Freitag, 14. August 2015

DIES & DAS: Ein Thema, das mir am Herzen liegt...

Hallo meine Lieben,

heute soll es zur Abwechslung mal nicht um Bücher gehen, sondern um etwas Ernsteres. Ich möchte euch von etwas berichten, das mich bewegt und zu dem ich mich hier einmal klar positionieren möchte. Es ist ein Thema, das ziemlich kontrovers ist, mir jedoch wirklich am Herzen liegt. Ein Blog-Beitrag von die Kuchenbäckerin mit dem Titel "Der Flüchtling klaut mir meinen Fernseher! Oder: Verarscht werden ist das neue 20" hat mir deutlich gemacht, dass es an der Zeit, klar Position zu beziehen. Der Text hat mir aus der Seele gesprochen und so möchte ich die Gelegenheit nutzen, meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen und zwar zu dem Thema: Flüchtlinge in Deutschland.

Zugegeben habe ich mir lange keine wirklichen Gedanken über die Flüchtlingspolitik in unserem Land und Asylbewerber gemacht. Migranten beziehungsweise Deutsche mit Migrationshintergrund und Menschen, die bei uns Schutz vor dem Krieg oder den Zuständen in ihrem Land suchen, haben mich nie gestört - wieso auch? Dass man diesen Menschen helfen muss, war mir immer klar. Aber das ist nicht bei allen der Fall. Anfang des Jahres ging es los: Pegida beziehungsweise hier in Leipzig Legida marschierte wöchentlich unter dem Motto "Wir sind das Volk" und aus fadenscheinigen Gründen, die je nach Bedarf abgeändert und verformt wurden, um ja nicht ausländer- oder gar verfassungsfeindlich zu wirken. Und ich dachte: Diese Gruppe ist das Volk? Was ist mir? Ich bin genau wie diese "besorgten Bürger" Einwohner Deutschlands und ich habe eine ganz andere Meinung. So wie Gott sei Dank die große Mehrzahl der Einwohner von Dresden und Leipzig auch. Sind wir nicht alle das Volk? Mittlerweile sind die sogenannten Spaziergänge und ihre Anhänger zwar stark zurückgegangen, aber ein fader Nachgeschmack bleibt. Diese Organisationen haben einen Stein ins Rollen gebracht, der irgendwie nicht mehr aufzuhalten zu sein scheint. Und dieser Stein walzt - so kommt es mir zumindest vor - unsere Menschenwürde platt, unser Mitgefühl und insbesondere die Achtung vor dem Menschen selbst.

Wie ich das meine? Seither kann man täglich in einschlägigen sozialen Netzwerken und auch auf offener Straße mitverfolgen, wie gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland gehetzt wird, wie diese mit bereits integrierten Migranten, die hier leben, arbeiten und sich in die Gesellschaft einbringen, verwechselt werden und wie Töne laut werden, die einen doch stark an die Phrase "Deutschland den Deutschen" erinnern. Und das ist erschreckend. Viele Menschen scheinen vergessen zu haben, dass wir nicht in erster Linie Deutsche sind oder Franzosen oder Briten oder US-Amerikaner oder Russen oder oder...sondern Menschen! Die Familien, Kinder, Männer und Frauen, die verzweifelt, verarmt, verletzt und ohne jede Perspektive in unser Land kommen sind Menschen! Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Wie kann ich da die Arroganz aufbringen, abzuwinken, mit den Worten "Ich bin Deutscher, geht mich nichts an. Geht irgendwohin, aber nicht hierher"? Wieso sollte mich der Zufall, dass ich in diesem Land geboren bin und gerade von den Menschen abstamme, die meine Vorfahren und meine Familie sind, zu etwas Elitärem, etwas Besonderem machen? Was habe ich denn getan, um stolz darauf sein zu können, Deutsche zu sein? Gegen Ausländer, Migranten, Asylbewerber, Flüchtlinge zu sein - das ist etwas, das ich mit meinem Verstand schlicht nicht vereinbaren kann. Es klingt vielleicht etwas abstrakt und hochgegriffen, aber wir leben alle auf einem Planeten und dieser war nicht vornherein aufgeteilt in Länder. Ich verstehe nicht, wie man etwas verabscheuen, ablehnen oder hassen kann, was man im Prinzip selbst ist. Jeder von uns ist für viele Menschen auf dieser Welt ein Ausländer, aber im Grunde genommen haben wir doch alle die gleiche Geschichte.

