Dienstag, 25. August 2015

REZENSION: "Legend 02 - Schwelender Sturm" (Marie Lu)

Copyright Loewe Verlag
Titel: Legend 02 - Schwelender Sturm

Autor: Marie Lu

Genre: Dystopie

Verlag: Loewe Verlag

Erscheinungsjahr: 2015 (Erstausgabe 2013)

Format: Taschenbuch (9,95 €)

Seiten: 448

ISBN: 978-3785581599


Inhalt:

Nachdem June Day vor seiner Hinrichtung gerettet hat, fliehen die beiden mit dem Zug nach Las Vegas, um sich dort den Patrioten anzuschließen. Diese haben einen ganz besonderen Auftrag für die Neuankömmlinge: Sie sollen den neuen Elektor Anden töten. Dieser ist erst seit Kurzem, seit dem Tod seines Vaters, im Amt und scheint eigentlich selbst revolutionär zu denken. Während Day sich gemeinsam mit Tess und Kaede auf den entscheidenden Angriff vorbereitet, wird June erneut in die Republik eingeschleust, um dem Elektor nahe zu kommen. Doch allmählich überkommen sie Zweifel an ihrem Vorhaben: Ist es richtig, Anden zu töten? Ist sie im Herzen vielleicht noch immer der Republik treu ergeben?


So gefällt mir das Cover:

Das Cover der Taschenbuchausgabe ist wieder weiß beziehungsweise cremefarben, was mich ja schon beim ersten Band ein wenig gestört hat. Schön sind aber wieder das goldfarben geprägte Emblem und die Schrift. Das Cover ist minimalistisch und auf den Punkt gebracht: Ich finde, man erkennt sofort, dass es sich um eine Dystopie handelt.

Meine Meinung:

Der erste Teil von Marie Lus Trilogie Legend - Fallender Himmel hat mir ganz gut gefallen, weil es eine etwas anders umgesetzte Dystopie ist und so habe ich mich auf den Folgeband gefreut. Wie gehabt wird immer abwechselnd in der Ich-Form aus Days und aus Junes Perspektive erzählt, was in Schwelender Sturm besonders sinnvoll ist, da Day und June die meiste Zeit über nicht zusammen sind. So erfährt man auch aus zwei verschiedenen Blickwinkeln, was passiert. Während man Day zu den Patrioten begleitet, befindet man sich zusammen mit June in der Republik und lernt so auch den vermeintlich tyrannischen Elektor Anden kennen. Diese Erzählweise finde ich erneut sehr gelungen, denn so ist man als Leser in der Position, sich eine eigene Meinung zu bilden, ohne sich jedoch auf die Seite eines der Protagonisten zu stellen.
Die Handlung selbst setzt genau dort ein, wo sie im ersten Teil endet: Day und June sind auf der Flucht vor den Soldaten der Republik und auf dem Weg nach Las Vegas, wo sie sich den Patrioten anschließen wollen, um Days jüngeren Bruder Eden zu finden. Die Reise an sich ist nicht sehr detailreich beschrieben und so kommen die beiden recht schnell ans Ziel und werden dort auch prompt von Kaede aufgegabelt und zum Anführer der Patrioten, Razor, gebracht. Das alles ging mir ein wenig zu schnell. Darauf folgen dann allerdings Abschnitte, die mir persönlich zu langatmig sind. Es wird viel geredet und geplant, bevor es dann tatsächlich ans Ausführen des Planes - den neuen Elektor zu ermorden - geht. Gleichzeitig erfährt man auch viel über die Gefühle von Day und June, was mir wiederum sehr gefallen hat. Ihr Innenleben, ihre Ängste und Sehnsüchte spielen in Schwelender Sturm eine wesentlich größere Rolle als im ersten Teil und so ist mir June mittlerweile ziemlich sympathisch. Ich kann mich auch besser in sie hineindenken als noch im ersten Band und kann sie nun auch verstehen. Gleichzeitig ist Day dem Leser auch sehr nahe - man hat in diesem Band wirklich das Gefühl, dass die beiden absolut auf einer Wellenlänge miteinander sowie mit dem Leser sind.
Im Großen und Ganzen dreht sich der zweite Teil der dystopischen Trilogie hauptsächlich um das geplante Attentat auf den Elektor. Nebenbei erfährt man außerdem das ein oder andere Geheimnis über die Republik und auch die Kolonien lernt man endlich kennen, wobei diese ganz und gar nicht das gelobte Land sind, für welches vor allem Day sie hält. Während die Republik eine typische Diktatur ist, werden die Kolonien von vier großen Konzernen beherrscht, was auch nicht nur Vorteile bringt. 
Wichtiger Bestandteil von Schwelender Sturm ist außerdem die Liebesbeziehung zwischen Day und June, die durch die Pläne der Patrioten auf eine harte Probe gestellt wird. Unterdessen spielen sich auch Eifersuchtsdramen ab, denn Tess hat Gefühle für Day und der neue Elektor Anden liebäugelt mit June. Das Ganze war ein wenig vorhersehbar und man hatte die ganze Zeit über das Gefühl, dass Day und June es dennoch aus irgendeinem Grund schaffen, zusammenzubleiben. Trotzdem fasziniert die Liebesgeschichte, denn man spürt als Leser, dass Day und June etwas sehr Tiefes verbinden muss, wenn sie sich nach so kurzer Zeit und nach allem, was sie beide erlebt haben, derartig bedingungslos lieben und (in diesem Band ganz wichtig) vertrauen. 
Während die Handlung leider vor allem am Anfang ziemlich dahinplätschert, nimmt sie während der letzten etwa 100 Seiten mächtig an Fahrt auf und hat für mich das Ruder so noch herumgerissen. Gegen Ende passieren eine ganze Menge unvorhergesehener Dinge und man darf sich als Leser auf Lügen, Intrigen und Geheimnisse freuen. Und auf einen ziemlich gemeinen Cliffhanger, der auf eine Enthüllung folgt, die ich so definitiv nicht erwartet habe, denn Lu hat sie zwar schon im ersten Teil immer wieder angedeutet, ist dabei aber so subtil und geschickt vorgegangen, dass man wirklich nichts ahnt. Es bleibt also spannend und ich kann mich auf jeden Fall auf den Abschluss der Trilogie um Day und June freuen.


Mein Fazit:

Schwelender Sturm ist auf jeden Fall ein gelungener zweiter Teil von Marie Lus Legend-Trilogie, der mich vor allem mit den noch besser ausgearbeiteten Protagonisten June und Day und der gegen Ende hin wirklich rasanten und spannenden Handlung begeistern konnte. Bis zur Mitte des Romans hat mich die Geschichte zwar nicht wirklich gepackt (es war mir einfach stellenweise zu theoretisch, zu viel Gespräch und zu wenig Aktion), es war jedoch aufgrund Lus angenehmem Schreibstil und der wirklich tollen Charaktäre ganz und gar nicht schwer, am Ball zu bleiben. Lust auf den dritten Teil hat mir Schwelender Sturm definitiv gemacht.



0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen