Montag, 17. August 2015

REZENSION: "Mind Games" (Teri Terry)

Copyright Coppenrath
Titel: Mind Games

Autor: Teri Terry

Genre: Dystopie / Science Fiction

Verlag: Coppenrath

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (17,95 €)

Seiten: 464

ISBN: 978-3649667124

Inhalt:

In Lunas Welt ist jeder einfach immer online, denn alles - die Schule, das soziale Leben, Freizeit, Arbeit - spielt sich im Netz ab. Nur nicht für Luna selbst, denn sie besitzt keines der Implantate von PareCo, einem Unternehmen, das für alles die Fäden ziehen zu scheint. Trotzdem interessiert sich die Firma aus irgendeinem Grund für sie und bietet ihr einen der begehrten Arbeitsplätze an. Luna weiß nicht, was sie tun soll, denn sowohl ihre Großmutter Nanna als auch Gecko, der geheimnisvolle Junge, den sie während des Tauglichkeitstests kennenlernt, warnen sie vor PareCo. Was hat das Unternehmen vor? Und was hat Luna an sich, dass es sich so brennend für sie interessiert? Hat es vielleicht etwas mit ihrer verstorbenen Mutter zu tun, einer begnadeten Hackerin, die sich angeblich das Leben nahm?

So gefällt mir das Cover:

Das Cover finde ich sehr gelungen, denn es ist auf jeden Fall auffällig und wirkt außerdem ziemlich futuristisch, was ja hervorragend zur Thematik passt. Mir gefallen auch die Farben des Musters und das Geheimnisvolle, Mystische und Verworrene, das es ausstrahlt, denn genau das sind ja sowohl unser Bewusstsein als auch das Internet.

Meine Meinung:

Von Teri Terrys Gelöscht-Trilogie habe ich schon gehört, die Bücher bisher aber noch nicht gelesen. Dann stolperte ich bei Lovelybooks über Mind Games, was für mich super interessant klang, also bewarb ich mich einfach mal für die Leserunde und hatte prompt Glück. Daher erst einmal vielen Dank an den Coppenrath Verlag für das Leseexemplar.

Die Idee, die hinter Mind Games steckt, ist unglaublich faszinierend, erschreckend und vorstellbar. Wie auch bereites Scott Westerfeld in Ugly greift Teri Terry ein aktuelles Thema aus unserer Gemeinschaft auf und entwickelt es weiter, sodass daraus eine beängstigende, dystopische Welt wird. In Mind Games handelt es sich dabei um das Internet, das so gut wie alle Bereiche des Lebens beherrscht, während das reale Leben im Gegensatz dazu seine Reize verloren hat. Gleichzeitig spielen Rationalität und Bewusstsein eine große Rolle in Terrys Roman. Alles in allem sind das die perfekten Zutaten für eine packende Dystopie, die das Zeug hat, sich von anderen Büchern des Genres abzuheben.

Ich war also sehr gespannt und konnte mich bereits nach den ersten Seiten sehr gut in die Handlung hineinfinden. Mit der rebellischen Luna, einem der wenigen Teenager, die sich bewusst gegen ein Implantat und damit gegen die Möglichkeit, ständig eingeloggt zu sein, entscheiden, präsentiert Terry eine mittlerweile klassische Protagonistin, die an Katniss (Die Tribute von Panem), Tris (Die Bestimmung) und Tally (Ugly) erinnert. Obwohl Luna ein wirklich interessanter Charakter mit scheinbar besonderen und wertvollen Fähigkeiten ist, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass sie nicht so viel Potenzial hat wie andere dystopische Hauptcharaktere. Auch ist man ihr beim Lesen nicht wirklich nahe, obwohl die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird. Luna scheint immer nur von anderen Personen gelenkt zu werden, kaum einmal ergreift sie wirklich selbst die Initiative. Wesentlich interessanter fand ich dann eher den Hacker Gecko, von dem Luna anscheinend magisch angezogen wird. Dennoch konnte mich nicht wirklich einer der Charaktere vollends überzeugen - hier wäre wesentlich mehr Potenzial vorhanden gewesen. 