Langsam kann ich auch die fadenscheinigen Argumente nicht mehr nachvollziehen. Gewalt, Kriminalität? Dazu kann ich nur sagen: Diese Eigenschaften sind kein Problem eines bestimmten Volkes, einer bestimmten Menschengruppe, sondern ein Problem der menschlichen Natur. Und wenn man verzweifelte und ausgezehrte Menschen auf engsten Raum zusammenpfercht, in einem Land, in das sie fliehen mussten, um zu überleben, dessen Sprache sie aber nicht können und dessen Einwohner ihnen immer öfter feindlich begegnen - ist es da tatsächlich noch eine Überraschung, dass es zu Gewalttaten und anderen kriminellen Handlungen kommt? Ich möchte das keineswegs legitimieren, ich möchte nur sagen, dass das ein Problem des Menschseins ist. Natürlich keines, das wir dulden müssen oder sollen, aber eines, das wir nicht nach Belieben als Argument einsetzen können, um unseren Hass auf andersfarbige, andersaussehende, anderssprechende und überhaupt andere Menschen zu rechtfertigen. Die Nachrichten sind täglich voller Gewalttaten in unserem Land und die werden zum größten Teil von Deutschen begangen. Sind wir nun ein Volk von Mördern und Verbrechern? Diese Frage sollte man sich mal stellen...

Ja, es gibt Handlungsbedarf. Auch und vor allem in Bezug auf die Flüchtlingspolitik. Aber statt sich immer nur Gedanken darüber zu machen, wie viele Menschen denn nun kommen und wie viele wir armen Bürger "ertragen" können, sollte man endlich mal anfangen, zu überlegen, wie man Flüchtlingen und Asylbewerbern helfen kann, sich hier zu integrieren, wie man sie schulen und unterstützen kann, bis sie entweder in diesem Land Fuß fassen und ein Teil unserer Gesellschaft werden können oder bis sich die Lage in ihrem Heimatland wieder entspannt hat und sie gefahrlos zurückkehren können. Denn grundsätzlich will der Großteil der Flüchtlinge und Migranten doch niemandem irgendetwas wegnehmen oder irgendjemandem auf der Tasche liegen - sie wollen ein friedlicheres, ein sicheres Leben und die meisten von ihnen wollen sicher in ihre Heimat zurück. Tut es uns denn da weh, unsere Heimat für eine Weile oder auch generell mit ihnen zu teilen? Nein - das tut es nicht! 

Wie es geht beziehungsweise wie es richtig gehen kann, habe ich heute in einem sehr sehr guten und persönlichen Artikel über eine fünfköpfige aus dem Irak gelesen, die vor dem Terror des Islamischen Staates in ihrer Heimat fliehen musste. Diesen Artikel findet ihr HIER. Was ich sehr aufschlussreich finde: Die Familie kam im letzten Jahr im Zuge eines Flüchtlingsprogramms nach Deutschland. Dieses Programm ermöglicht es seit diesem Jahr 500 Flüchtlingen, hierher zu fliehen. 500! 500 von mehr als 50 Millionen hilsfbedürftigen Menschen! Und das ist zu viel? Das ist wirklich zu viel für manch einen besorgten Bürger hierzulande? Es tut mir leid, aber das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. 
Die Verfasserin des Artikels ist übrigens ehrenamtliche Patin der Familie und begleitet sie in alltäglichen Situationen, unterstützt sie und hilft sie beim Erlernen unserer Sprache. So geht Integration! Seit einer Weile überlege ich nun, auch selbst Flüchtlings-Patin zu werden. Ich denke, so kommt Hilfe wirklich an.

Meiner Meinung nach ist es langsam an der Zeit, Vorurteile abzulegen und wenn man schon nicht selbst in der Lage ist zu helfen, dann wenigstens nicht zu pöbeln und rassistische Äußerungen vom Stapel zu lassen. Ständig bekommt man zu hören: Flüchtlingen geht es gar nicht schlecht, denn sie haben alle ein Smartphone, können sich ja die Überfahrt leisten, bekommen hier eine große, tolle Wohnung gestellt, leben hier in Saus und Braus, fahren ein dickes Auto etc. etc. Wie die Situation wirklich aussieht, davon kann sich jeder in einem Flüchtlingsheim in seiner Umgebung überzeugen. 

