Montag, 31. August 2015

REZENSION: "Der Duft von Tee" (Hannah Tunnicliffe)

Copyright Diana Verlag
Titel: Der Duft von Tee

Autor: Hannah Tunnicliffe

Genre: Roman

Verlag: Diana Verlag

Erscheinungsjahr: 2013

Format: Taschenbuch (8,99 €)

Seiten: 398

ISBN: 978-3-453-35737-2



Inhalt

Grace und Pete wagen den großen Schritt und wollen sich in Macao ihr neues Leben aufbauen. Doch der optimistische Blick in die Zukunft wird getrübt, als sie erfahren, dass ihr Traum von eigenen Kindern nicht in Erfüllung gehen wird. Von ihrer Trauer überwältigt sucht Grace nach einer Möglichkeit, die Lücke in ihrem Leben zu füllen. Kurzentschlossen eröffnet sie ein kleines Café, in dem sie Tee und Macarons serviert. Die Menschen, die sie dort trifft, verändern ihr Leben für immer.

Cover


Das Bild wirkt warm und einladend, denn es macht sofort Lust auf ein Kaffeekränzchen mit seinen besten Freunden und Freundinnen. Mir gefallen sowohl die alten Porzellantassen (sehr britisch), als auch die bunten Macarons und der Kirschblütenzweig - nicht nur, weil sie gut miteinander harmonieren, sondern weil sie für mich symbolisch für die einzelnen Nationen stehen, die im Roman aufeinander treffen. 