Terry konzentriert sich insgesamt eher auf die Schilderung von Lunas Welt und der Gesellschaft nach einem dritten Weltkrieg. Wobei - was ich sehr schade finde - auch die reale Welt zu kurz kommt. Der Fokus liegt auf der virtuellen Welt, in die Luna irgendwann zusammen mit Gecko und ihren anderen Freunden eintaucht. Die Welten, die sie dabei durchstreifen, wirken beinahe magisch und ziehen die Jugendlichen recht schnell in ihren Bann, was die Gefahren der Online-Welt klar deutlich macht. Sehr gelungen fand ich in diesem Zusammenhang, wie Terry mit dem Leser spielt. Denn indem die Charaktere im Buch immer mehr Zeit in PareCos künstlichen Realitäten verbringen, verschwimmen für sie die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion und sie können nicht mehr unterscheiden, was wirklich geschieht und was ihnen bloß vorgegaukelt wird. Das Gleiche erlebt der Leser und fühlt sich so mittendrin in der Handlung. Diese geht sehr rasant voran. Das ein oder andere Mal gab es zwar ein paar Längen, insgesamt kommt man während des Lesens aber kaum zum Luft Holen. Das hat mir prinzipiell sehr gut gefallen, manchmal hätte ich mir aber doch einen ausführlicheren Blick auf eine Sache gewünscht - ganz besonders am Ende, das mir dann wirklich viel zu schnell ging.

Was anders ist an Teri Terrys Mind Games: Kontrolliert wird die Bevölkerung in Lunas Welt nicht von einer diktatorischen Regierung, sondern von einem Konzern, der mit seinen Erfindungen nach und nach die Gesellschaft so umstrukturiert, wie er es haben möchte. Die Regierung scheint unterdessen beinahe ohnmächtig zu sein und lässt die Veränderungen, die PareCo vornimmt, einfach geschehen, ohne einzugreifen. Diesen Ansatz finde ich wirklich bemerkenswert. Ansonsten finden sich im Roman auch Elemente, die mir so schon in anderen Dystopien begegnet sind, u.a. in der Jugend-TV-Serie The Tribe (das Paradise-Programm), im Blockbuster Die Insel (geheime Experimente an Menschen und die paradiesische Insel an sich, die in Mind Games "unzugängliche Insel" heißt), in der Buchreihe Ugly - Pretty - Special - Extra (das Einloggen über Implantate und die Kommunikation über Interface-Bildschirme) und natürlich die Idee einer Rebellin, die alles zum Einsturz bringen kann, aus diversen populären Dystopien. Mind Games verbindet diese Elemente aber auf äußerst kluge Weise miteinander, sodass es nicht wirkt wie ein blasser Abklatsch, sondern wie etwas Eigenständiges.

Was ich noch gestehen muss: Verwirrt haben mich beim Lesen die Passagen, in denen es um das Hacken geht. Hacker können in die von PareCo geschaffenen, virtuellen Welten eingreifen und sie verändern, wobei es verschiedene Stufen gibt. Die Hacker scheinen eine Art Privilegierte zu sein, die sich als solche durch Tattoos kennzeichnen. Wenn es um die technischen Aspekte ging, war das Lesen für mich sehr anstrengend und ich habe ehrlich gesagt aufgrund meiner mangelnden Kenntnis keine Ahnung, ob das Hacken in Terrys Roman auf dem Hacken, wie wir es verstehen, basiert oder ob Terry es völlig neu definiert. Interessant fand ich es aber auf jeden Fall.

Mein Fazit:

Teri Terrys neuester Roman Mind Games ist auf jeden Fall eine lesenswerte und unterhaltsame Dystopie, hinter der eine neuartige Idee steckt, die zwar einige Elemente aus anderen Dystopien aufgreift, diese aber sehr geschickt miteinander zu einer spannenden Handlung verbindet. Der Gedanke von einem Leben, das sich fast ausschließlich online abspielt und die Folgen für die Gesellschaft, haben mich wirklich fasziniert und auch die virtuellen Welten, durch welche die Protagonisten gehen, haben mir unheimlich gut gefallen. Die Handlung scheint kaum jemals still zu stehen und war mir manchmal sogar ein wenig zu rasant. Wäre Terry insgesamt noch ein wenig mehr in die Tiefe gegangen und hätte sich auch noch intensiver mit Luna und anderen Figuren wie z.B. Gecko beschäftigt, wäre Mind Games einfach fantastisch geworden. Aber auch so ist es ein wirklich packendes Jugendbuch, das Fans von Dystopien und Zukunftsvisionen auf jeden Fall begeistern dürfte.


  

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