Ich weiß, das alles ist ein kontroverses Thema und selbstverständlich bildet sich jeder von uns eine eigene Meinung und möchte diese auch vertreten. Natürlich kann in diesem Land jeder seine Meinung äußern, aber bevor er dies tut, sollte er sich doch gründlich informieren, sich selbst überzeugen, auf seine Sinne vertrauen und vor allem auf seinen Ton achten. Das würde ich mir wirklich wünschen. Und ich würde mir auch wünschen, dass Menschen, die der gleichen Ansicht sind wie ich, nicht permament als sogenannte "Gutmenschen" oder "Schlafschafe" oder "vom System Manipulierte" bezeichnet würden. Ich bin einfach nur ein junger Mensch, der sich seine eigene Meinung bildet und das ganz bestimmt nicht aufgrund anderer Meinungen, die mir bescheinigen wollen: "So und so ist es, wenn du etwas anderes sagst, liegst du falsch!". Ich verstehe auch nicht, weshalb ein bekannter Schauspieler, der in Eigeninitiative ein Flüchtlingsheim errichten möchte und sich aus eigenem Antrieb für Flüchtlinge einsetzt, aufs Übelste beschmipft und mit noch schlimmeren Wörtern als "Gutmensch" bezeichnet wird; weshalb ein Politiker, der Flüchtlinge in seinem eigenen Haus aufnimmt und sie selbst unterstützt, aus der Bevölkerung bedroht und ebenfalls beschimpft wird!? Das zeigt mir eindeutig: Dieses "Ich hab nichts gegen Ausländer/Migranten/Flüchtlinge, aber.." gibt es nicht! Es werden sogar freiwillige Helfer niedergemacht, die einfach nur das tun, was sie persönlich für richtig halten. Da versteht man doch die Welt nicht mehr...

Momentan denke ich darüber nach, wie ich beziehungsweise wie wir alle Flüchtlingen helfen können. Ich würde gerne eine Aktion starten, um auf die Probleme aufmerksam zu machen und ein klares Zeichen gegen Alltagsrassismus in Deutschland zu setzen. Leider fehlt mir dazu noch die zündende Idee - was haltet ihr davon? Würdet ihr euch an einer solchen Aktion beteiligen und wie könnte die aussehen? Blogger können so viel tun und bewegen - wieso nicht auch in diesem Bereich?

Bitte entschuldigt nun den langen Post fernab unseres eigentlichen Themas. Aber auch wenn ich nur zu gerne in die traumhaften Fantasiewelten von Büchern abtauche, ab und zu ist es doch wichtig, auch mal den Kopf hinauszustecken und sich umzuschauen.

Liebe Grüße,
eure Svenja

*********

Edit:

In Hinblick auf die aktuelle Lage würde ich euch gerne auf eine Aktion aufmerksam machen und zwar: Blogger für Flüchtlinge. Auf der Seite könnt ihr euch informieren, spenden und außerdem herausfinden, wie ihr Flüchtlingen vorort gezielt helfen könnt. Wir werden uns ab jetzt beteiligen und euch in den nächsten Tagen auch in einigen Posts Hilfs- und Spendenmöglichkeiten vorstellen und auch darüber informieren, wie wir die Situation bei uns in Sachsen momentan erleben.