Meine Meinung


Mein wichtigster Tipp vor dem Lesen: entweder sollte man vorher ausreichend gegessen haben oder sich mit genügend Essen ausstaffieren, um zu verhindern, dass der Magen beim Lesen zu knurren beginnt. Die Beschreibungen von Speisen (besonders von Macarons) machen nämlich einen Großteil des Romans aus und klingen so fantasievoll und schmackhaft, dass man sofort Appetit bzw, den Wunsch, selbst zu backen, bekommt. Für mich war das sehr aufschlussreich und inspirierend. Gleichzeitig muss ich da auch meine Kritik ansetzen: ich hatte oftmals das Gefühl, dass der Roman nur dazu dient, über Essen zu reden bzw. davon zu schreiben, denn die eigentliche Handlung gerät dadurch hin und wieder aus dem Fokus. 
Das zentrale Problem ist, dass Grace keine Kinder bekommen kann. Dementsprechend nimmt dieses Thema einen Großteil ihrer Gedanken ein, was (auch wenn das böse klingt) an manchen Punkten etwas anstrengend war, da Grace oftmals recht leidend dargestellt wird. Erst durch ihre Beschäftigung im Lillian's, ihrem Café, bekommt sie etwas Ablenkung und wird unterneh- mungsfreudiger, wenngleich das Thema damit nicht vom Tisch ist, da es immer wieder hochkocht. Ebenso ist auch Grace's Mutter eine ständige Konstante im Handlungsverlauf. Auch wenn sie tot ist, schreibt Grace ihr immer wieder Briefe, die sie allerdings für sich behält. Durch diese bekommt man ein ziemlich klares Bild von ihrer Person und dem Verhältnis der beiden, das sehr innig war. Die beiden waren mehr wie beste Freundinnen als wie Mutter und Tochter, haben viel miteinander unternommen und jede Menge Spaß gehabt. Allerdings sind die Erinnerungen an ihre Mutter nicht nur positiv. Wenn sie anfangs fürsorglich, willensstark, lebenslustig und durchsetzungsfähig erschien, so wandelt sich dieses Bild im Laufe der Geschichte. Oftmals schwankt ihr Gemütszustand, sodass sie emotional sehr bedürftig ist und versucht, Grace mit allen Mitteln an sich zu binden. Dieses Verhalten war für mich die ganze Zeit sehr rätselhaft, allerdings klärt sich später auf, was die Ursache dafür ist. Letztlich dienen die Briefe Grace dazu, all diese Erinnerungen zu verarbeiten und ihre Trauer zu bewältigen.
Durch das Café lernt Grace immer mehr neue Leute kennen, die die Geschichte bereichern und beleben. Was mir besonders an ihnen gefallen hat, war, dass sie überall herzukommen schienen. Die Gruppenzusammensetzung ist ziemlich multi-kulti, da Britinnen, Australier, Kantonesen und Franzosen aufeinander treffen. Vor allem Léon wird eine wichtige Bezugsperson für Grace. Mit ihm versteht sie sich auf Anhieb und er unterstützt ihr Geschäft durch seine ständigen Besuche, seine Vorschläge und seine Hilfe bei der Suche einer Aushilfskraft. Er ist also ziemlich toll, sodass ich gut nachvollziehen konnte, dass Grace eine Schwärmerei für ihn entwickelt (auch wenn er Franzose ist). Er ist ihr gegenüber wirklich aufmerksam, fürsorglich und charmant. In ihm hat sie einen Gleichgesinnten gefunden, was die Vorliebe für kulinarische Genüsse betrifft. Er ist ein Feinschmecker, offen für Neues und kreativ in der Zusammenstellung von Lebensmitteln. Genau das ist Pete nicht, weshalb Grace verstärkt das Gefühl hat, sie würden nicht auf einer Wellenlänge sein. Klar ist es schwierig, wenn nicht gar oberflächlich, diese Einschätzung nur an der Leidenschaft fürs Kochen und Backen festzumachen, aber im Wesentlichen steht seine mangelnde Begeisterung für Grace dafür, dass Pete kein Interesse für ihre Vorlieben zeigt. Das heißt aber nicht, dass Pete ein schlechter Ehemann oder "der Böse" in der Geschichte ist. Er hat auch seine süßen Momente und dass er Grace aufrichtig liebt, steht außer Frage. Durch die kleine Rückblende, wie sich die beiden kennen gelernt haben, schließt man ihn ebenso ins Herz wie Léon, auch wenn er vom Charakter her ganz anders ist. Von daher hab ich keine Abneigung gegen ihn entwickeln können. Im Gegenteil hab ich die ganze Zeit gehofft, dass Grace nichts mit Léon anfängt und bei ihrem Mann bleibt. In welche Richtung sich dieses Gefühlschaos entwickelt, verrate ich an dieser Stelle nicht, um nicht zu spoilern. Würde man jedoch ein Liniendiagramm des Spannungsverlaufs zeichnen, wäre es wohl eine fast durchgehende Horizontale mit zwei oder drei kleinen Ausschlägen nach oben. Soll heißen: die Handlung ist nicht sonderlich aufregend. Es gibt nur wenige Konfliktsituationen, die meist auch nur angeschnitten werden. Ebenso schnell, wie sie aufkommen, verblassen sie auch wieder. Daher haben sie bei mir keinen längerfristig bleibenden Eindruck hinterlassen. Für den Moment haben sie etwas Spannung erzeugt, waren aber nicht ausführlich genug, um mich emotional merklich zu berühren. Das ist besonders im Hinblick auf die Schicksale von Gigi und Rilla, Grace's Angestellte, schade, die ausreichend Stoff bereitgehalten hätten, um der Story einen neuen, interessanteren Anstrich zu verpassen. Mit Rilla hatte ich am Ende richtig Mitleid, da sie, wie man erfährt, mit einigen heftigen Rückschlägen zu kämpfen hatte. Im Endeffekt hatten diese Offenbarungen aber nicht viel mit der Story zu tun. 

Fazit


Der Duft von Tee schneidet Themen wie Freundschaft und Familie, Abschiede und Neuanfänge und Risikobereitschaft und den Wunsch nach Sicherheit an und hat damit die richtigen Zutaten für einen gelungenen Roman. Allerdings ist die Handlung weit weniger spektakulär als sie hätte sein können. Das Buch lässt sich gut lesen, war aber auch nicht atemberaubend. Für Inspirationen zum Thema Kochen und Backen eignet es sich aber allemal. 


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