Donnerstag, 13. August 2015

REZENSION "Lieblingsmomente" (Adriana Popescu)

Copyright Piper Verlag

Titel: Lieblingsmomente
Autor: Adriana Popescu
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Piper Verlag
Erscheinungsjahr: 2013
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 380
ISBN: 978-3-492-30446-7






Inhalt

Als sich die Fotografin Layla und der Gelegenheitsjobber Tristan eines Nachts auf einer Party kennen lernen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen. Doch mehr als Freundschaft entwickelt sich nicht zwischen den beiden, denn schließlich haben sie jeweils Menschen, die sie von Herzen lieben. Gemeinsam streifen sie durch Stuttgart, teilen ihre Lieblingsorte und ihre Lieblingsmomente miteinander. Immer mehr beginnt Layla an den Dingen zu zweifeln, derer sie sich eigentlich so sicher war: an ihrer Beziehung mit Oliver, an ihrem Job und an ihren eigenen Wünschen. 

Cover


Seit langem ist das das erste Buch, bei dem das Cover tatsächlich mit dem Inhalt übereinstimmt. Erstens, weil die Fotokette sofort auf Laylas Hobby und Beruf als Fotografin hinweist, und zweitens, weil die abgebildeten Motive in der Geschichte selbst vorkommen. Sie alle vermitteln gute Laune, Spaß und Romantik, sodass man sofort Lust auf Urlaub und Party bekommt.

