Dienstag, 4. August 2015

REZENSION: "Ab morgen ein Leben lang" (Gregory Sherl)

Copyright Dumont Verlag

Titel: Ab morgen ein Leben lang

Autor: Gregory Sherl

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Dumont Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Hard Cover (18,00 €)

Seiten: 400

ISBN: 978-3-8321-9746-9


Inhalt:

Evelyn Shriner und Godfrey Burke stehen an zwei verschiedenen Punkten in ihrem Leben: während Evelyn gerade ihre Beziehung beendet hat, hat Godfrey seiner Freundin gerade einen Heiratsantrag gemacht. Durch Zufall treffen sie in der Praxis von Dr. Chin aufeinander, von dem sie sich ihre romantische Zukunft vorhersagen lassen wollen. Nur spaßeshalber geben sie den Namen des jeweils anderen in die außergewöhnliche Apparatur ein, die ihnen ihr zukünftiges Leben mit dem jeweiligen Menschen zeigt, und müssen überrascht feststellen, dass sie offenbar füreinander bestimmt sind. Handelt es sich dabei um einen Systemfehler oder um die wahre Liebe?


Cover


Ich habe zugegebenermaßen einen kleinen Faible für Bücher, auf denen Silhouetten von Pärchen abgebildet sind. Sie sind schlicht, aber romantisch, und lassen einem genug Spielraum, sich die Protagonisten so vorzustellen, wie man es will. Folglich ist es kein Wunder, dass Ab morgen ein Leben lang sofort meine Aufmerksamkeit erregt hat. Die Art und Weise, wie die Frau ihr Bein anhebt, erinnert mich außerdem an Plötzlich Prinzessin, weil die Hauptfigur Mia dort der Meinung ist, dass man daran merkt, dass man den Richtigen gefunden hat, wenn der Fuß "flippt".

