Mittwoch, 5. August 2015

REZENSION: "Obsidian - Schattendunkel" (Jennifer L. Armentrout)

Copyright Carlsen Verlag

Titel: Obsidian - Schattendunkel

Autor: Jennifer L. Armentrout

Genre: Roman / Fantasy / Jugendroman

Verlag: Carlsen Verlag

Erscheinungsjahr: 2012

Format: Hard Cover (18,90 €)

Seiten: 400

ISBN: 978-3-551-58331-4


Inhalt:

Der Ortswechsel vom sonnigen Florida ins triste West Virginia verläuft für Katy alles andere als rosig. Erst hat sie keinen Internetzugang, was für sie als Buchbloggerin einer Katastrophe gleichkommt, und dann stellt sich der zugegebenermaßen sehr gut aussehende Nachbar Deamon bei ihrer ersten Begegnung als unfreundlicher Idiot heraus. Wäre Dee, Deamons Schwester, nicht so eine liebenswerte Person würde Katy auch nie wieder ein Wort mit ihm wechseln, doch da sich die zwei anfreunden, kann sie sich Deamons Gegenwart nicht entziehen. Trotz seiner Unfreundlichkeit fühlt sie sich immer mehr zu ihm hingezogen. Hinzu kommt, dass sein kryptisches Verhalten sie immer neugieriger darauf macht, was die Familie zu verbergen hat. 


Cover

Die Optik des Buches ist ein wirklicher Blickfang. Zum einen, weil es durch die reflektierende Oberfläche sehr hochwertig wirkt und ich (typisch Frau) alles mag, was glänzt. Zum anderen gefällt mir das romantisch-verwegene Motiv des Grasfeldes und der zwei Silhouetten. Es ist nicht überladen und erdrückt einen nicht.  

Meine Meinung

Leider bin ich mit Obsidian nicht ganz zufrieden. Vielleicht würde ich das Buch anders bewerten, wenn a) ich meine Erwartungen nicht durch den Hype so weit hochgeschraubt hätte, b) ich noch die mentale Einstellung meiner Schulzeit und c) ich es vor der Bis(s)-Reihe gelesen hätte. Da aber nun keiner dieser Punkte zutrifft, war ich von dem Roman nur mäßig begeistert.
Ich erkenne durchaus an, dass die Idee dahinter eine Neuerung im Fantasy-Genre ist, zumindest, soweit ich es beurteilen kann. Dass man es hier nicht mit Werwölfen oder Vampiren zu tun bekommt, ist durchaus erfrischend, besonders, da die Zeichen darauf hingedeutet haben, dass es in diese Richtung geht. Trotzdem sind die Parallelen zu den Bis(s)-Büchern nicht zu übersehen. Dee erinnert in ihrer energiegeladenen, überschwänglichen Art an Alice, Katy ist ebenso tollpatschig wie Bella und hat ein bemerkenswertes Talent, Schwierig- keiten magisch anzuziehen. Ich muss an dieser Stelle allerdings auch betonen, dass sie mir als Hauptfigur weitaus besser gefällt als Bella, da sie wesentlich selbstbewusster und charakterstärker ist. Sie bemitleidet sich nicht immerzu oder zweifelt an sich, sondern ist schlagfertig und eigensinnig, auch wenn sie manchmal recht dumm agiert. 
Auch in der Handlung gibt es einige Situationen, die mich an die Meyer-Quadrologie erinnern, speziell jene, in denen Deamon Katy zur Hilfe eilen muss. 
Zu meiner großen Freude hat sich dann aber Deamon als ganz anders als Edward herausgestellt. Er ist weder so oberromantisch veranlagt wie er, noch so moralisch korrekt, sondern launisch, manchmal leicht düster (die Betonung liegt hier auf leicht) und durchweg sarkastisch. Zwar hat auch er seine tiefsinnigen Momente und einen ausgeprägten Beschützerinstinkt, aber er ist nicht der strahlende, selbstlose Held, was auch besser zur Geschichte passt. Außerdem fordert er damit Katy permanent heraus, was sehr zur Unterhaltung beiträgt.
Mit den Dialogen zwischen Deamon und Katy hatte ich allerdings manchmal so meine Probleme. Besonders am Anfang wirkten sie mir zu gekünstelt und ihr verbaler Schlagabtausch war nicht unbedingt eine schriftstellerische Glanzleistung. Prinzipiell mochte ich es zwar, dass sie sich angezickt bzw. geneckt haben (man kann es durchaus als Flirten auslegen), aber immer öfter hat mich dieses Heiß-Kalt-Spiel, dieses ständigen Hin und Her zwischen "Ich finde dich heiß" und "Du gehst mir auf die Nerven" gestört. Ich habe nicht ganz verstanden, warum sie so verzweifelt so getan haben, als würden sie einander hassen, wenn es doch so offensichtlich war, dass sie sich zueinander hingezogen fühlten. Allerdings hat das auch den positiven Nebeneffekt, dass die Autorin auf schmalzige Liebesbekundungen verzichtet und stattdessen kleinen Gefühlsandeutungen den Vorzug gibt. Sie drucksen eher um den heißen Brei herum, was mich zumindest auf den letzten Seiten mal zum Grinsen gebracht hat.
Eines der Hauptprobleme für mich war, dass Katy und Deamon und ihre Gefühle füreinander so stark im Zentrum standen, dass andere Charaktere (wie z.B. Dee) und die eigentliche Handlung vergleichsweise recht kurz kamen. Es gab einige actionreiche Momente, aber diese waren nach wenigen Seiten abgehandelt und weniger einprägsam. Das mag dem ein oder anderen gefallen, ich persönlich fand es zu wenig. Allerdings kenne ich die folgenden Teile Onyx und Opal nicht, sodass ich nicht beurteilen kann, ob es dort dahingehend eine Steigerung gibt. Genaugenommen wäre es ja auch kontraproduktiv, sein ganzes Pulver bereits im ersten Teil zu verbrauchen.  

Fazit

Die Grundidee von Obsidian ist unverbraucht, da es nach meinem Wissen keine Wesen in der Fantasy-Literatur mit vergleichbaren Fähigkeiten gibt. Allerdings haben mich diverse Punkte der Handlung zu stark an Stephanie Meyers Bis(s)-Bücher erinnert, sodass ich nicht in das Geschehen abtauchen konnte. Zwar zerfließt die Protagonistin nicht in Selbstmitleid und ist deshalb weit weniger anstrengend, aber ihre Gefühlswelt beherrscht insgesamt zu sehr die Erzählung, worunter das Geschehen und die Spannung leiden.



Die Reihe:

1. Band: Obsidian - Schattendunkel

1 Kommentare:

Alys im Wunderland hat gesagt…

Hallo liebe Svenja,
ich habe das Buch gerade auch gelesen und fand es toll! Mir hat der Schlagabtausch zwischen Katy und Deamon auch besonders gut gefallen, fand aber allerdings auch, dass es ein bisschen zu viel von diesen Wechseln zwischen nett und unfreundlich bei Deamon gab.
LG Alys

Kommentar veröffentlichen