Meine Meinung


Die Handlung von Lieblingsmomente hält, was die Optik verspricht: ein Roman für heiße Sommertage, viele Partys, coole Locations und Urlaubs-Feeling. Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen, da er meistens witzig und aufgeweckt ist. Und trotzdem ist das Geschehen nicht ganz so locker-flockig und leicht, wie ich zunächst vermutet habe. Denn auch wenn die Ich-Erzählerin Layla ein recht dynamischer und lebenslustiger Mensch ist, wird sie häufig von Selbstzweifeln geplagt, fühlt sich oft unwohl und ist nicht recht zufrieden mit sich und dem, was sie bisher im Leben erreicht hat. Besonders durch ihren Freund Oliver wird ihr der Eindruck vermittelt, dass das, was sie tut, d.h. ihr Job als Partyfotografin, unwichtig wäre und nur ein Hobby sein. Zwar unterstützt er sie mit seinen "Ratschlägen", aber er nimmt sie nicht ernst und erkennt ihr Talent nicht. Aus diesem Grund und aus einigen mehr kriselt es immer mehr zwischen den beiden, auch wenn sie es zunächst nicht wahrnehmen wollen. Da man die Beziehung durch Laylas Filter wahrnimmt, sieht man vor allem Oliver als den Schuldigen für die Verschlechterung der Beziehung an. Er wirkt egoistisch und desinteressiert, leicht überheblich und scheint Layla eher wie ein kleines Kind zu behandeln. Dadurch hat meine Sympathie für ihn mit jeder Seite immer mehr abgenommen, auch wenn er mit Sicherheit kein schlechter Kerl ist. Man kann ihn zu keinem Zeitpunkt hassen, weil er sich immer bemüht, lieb und nett zu Layla zu sein, nur ist er einfach geistig abwesend und bringt Layla nicht mehr die Zuneigung und Anerkennung entgegen, die sie verdient hat. Diese Entfremdung beruht allerdings auch auf Gegenseitigkeit, denn Layla verbringt ihre Zeit auch mehr auf Arbeit und mit ihren Freunden. Deswegen habe ich auch nicht verstehen können, warum sie sich immer vehement weigert zu sehen, dass es zwischen Oli und ihr nicht mehr funkt. Ich fand es zeitweise sehr anstrengend und nervig, wie leicht sie sich bei Auseinandersetzungen von ihm hat beschwichtigen und einlullen lassen und ihren Standpunkt bzw. ihre eigenen Wünsche nicht bis zum Ende konsequent vertreten hat. Nur sehr langsam hat sie Charakterstärke entwickelt, was nicht zuletzt an Tristan lag, der konti- nuierlich bemüht war, ihr die Augen zu öffnen. Von ihm bekommt sie die Komplimente zu hören, die sie schon seit langem vermisst, und mit ihm hat sie auch wesentlich mehr Gemeinsamkeiten als mit Oliver. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie sich sofort zu ihm hingezogen fühlt. Tristan ist einfach ein Mensch, den man auf Anhieb gut leiden kann: er ist witzig, einfühlsam, ein guter Zuhörer, lebenslustig und vielseitig begabt. Er kitzelt das Beste aus Layla heraus und entflammt in ihr erneut die Leidenschaft für das Fotografieren, das immer mehr zur Pflicht für sie geworden ist. Im Gegenzug hilft sie ihm, ein tragisches Kapitel seiner Vergangenheit zu bewältigen, denn Tristan ist nicht immer der liebenswerte Strahlemann, als den sie ihn kennen lernt. Sehr häufig verhält er sich distanziert und kühl, was mich oftmals zum Stirnrunzeln gebracht hat. Ebenso wie Layla war ich von seinen Stimmungsschwankungen verwirrt und konnte sie nicht immer nachvollziehen. Daher habe ich mir beim Lesen gewünscht, die Ereignisse aus seiner Perspektive zu sehen, um seine Gedankengänge zu verstehen (es gibt übrigens ein Bonuskapitel aus seiner Sicht mit dem Titel Tristans Moment; den kostenlosen Download findet ihr HIER). Vor allem finde ich, dass er ihre Freundschaft (die übrigens unglaublich schnell sehr innig wird) unnötig dadurch verkompliziert hat, dass er so ein großes Geheimnis aus seiner Freundin Helen gemacht hat. Für mich war recht schnell klar, was es mit ihr auf sich hat, weshalb ich die "Enthüllung" nicht über- raschend, dafür aber unnötig herausgezögert fand.  
Während man im ersten Teil das Gefühl hat, Tristan wäre omnipräsent, glänzt er im zweiten Teil häufig durch Abwesenheit, auch wenn ein Großteil von Laylas Gedanken um ihn kreisen. Teilweise haben sie sich wiederholt und manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass ihre inneren Monologe Überhand genommen haben. Ähnlich ging es mir mit ihren ausführlichen Beschreibungen. Dadurch, dass sie einen Faible für Details hat, wird man damit gewissermaßen überhäuft. Viele Dinge werden sehr genau geschildert, auch wenn sie für die Handlung keine Rolle spielen. Besonders häufig verliert sie sich in den Beschreibungen und Lobpreisungen Stuttgarts, was unweigerlich dazu führt, dass der Roman zeitweise eher einem Reiseführer glich. Laylas Begeisterung für die Stadt überträgt sich auf Leser, sodass man selbst Lust bekommt, die Stadt und Schauplätze zu besuchen. Praktischerweise findet man auch im Anhang eine Auflistung der Adressen der Locations. Der Nachteil ist allerdings, dass ich den Eindruck hatte, das Geschehen würde sich diesen Beschreibungen unterordnen.
Für den Roman spricht jedoch, dass hier nicht jedes Klischee bedient wird. Ich hatte z.B. die Befürchtung, dass sich Laylas beste Freundin Beccie als fieses Miststück entpuppen würde, aber sie blieb von Anfang bis Ende erfreulicherweise eine wunderbare Freundin und eine überaus hilfsbereite, freundliche und fürsorgliche Person. Auch vom Ende des Buches war ich in der Tat etwas überrascht, da es anders ausgefallen ist, als man vielleicht durch den Klappentext vermuten würde. Dennoch bin ich damit soweit zufrieden, da die Autorin mit Lieblingsgefühle eine Fortsetzung veröffentlicht hat, in der sich die offenen Fragen klären werden. 

Lieblingszitat


"Sonst ähnelt mein territoriales Schlafverhalten eher dem der Engländer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - die meinen ja bekanntlich auch, ganz Indien einnehmen zu können." (S. 92)

Fazit


Auch wenn Lieblingsmomente in einem recht leichtfüßigen Stil geschrieben ist, so empfand ich den Roman an einigen Stellen anstrengend. Der Plot selbst gibt nicht allzu viel her und wurde durch die inneren Monologe und zahlreichen Beschreibungen von Nichtigkeiten unnötig ausgedehnt. Dadurch flaute der "Lesegenuss" bei mir häufiger ab. Sollte man allerdings einen (Insider-) Reiseführer für Stuttgart brauchen oder man kennt sich dort aus, dann könnte man durchaus Gefallen an dem Buch finden, da die Stadt sehr gepriesen wird. 


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