Dienstag, 18. August 2015

REZENSION: "Zwei fürs Leben" (Julia Hanel)

Copyright Ullstein Buchverlag

Titel: Zwei fürs Leben

Autor: Julia Hanel

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Ullstein Buchverlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (8,99 €)

Seiten: 292

ISBN: 978-3-548-28672-3


Inhalt:

Als Anni nach einem schweren Autounfall aus dem Koma erwacht, glaubt sie, keine nachhaltigen Schäden davongetragen zu haben. Doch zu ihrem großen Schrecken muss sie feststellen, dass sie nicht mehr allein in ihrem Körper ist: auf einmal hört sie Stimmen. Genauer gesagt eine Stimme: die von Ben. Zunächst glaubt Anni, vollkommen den Verstand verloren zu haben, aber er versichert ihr, dass es ihn wirklich gibt. Mit der Zeit werden die Gespräche mit Ben für sie immer realer. Sie gewöhnt sich an ihn und allmählich entwickelt sich zwischen den beiden eine Art Freundschaft, auch wenn sie sich nur in ihren Köpfen abspielt. Als die zwei sich zu einem Treffen in Natura entschließen, droht ihr Band zu zerreißen, denn Ben taucht nicht auf. Merkwürdigerweise behauptet er felsenfest, erschienen zu sein. Wie ist das möglich?


Cover

Zwar wirken die Blau- und Weißabstufungen recht kühl, was recht untypisch für Liebesromane ist, aber trotzdem erfasst man (dank der roten Herzen und der einander zugewandten Silhouetten) auf einen Blick, worum es gehen wird. Zum Teil musste ich auch an den Film Schlaflos in Seattle denken, auch wenn das Buch damit rein gar nichts zu tun hat.

Meine Meinung


Ich denke, die Tatsache, dass ich Zwei fürs Leben in einem Rutsch durchgelesen habe, spricht Bände. Ich war wie im Rausch, weil die Seiten nur so dahin geflogen sind.
Die Gespräche zwischen den beiden sind vom ersten Moment an einfach wunderbar. Sie strotzen vor Witz und Wortgewandtheit. Ihr ständiges Hin und Her bringt einen zum Lachen, weil sie sich ständig in irgendeiner Art necken, aber hin und wieder haben sie auch ernstere Gesprächsthemen, die allerdings niemals die Lesestimmung negativ beeinflussen. Die einzelnen Sprechbeiträge sind recht kurz, sodass ihre Wortwechsel sehr dynamisch sind. Sie waren für mich immer das Highlight beim Lesen, denn auch, wenn man Einblicke in das "reale" Leben von Ben und Anni bekommt, so waren diese Auszüge neben den mental geführten Gesprächen eher nebensächlich. Man könnte eigentlich auch nur die Dialoge lesen und trotzdem dem Geschehen folgen, da sich dort die wesentlichen Ereignisse abspielen. Das ist vor allem super, wenn man später noch mal zu dem Buch greifen will, denn so kann man nach Lust und Laune später immer mal wieder einsteigen.
Der klare Fokus liegt also eindeutig auf Ben und Anni, die im Wechsel den Hauptteil des Romans bestreiten. Es werden nur wenige Randcharaktere eingeführt, was einerseits gut ist, da unnötige Figuren nur vom Geschehen ablenken würden, andererseits erscheinen sie auch recht flach, da man nur wenige Informationen zu ihnen bekommt und sie nur wenig präsent sind. Selbst Hannes und Becky, die die jeweiligen Partner von Anni und Ben sind, werden nur schwach skizziert. Das hat mich ein bisschen gestört.
Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass sich das aktive Handeln von Ben und Anni stark in Grenzen hält bzw. nur geringfügig geschildert wird. Es ist nicht sonderlich ereignisreich. Der dramatische Höhepunkt besteht im Prinzip darin, dass das Treffen der beiden nicht zustande kommt. Dadurch will man natürlich wissen, warum das so ist. Meine erste Vermutung ging schon in Richtung des Filmes Das Haus am See, und war schon etwas enttäuscht, weil ich dachte, die Geschichte würde dadurch zu einem Abklatsch werden. Aber ich habe mich Gott sei Dank geirrt, denn die Erklärung ist wesentlich weniger mysteriös und in sich schlüssig. Von daher war ich positiv überrascht. Ab da steuerte die Handlung extrem schnell auf einen Abschluss zu, was dann schon fast gehetzt und überstürzt wirkt. Dadurch kam bei mir nicht recht die romantische Stimmung auf, die mir auch während des gesamten Geschehens fehlte. Mit dem Ende bin ich aber dennoch zufrieden. 

Lieblingszitat


"Es heißt, die Zeit heilt alle Wunden. Wer immer auch immer das behauptet, lügt. Sie heilt keine Wunden. Sie hinterlässt nur tiefe Narben, die dafür sorgen, dass der Schmerz nie in Vergessenheit geraten kann, dass er immer präsent ist und die Erinnerung an die Qualen aufrecht erhält." (S. 246)

Fazit


Zwar hat das Buch ein paar kleine Schwachstellen, aber diese sind so gering, dass man darüber getrost hinwegsehen kann. Ich habe die Lektüre wirklich sehr genossen, besonders die Dialoge zwischen Ben und Anni waren so witzig und unterhaltsam, dass man gar nicht merkt, wie beim Lesen die Zeit verfliegt. Hier liegt eindeutig die Stärke der Autorin, sodass sie auf viel Handlungsgeschehen verzichtet und auch den Plot nicht (unnötig) in die Länge zieht. Ich freue mich schon auf weitere Werke!


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