Freitag, 21. August 2015

REZENSION: "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe" (A. J. Betts)


Copyright Fischer KJB

Titel: Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe

Autor: A. J. Betts

Genre: Roman / Liebesroman / Jugendroman

Verlag: Fischer KJB

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hard Cover (14,99 €)

Seiten: 432

ISBN: 978-3-596-85661-9

Inhalt:

Zac und Mia lernen sich durch die Wand ihrer Krankenhauszimmer kennen: zunächst nur über Klopfzeichen, dann über Nachrichten und das Internet. Zac hilft Mia bei der Bewältigung ihrer Verzweiflung und Wut auf den Krebs, im Gegenzug ist Mia seine Kontaktperson in den Nächten, in denen er nicht schlafen kann. Nach ihrer Entlassung verlieren sie sich aus den Augen, aber aus den Augen bedeutet nicht aus dem Sinn. Trotzdem ist Zac mehr als erstaunt, als Mia eines Tages unangekündigt vor seiner Tür steht.

Cover


Das Cover sagt mir leider überhaupt nicht zu. Ich finde es zu unscheinbar und trist. Ein Eye-Catcher sieht anders aus. Deswegen befürchte ich, dass das Buch eventuell nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient hat. Andererseits sticht es eben deswegen aus der breiten Masse hervor. 

Meine Meinung


Ich stehe dem Roman mit gemischten Gefühlen gegenüber, da ich die anfängliche Begeisterung beim Lesen nicht kontinuierlich aufrecht erhalten konnte. Er ist in drei Teile (ZAC - UND - MIA) unterteilt, die jeweils einen kleinen Zeitsprung zwischen den einzelnen Ereignissen markieren. Teil 1 findet im Krankenhaus statt, Teil 2 bei Zac und seiner Familie zu Hause und der letzte Abschnitt umfasst die Zeit danach. Vom Schreibstil hat mir der Anfang am besten gefallen. Der Mittelteil hat sich meiner Meinung nach etwas geschleppt, was wohl auch daran lag, dass öfter aus der Sicht von Mia erzählt wird, die vom Wesen her ganz anders als Zac ist. Ihre passiv-aggressive Einstellung wirkt sich eher bedrückend auf die Stimmung aus, aber das wandelt sich im letzten Drittel zunehmend. Durchweg super fand ich die tolle Metaphorik und die Analogien, die Betts gewählt hat und die sich sehr gut in das Geschehen bzw. die Gedankengänge der Personen eingefügt haben.
Zac ist als Protagonist einfach unglaublich, denn seine Frohnatur macht ihn zum Dauersympathieträger. Trotz seiner schweren Krebserkrankung hat er noch nicht aufgegeben und versprüht Hoffnung und Optimismus, wo er nur kann. Auch wenn er sehr häufig sarkastische Kommentare von sich gibt, ist er nicht zynisch oder verbittert. Besonders mit seiner Mutter hat er einige sehr schöne Wortwechsel, da sie einander oft aufziehen. Sie ist zwar recht überfürsorglich und weigert sich, von seiner Seite zu weichen, aber sie ist genauso wenig ein Trauerkloß, wie er es ist. Das überträgt sich auch auf den Leser und hellt die Situationen trotz der Schwere der Thematik immer wieder auf. Dadurch habe ich den Schreibstil am Anfang als recht leichtfüßig wahrgenommen. Dieser Eindruck verblasste jedoch im zweiten Drittel, als nun auch aus der Sicht von Mia geschildert wurde. Im Gegensatz zu Zac ist sie wütend auf alles und jeden, hat kaum Hoffnung und fühlt sich ungerecht behandelt. Daher stößt sie andere immerzu vor den Kopf und gibt sich unnahbar. Das hat es mir zu Beginn sehr schwer gemacht, sie zu mögen, aber mit der Zeit habe ich mich für sie erwärmen können. Durch ihre Art und Weise stand sie sich häufig selbst im Weg, aber Zacs Aufmunterungsversuche haben allmählich Wirkung gezeigt. Sie taut auf und lässt die Nähe von anderen, vor allem die von Zac, zu.   
Die Beziehung der beiden würde ich jedoch in erster Linie als Freundschaft und nicht als Liebe einstufen. Es gibt kein großes, buntes Feuerwerk der Gefühle oder eine magische Anziehung. Wenn sie aufkommt, dann nur sehr subtil. Anfangs ist das Interesse aneinander auch nur einseitig, da sich nur Zac darum zu bemühen scheint, dass die Verbindung nicht abreißt. Er ist unglaublich aufmerksam und einfühlsam. Er nimmt Mias Stimmungsschwankungen wahr und weiß, wie er richtig darauf reagiert und was sie in dem jeweiligen Moment braucht. Deshalb stellt er seine eigenen Bedürfnisse öfter zurück. Selbst als es ihm selbst mies geht, will er sie immer noch aufheitern. Mia zeigt ihm zuerst noch die kalte Schulter, aber irgendwann weiß sie zu schätzen, was sie an ihm hat. Wie gesagt, mochte ich sie ab da lieber. Schmachtende Blicke und gefühlsduselige Liebesbekundungen kann man im Roman vergeblich suchen. Sie nehmen höchstens still für sich die Vorzüge des anderen zur Kenntnis, sprechen sie auch hin und wieder laut aus, aber diese Szenen laufen ohne Kitsch und viel Trara ab. Auch der körperliche Kontakt zwischen den beiden hält sich in Grenzen. Sie wünschen sich das zwar öfter, aber eher, um das Gefühl zu haben, nicht allein zu sein.
Ihre gemeinsame Geschichte ist insgesamt weit weniger dramatisch und intensiv, als man das von anderen Romanen (z.B. Das Schicksal ist ein mieser Verräter, Bevor ich sterbe) kennt, weil darauf auch nicht der Fokus liegt. Es geht mehr um die positive Botschaft, durchzuhalten, sich zu akzeptieren und immer weiterzukämpfen. Das finde ich einerseits gut, da ich der Meinung bin, dass die Romantik zu sehr davon ablenken würde, andererseits ist der Titel unter diesen Gesichtspunkten eher irreführend. Ich hatte vollkommen andere Erwartungen an das Buch, was sich positiv und negativ auf meine Einschätzung ausgewirkt hat. 

Lieblingszitat


"Selbst meine Mutter ist heldenhafter als ich. Sie hat sich bewusst dafür entschieden, dies mitzumachen. So wenig Held wie ich ist sonst niemand. Ich bin nicht freiwillig in diesen Krieg gezogen. Die Leukämie, diese blöde Sau, hat mich zwangsrekrutiert." (S. 61-62)


Fazit

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe ist berührend und gefühlvoll geschrieben, ohne den Leser emotional zu erdrücken oder herunterzuziehen. Im Gegenteil vermittelt A. J. Betts Optimismus und Hoffnung, da sie den Spagat zwischen Rührseligkeit und Zynismus zu meistern weiß. Der Roman kommt ohne Antagonisten aus (abgesehen von der Krankheit selbst) und entwickelt eine ganz eigene Dynamik. Leider war er trotzdem nicht durchgehend fesselnd, was selbst die schönen rhetorischen Mittel und der angenehme Erzählstil nicht ganz wett machen können. 



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