Samstag, 1. August 2015

Dieses Buch bleibt im Regal #6


Aller zwei Wochen beteiligen wir uns an der Aktion "Dieses Buch bleibt im Regal" von Damaris liest. und stellen euch so immer jeweils ein Buch vor, das uns besonders am Herzen liegt und das deswegen auf jeden Fall in unserem Bücherregal bleibt. Auch diesmal haben wir wieder ein paar Schätze rausgesucht, die wir ganz sicher nicht mehr hergeben werden.

In Svenjas Regal bleibt...

...ein Buch, das ich eben erst gelesen habe und das mir aus ganz verschiedenen Gründen garantiert für lange lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Wie viele Bücher gibt es schon, die einen von der allerersten Seite bis zur Danksagung derartig fesseln, dass man danach noch wie betäubt ist? Auf jeden Fall nicht viele. Ein solches Buch ist aber ohne Frage:

Ich will doch bloß sterben, Papa. Leben mit einer schizophrenen Tochter (Michael Schofield)

"Ich will doch bloß sterben, Papa" von Michael Schofield, Kösel Verlag

Ich will doch bloß sterben, Papa erzählt die Geschichte von Jani, einem Mädchen, das mit Schizophrenie geboren wird. Bis die Diagnose schließlich gestellt wird, müssen sich ihre Eltern Michael und Susan jeden Tag fragen, was mit ihrer Tochter nicht stimmt und wieso sie derart aggressiv und gewaltbereit ist, vor allem gegenüber ihres kleinen Bruders Bodhi. Susans und Michaels Alltag besteht darin, Jani so gut es geht von Bodhi fernzuhalten und ihr dabei zu helfen, sich gegen ihre Halluzinationen zu behaupten. Dabei kommen die Eltern immer wieder an ihre Grenzen und auch Jani leidet unvorstellbar unter ihrer Erkrankung und weiß genau, dass sie der Feind ist, der sie dazu treibt, Dinge zu tun, die sie überhaupt nicht tun will...
Schizophrenie ist eine grausame, unberechenbare psychische Krankheit, die nur äußerst selten bereits im Kindesalter auftritt. Umso schockierender, beklemmender und bewegender ist die Geschichte von Jani und ihrer Familie, die auf besonders einfühlsame Weise von ihrem Vater Michael erzählt wird. Während des Lesens kam es mir so vor, als stünde ich direkt neben ihnen und würde mitverfolgen, wie sie Tag für Tag scheinbar ohnmächtig einem übermächtigen Feind gegenüberstehen und Tag für Tag aufs Neue in die Schlacht ziehen. Man kann sich kaum vorstellen, wie schlimm es sein muss, ein Kind zu haben, das mit Schizophrenie geboren wird und das in vielen Situationen nicht es selbst ist, grausame Dinge tut und eine Gefahr für sich selbst und andere ist. Michael Schofield nimmt den Leser mit auf eine unglaublich fesselnde Reise aus der Dunkelheit ins Licht und lässt dabei kein noch so schockierendes Detail aus. Was diese Familie leistet, das ist einfach unglaublich. Und deswegen hat Ich will doch bloß sterben, Papa mich so tief berührt wie kaum ein anderes Buch zuvor. Ich kann es nur jedem empfehlen, obwohl die Lektüre wirklich alles andere als leicht ist.

Meine Rezension zum Buch findet ihr übrigens HIER


In Kathas Regal bleibt...

...ein Werk, das den meisten Lesern zumindest vom Namen her bekannt sein dürfte, zu dem ich aber erst "genötigt" werden musste, es zu lesen.
Die Rede ist von

Atonement von Ian McEwan
(dt. Abbitte)

Copyright Vintage Verlag

Bei meinem Exemplar handelt es sich um eine englischsprachige Ausgabe, weil ich es für ein Seminar meines Anglistikstudiums lesen musste. Zugegebenermaßen war dieses Buch eines der Gründe, warum ich mich in das Seminar eingeschrieben habe, denn ich kannte den Film (ja, manchmal drehe ich die Buch-Film-Reihenfolge um) und war von ihm begeistert. Weder am Buch noch an der Verfilmung habe ich viel auszusetzen.
Ein kurzer Abriss des Geschehens: Der Sommer 1935 ist ein denkwürdiger Moment im Leben von Cecelia und Robby. Auch wenn sich das Mädchen aus vornehmen Hause und der Sohn ihrer Angestellten schon seit Jahren nicht viel zu sagen haben, ist die Anziehung zwischen den beiden spürbar. Aufgrund eines Missverständnisses werden sie jedoch auseinander gerissen, ehe ihre Liebe Zeit hat, sich zu entfalten. Briony, Cecelias kleine Schwester, interpretiert die Gefühle der beiden völlig falsch und konstruiert aus den einzelnen Ereignissen des Sommers in ihrem Kopf ein Geschehen, das nicht der Realität entspricht. Robby wird als Verbrecher inhaftiert, kann aber seine Strafe später dadurch abmildern, dass er als Soldat im 2. Weltkrieg dient. Über diese Distanz und die Jahre der Trennung hinweg hält er den Kontakt und die Liebe zu Cecelia aufrecht.
Man bekommt als Leser beide Seiten geschildert: die von Cecelia und Robby und die von Briony, die mit der Zeit ihre Fehleinschätzung erkennt. 
Dieser ständige Perspektivenwechsel zwischen dem, was Briony glaubt für die Wahrheit zu halten, und dem, was wirklich geschehen ist, ist einfach absolut fesselnd und ein genialer Schachzug von Ian McEwan. Besonders der Twist auf den letzten Seiten hat mich innerlich fast zerrissen. 
Seit diesem Buch habe ich mir eigentlich vorgenommen, weitere Romane von McEwan zu lesen, habe es aber immer noch nicht geschafft, da mir die Plots bisher nicht so zugesagt haben wie der von Abbitte. Falls jemand eine Empfehlung hat, welches besonders gut und lesenswert ist, würde ich mich freuen :)


Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet, bis auf Weiteres, jeden zweiten Montag statt)

  • Verwende das Dieses Buch bleibt im Regal-Banner, und verweise damit auf den Ursprungsblog, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Wenn du magst, hinterlasse mir hier deinen Beitragslink als Kommentar, dann können interessierte Leser und ich zum Stöbern kommen.
  • Mach mit oder auch mal nicht. Am Aktionstag oder später - ganz egal. Die Aktion ist jedes Mal freiwillig. Sie soll gemeinsam Spaß machen und ggf. den Austausch anregen.

1 Kommentare:

Damaris Anna hat gesagt…

Liebe Katha, liebe Svenja,
Ui, da habt ihr aber spezielle Bücher ausgesucht. Sie gehen einem sicher sehr nahe. Ich habe von beiden Autoren noch nichts gelesen, habe aber noch "Der Zementgarten" von McEwan auf der Liste. Soll auch ein sehr hartes Buch sein.
Danke, Katha, für das Lob zur Rezi von "Rockoholic". Es ist auch ein sehr tolles Buch :-)
Liebe Grüße an euch,
Damaris

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