http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/

3 Kommentare:

tintenmaedchen hat gesagt…

Huhu,
ein sehr toller Post. Ich applaudiere virtuell.
Eigentlich sollte man doch wirklich meinen man hat aus dem was vor rund 70 Jahren passiert ist gelernt. Aber scheinbar ist das bei sehr vielen immernoch Wunschdenken.
Dabei sollte man nie vergessen, dass JEDER, auch wir hier in Deutschland mal in diese Situation geraten könnten. Vielleicht sind wir irgendwann auch dazu gezwungen uns zu entscheiden ob wir fliehen und was ist dann? Was erwarten wir dann wie uns die anderen Länder begegnen?
Mal ganz davon abgesehen, dass wir (nicht nur aber eben auch) die Kriege in den anderen Länderns tark mit finanzieren. Wir sind also mit verantwortlich für das was Menschen dazu veranlasst zu flüchten aber dann auch die Verantwortung dafür übernehmen und sie aufhnehmen das wollen viele nicht. Aber deren Leid verursachen ist in Ordnung. Super Sache, ganz großes Kino.
Dazu kommt noch, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch verhältnismäßig wenige Flüchtlinge aufnimmt. Und es gibt noch soviel was ich weiter dazu sagen könnte aber das wesentliche hast du ja bereits zusammengefasst.
In den letzten Monaten hatte ich so viele persönliche Begegnungen auch außerhalb der sozialen Medien mit diesem Thema und teilweise haben sie mir wirklich Tränen in die Augen getrieben.
Mal ein Beispiel: Ich saß an der Bushaltestelle und habe auf meinen Bus gewartet. Ein Mann kam dazu, welche Herkunft ist völlig nebensächlich. Vom Aussehen her jedenfalls war er kein Deutscher. Irgendwann nahm er eine Zigarette aus seiner Tasche und suchte scheinbar nach seinem Feuerzeug. Er kramte ewig herum aber konnte es wohl nicht finden also habe ich ihm meins angeboten und ihm gesagt er kann es behalten weil ich noch ein zweites in der Tasche habe. Er fragte bestimmt drei mal in stark gebrochenem Deutsch nach ob ich das ernst meine. Dann bot er mir an das Feuerzeug zu bezahlen. Ich habe abgelehnt und nochmal gesagt das sei alles kein Problem er dürfe es gerne als Geschenk behalten. Nach ein paar Minuten Stille fragte er nach meinem Namen. Wortwörtlich hat er gesagt "Wie heißt du Schwester?" Nachdem wir uns also namentlich vorgestellt hatten kamen wir ins Gespräch. Ich weiß nicht mehr über was wir alles geredet haben jedenfalls fing er irgendwann an zu weinen und fragte mich warum ihm so viele Menschen hier so feindlich begegnen. Ganz ehrlich? Ich wusste nicht was ich ihm antworten soll weil ich das Gefühl hatte nichts würde richtig sein. Ich habe mich geschämt in dem Moment.
Oder ein anderes Beispiel. Mein Sohn ist 5 Jahre alt und in seine Kindergartengruppe ist auch ein Geschwisterpärchen. Flüchtlinge, noch nicht lange hier in Deutschland. Keine Ahnung was sie in ihrem jungen Leben schon erleben und sehen mussten aber schön kann es nicht gewesen sein. Vorallem bei dem Junge zeigt sich das laut Erzieherin oft im Spiel. Jedenfalls gab es mal die Situation dass ein Mädchen diesen Junge die ganze Zeit geärgert hat. Laut Erzieherin ist einigen Mädels aufgefallen dass sie ihn damit provozieren können, dass er die deutsche Sprache noch nicht so gut kann. Sie hat ihn immer weiter geärgert bis er sich nicht mehr zu helfen wusste und sie einmal gegen das Bein getreten hat. Das hat dummerweise der Vater der Kleinen mitbekommen und ist daraufhin wutentbrannt auf den Jungen zugestürmt und hat ihm gedroht wenn er das nochmal tut würde er ihn "weg hauen". Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Erwachsener droht einem 5 Jahre alten Kind. Ein Kind welches sich lediglich gewehrt hat. Von einer anderen Mutter, die alles mitbekam, kam dazu dann tatsächlich noch der Kommentar dass wir in Zukunft noch sehr viel Spaß mit den Flüchtlingskindern haben werden. WTF??? Wie wäre es stattdessen mal damit der eigenen Tochter beizubringen jemanden nicht zu ärgern nur weil er die Sprache noch nicht richtig beherrscht?
Oh man mein Kommentar ist schon viel länger als er werden sollte. Sorry.

Liebe Grüße, Jenni

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo Jenni,

vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich musste mir das Ganze einfach mal von der Seele reden. Was du berichtest, hat mich wirklich sehr erschreckt und tief berührt. Ich kann es einfach nicht fassen, wie Menschen in diesem Land teilweise mit anderen Menschen, die ihre Hilfe dringend nötig haben, umgehen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ich in den Situationen, die du beschrieben hast, reagiert hätte. Vermutlich wäre ich zu geschockt gewesen, um überhaupt etwas herauszubringen. Es ist einfach unglaublich und so unendlich traurig.