Meine Meinung


Der Anfang des Romans hat mir, ehrlich gesagt, nicht besonders gut gefallen. Es beginnt mit Evelyns Trennung von ihrem Freund, die wenig theatralisch und emotional, sondern eher ruhig und sachlich verläuft. Mir ist durchaus klar, dass Beziehungen nicht immer mit einem Riesenstreit enden, aber die Art und Weise, wie Adrian und Evelyn geschildert werden, hat sie emotional etwas abgestumpft wirken lassen. Auch die "Verlobung" von Godfrey und Madge war nicht ganz so, wie man sie sich vorstellt, da sie nicht mit einer romantischen Geste aufwarten kann und das (von Godfrey) gewünschte überschwängliche "Ja" von Madge ausbleibt. Stattdessen möchte sie ihre Gefühle und ihre Beziehung "prüfen" und nimmt den Antrag nur unter Vorbehalt an. Schon von diesem Moment an konnte ich sie nicht leiden. Welcher Mensch sagt so etwas? 
Nach diesen ersten zwei Kapiteln, die mich nur bedingt begeistern konnten, musste ich meinen Ersteindruck jedoch revidieren: Evelyn stellt sich als sensible, nachdenkliche, einfühlsame, aber auch exzentrische Person heraus. Und auch Godfrey wächst einem durch seine kleinen Fehler, d.h. seine Vergesslichkeit und Verschrobenheit, ans Herz. Er ist nicht perfekt und sich dessen durchaus bewusst, was seinen Charme ausmacht. Allerdings kam es mir phasenweise so vor, als hätte er ein sehr geringes Selbstbewusstsein, da er öfter das Gefühl hat, er wäre seiner Freundin/Verlobten nicht würdig. Ich persönlich würde es eher umgekehrt betrachten. Vielmehr sollte Madge sich glücklich schätzen, jemanden wie Godfrey gefunden zu haben. Er gibt sich redlich Mühe, ihre Wünsche zu respektieren und zu erfüllen, und ist wirklich süß. Anstatt das anzuerkennen, ist Madge jedoch der Meinung, er würde sein Potential nicht ausschöpfen. Im Grunde zeigt sich daran, wie gänzlich unpassend die beiden füreinander sind. Umso offensichtlicher wird dadurch, wie perfekt Evelyn und Godfrey zueinander passen würden. Sie sind sich sehr ähnlich in ihrem Charakter, da sie beide nicht wirklich erwachsen werden wollen, immerzu Dinge vergessen, etwas verträumt und chaotisch sind und Entscheidungen treffen, über die manche eher den Kopf schütteln. 
Das Problem ist nun, dass sie einander nicht kennen bzw. sich nur ein einziges Mal gesehen haben. Das ist im Prinzip auch das Besondere an ihrer Geschichte: sie verlieben sich ineinander, weil sie sich zunächst nicht persönlich, sondern über die Zukunftsapparatur von Dr. Chin kennen lernen. Diese Maschine zeigt, wenn man den Namen eines Menschen in ihn eingibt, in einem kleinen Film, wie der gemeinsame Weg aussehen würde. Auch wenn diese Futuristik an den Maßstäben der Realität gemessen noch recht abgedreht und abwegig erscheint, so konnte ich mich während des Lesens darauf einlassen und es als potentiell möglich in Betracht ziehen. Ich habe die skurrilen Szenarien, die der Apparat präsentiert hat, sogar sehr genossen, weil ich mir selbst häufig die Frage nach dem "Was wäre wenn?" stelle. Man hat deutlich gemerkt, dass Gregory Sherl beim Schreiben viel Spaß gehabt haben muss, als er sich die verschiedenen Plots ausgedacht hat. Auch wenn Evelyn und Godfrey sehr häufig Gebrauch von der Maschine machen und es entsprechend viele solcher "Dr. Chin Productions" gibt, sind sie aber sehr kurz gehalten und überlagern daher nicht das eigentliche Geschehen. Genau genommen sind sie bloß der Anstoß dafür, dass Evelyn und Godfrey einander suchen.  
Typischerweise für eine romantische Komödie verläuft das Suchen und Finden nicht so unproblematisch wie erhofft, da einige "zufällige" Ereignisse ihnen Steine in den Weg werfen und Godfrey zudem noch immer verlobt ist. Verständlicherweise ist Madge wenig begeistert von Godfreys Umorientierung und erweist sich als durchtriebenes Miststück. Wenn ich sie schon zu Beginn nicht leiden konnte, dann hab ich sie spätestens ab da richtiggehend gehasst. Sie hat allerdings wesentlich dazu beigetragen, dass es gegen Ende ziemlich dramatisch geworden ist, was mir persönlich ganz lieb war. Ich bevorzuge es (meistens), wenn ein Roman mit Pauken und Trompeten endet und nicht still vor sich hinplätschert. Von daher war ich zufrieden. 
Zwar habe ich jetzt nur wenige Worte über die übrigen Charaktere (von denen es auch nur eine geringfügige Anzahl gibt) und parallele Handlungsstränge verloren, aber das heißt nicht, dass die mir nicht gefallen hätten. Im Gegenteil war ich z.B. von Evelyns bester Freundin Dot sehr begeistert, weil sie eine wunderbare Person und Freundin ist (aufbauend, energisch und aufgedreht). In ihr und ihrer Liebes- und Lebensgeschichte schlummert meiner Meinung nach eigentlich auch das Potential für ein Spin-Off. Ebenso interessant fand ich die Beziehung von Godfrey zu seinen Eltern, denn sie spielen eine wesentliche Rolle für seine Charakterentwicklung. Das hat mir mal wieder gezeigt, wie prägend die Kindes- und Jugendzeit für die eigene Persönlichkeit sein kann.   

Lieblingszitat


"Eine langfristige Beziehung zu führen ist keine Arbeit, Dr. A. Plotnik. Es ist vielmehr, als würde man nach Hause kommen." (S. 321)

Fazit


Ab morgen ein Leben lang ist in vielerlei Hinsicht eine typische Romantikkomödie, zeichnet sich aber durch eine außergewöhnliche Idee und ebenso außergewöhnliche Charaktere aus. Der Autor hat damit meine Vorstellung von der richtigen Mischung aus Gedankenspielen und Handlung getroffen, weshalb ich das Buch (trotz Startschwierigkeiten) mit Begeisterung verschlungen habe.


1 Kommentare:

Jeanne D'arc hat gesagt…

Huhu :)
Ich stöbere gerade etwas rum bei dir und dann habe ich dieses Schätzchen hier gefunden. Ich habe es auch gelesen es wurde mir damals von meine Buchhändlerin wärmsten empfohlen!
Alles Liebe
Janine

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