden, fremde Kulturen kennenzulernen und dabei allerhand zu erleben. Doch Jan ist ein Schisser und es nützt nichts - er muss mit. Völlig neurotisch und hypochondrisch, wie er ist, macht er sich bereits vor Reiseantritt jedes Mal fertig und sieht ein ums andere Mal seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Ob ein Blick-Duell mit einem Komodowaran, Eidechse am Stiel in China, Safari zu Pferd in Südafrika oder eine reibende Penistasche in New York - der Schisser ist am Ende und der Leser amüsiert.


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mit wirklich gut, weil es Lust auf witzige Geschichten macht und auch schon zeigt, worum es geht: Einen Mann, der mit muss und ängstlich daneben steht, wenn sich seine Frau ins Abenteuer stürzt. Außerdem finde ich Karikaturen generell ziemlich witzig.

Meine Meinung:

Das Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de vom Goldmann Verlag als Leseexemplar zur Verfügung gerstellt bekommen und war vor allem deshalb so neugierig darauf, weil ich selbst gerne und viel reise - am liebsten auch ein bisschen abenteuerlich. Ich war gespannt, in welche entlegenen Länder sich der selbsternannte Schisser wohl begeben und was er dort durchmachen muss. Und los ging die abenteuerlich-amüsante Reise um die Welt.

Erzählt wird in der Ich-Perspektive und zwar aus der Sicht des Schissers, der im Laufe der Geschichte nicht einmal seinen Namen nennt, weshalb man (auch dank des Klappentextes) zu der Schlussfolgerung kommt, dass es sich bei dem Protagonisten um den Autor Jan Kowalsky handelt. Das kann gut sein (wie z.B. auch in Henriette Hells Achtung, ich komme!), kann aber auch einfach nur ein kluger Schachzug sein, um Authentizität zu suggerieren. Wie es nun auch tatsächlich ist: Authentisch ist der Text und so wächst einem der wirklich übervorsichtige, neurotische, hypochondrische, panische und notorisch quängelnde Schisser recht schnell ans Herz.

Man merkt schnell: Der Schisser weiß um seine Schwächen, ist aber eine für ihn ziemlich ungünstige Mischung aus stolzer Pfau und Pantoffelheld, was zur Folge hat, dass er nicht nur in jedes erdenkliche Fettnäppchen tritt, sondern auch seiner abenteuerlustigen Frau überallhin folgt, auch bis ans andere Ende der Welt. Dabei macht er sich jedes Mal bereits vor Reiseantritt völlig verrückt und entpuppt sich als ambitionierter Alles-Googler, was für ihn die Sache nur noch schlimmer macht. Als Leser wird man also schon während der Reiseplanung köstlich unterhalten und das hat sich bei so gut wie jedem Urlaub auch während der eigentlichen Reise so fortgesetzt.

Der Schisser lässt den Leser an seiner Panik teilhaben und schildert mithilfe von witzigen Spitznamen, überspitzten Darstellungen, paradoxen Formulierungen und frechen Karikaturen und Illustrationen seine Eindrücke und Erlebnisse. Manchmal leidet man mit ihm, manchmal denkt man aber auch: Mein Gott, jetzt krieg dich endlich ein und entspann dich mal. Das macht die Lektüre von Als Schisser um die Welt auf jeden Fall zu einem abwechslungsreichen Leseerlebnis und was mir dabei besonders gut gefällt: Orte wie Bali, Laos, New York, Tokio und Peking lernt man auf diese Art aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen. Kowalskys Buch ist sozusagen ein außergewöhnlicher Reiseführer für Schisser und solche, die auf gar keinen Fall zu einem werden wollen.

Während der jeweils kurzen und knackigen Reiseberichte erfährt man außerdem einiges über die Beziehung zwischen dem Schisser und seiner Frau Sarah und kommt so bereits relativ früh zu dem Schluss, dass es irgendwann mächtig krachen wird. Die Frage ist natürlich nur: Wann und wo!? :D Es gefällt mir ziemlich gut, dass sich Kowalsky nicht nur auf die Beschreibung seiner Urlaubserlebnisse beschränkt, sondern auch Persönliches in die Geschichte einbindet, allerdings hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle weniger Privates und dafür einen ausführlicheren Reisebericht (z.B. zu New York, das im Buch irgendwie recht knapp abgehandelt wird) gewünscht.

Neben all den lustigen Situationen und Begebenheiten, die einen während der Lektüre wiederholt zum Lachen bringen, kann man als Leser aber auch mitverfolgen, wie der Schisser sich allmählich ändert. Ohne zu viel verraten zu wollen: Am Anfang kauft er sich noch einen vor Moskitos schützenden Pyjama, am Ende lernt er schließlich, seine Ängste (wenn auch nicht zu besiegen) zumindest zu kontrollieren. So kann man auf etwa 300 Seiten den Wandel des Schissers verfolgen, der sehr zu meiner Freude, auf gar keinen reibungslos vonstatten geht. :)

Mein Fazit:

Mit viel Witz und Humor erzählt Jan Kowalsky in Als Schisser um die Welt seine Geschichte - die Geschichte von einem, der mit musste. Die urkomischen Episoden reichert er dabei an mit überzogenen Darstellungen, Wortspielen, der Abbildung von Dialekten und Dialogen in Englisch und witzigen Illustrationen und so wird es beim Lesen nie langweilig. Auch wenn ich über das ein oder andere Urlaubsziel gerne mehr erfahren hätte, hat mich das Buch mitgenommen auf eine wirklich unterhaltsame Reise, während der man als Leser nicht nur lauthals losprustet, sondern auch so einiges lernen kann. Kurzweilig, lustig und spannend - Als Schisser um die Welt ist auf jeden Fall eine Geschichte, die sich leicht runter liest und die dabei so manche Überraschung für den Leser bereithält.


 
  

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