Gerade eben hat mich auch wieder etwas wirklich bewegt. Bei uns in Leipzig kamen heute 500 Flüchtlinge an und wurden notdürftig in einer Turnhalle untergebracht. Einige Leipziger hatten daraufhin die Idee, für diese Flüchtlinge Willkommenspakete zu packen mit jeweils diesem Inhalt: ein Deo, eine Zahnbürste, eine Tube Zahnpasta, eine Seife und eine Packung Kekse. Diese Idee hat sich natürlich schnell verbreitet und wurde auch von unserer Lokalzeitung vorgestellt. Was daraufhin aus der Bevölkerung für Reaktionen kamen - unglaublich. Da regen sich die Menschen auf über eine Tube Zahnpasta, eine Packung Kekse, die für sie selbstverständlich zum Alltag gehören, für Flüchtlinge aber eine große Hilfe sein können. Es ist eine absolut freiwillige Aktion, aber sie rief schon wieder derartig viel Protest hervor, dass ich mich frage: Was ist nur los mit den Menschen hier? Die freiwilligen Helfer anfeinden, bedrohen und verpönen? Das ist etwas, das überhaupt gar nicht geht. Ich werde morgen auf jeden Fall Päckchen packen und mich auch schnellstens erkundigen, wie ich den Flüchtlingen außerdem noch helfen kann. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es ist, zusammen mit 499 anderen Personen Bett an Bett in einer Turnhalle zu hausen. Und da wird so gerne behauptet: Die kommen hierher, weil sie hier alles bekommen. Ist das etwa dieses ominöse "Alles"?

Liebe Grüße
Svenja

tintenmaedchen hat gesagt…

Hallo Svenja,
ich weiß ehrlich gesagt nicht was mit manchen Menschen los ist. Ich glaube zu einem großen Teil basiert das alles auf gefährlichem Halbwissen. Es ist nunmal wesentlich einfach gegen die "bösen" Flüchtlinge zu wettern als sich wirklich mit dem Hintergrund und der Politik zu beschäftigen. Außerdem hat man so auch noch ein Ventil um seinen Frust abzulassen für alles was im eigenen Leben vielleicht nicht optimal abläuft. Und alles was einem fremd ist, ist ja bei vielen generell erstmal schlecht und böse. Und ich glaube blindes Nachplappern spielt auch noch eine große Rolle. So kann ich das zumindest in meinem engeren Umfeld beobachten. Mein Stiefvater ist politisch rechts eingestellt. Meine Mutter ist eigentlich nichts ^^ Nennen wir es mal neutral aber eigentlich hat sie kein wirkliches Interesse an politischem Kram. Aber man merkt manchmal, dass sie sich von den Ansichten meines Stiefvaters beeinflussen lässt. Leider. Meine Schwester und ich sind dafür immer diejenigen die dagegen wettern.

Und natürlich bekommen die Flüchtlinge hier alles. Sieht man doch immer wieder in welch schicken Villen die wohnen oder nicht? *Ironie off* Da frage ich mich wirklich immer wie verblendet man sein kann. Teure Handys ohje, wie furchtbar. Könnten sie das schon vorher gehabt haben? Oder selbst wenn es neu WÄRE, ist es vielleicht die beste oder sogar einzige Möglichkeit Kontakt zur zurückgelassenen Familie zu halten?
Ich kann durchaus verstehen, dass Menschen hier unzufrieden sind aber ich finde es wird an den falschen Menschen ausgelassen. Flüchtlinge sind nicht verantwortlich für das was hier falsch läuft. Werden aber von gut genug Leuten, wie schon gesagt, als schuldig abgestempelt und als Ventil genutzt. Das geht einfach nicht. Das hat damals schon zu nichts geführt als Leid, Tod, Krieg und riesigem Chaos und es wird auch heute zu nichts anderem führen.
Und ganz ehrlich wenn das mit der Ausländerfeindlichkeit so weiter geht dauert es nicht lange bsi wir wieder in derselben Situation sind wie vor 70 Jahren. Lass nur zur richtigen Zeit den richtigen dafür um die Ecke kommen und wir haben den nächsten "Führer" und das Vierte Reich. Juhu -.-
Und es ist erschreckend was manche Leute von sich geben. Seit Wochen reduziert sich meine Freundesliste bei FB zum Beispiel regelmäßig um ein paar Leute weil die anfangen rechtes Zeug und ausländerfeindliche Parolen zu verbreiten. Sowas will ich gar nicht um mich haben und kicke solche Leute uneingeschränkt aus meiner Liste. Aber dafür ist es umso schöner zu sehen wie engagiert andere sind um Flüchtlinge willkommen zu heißen. Eine Freundin von mir wird sich jetzt auch im Flüchtlingsheim ihrer Stadt melden, weil sie dort zum Beispiel nach Leuten suchen die sich mit den Kindern beschäftigen. Vorlesen, spielen usw. Es ist so verflucht einfach zu helfen. Es reicht doch schon ein freundliches Wort oder Lächeln statt einem feindlichen Blick. So schwer ist das nicht und es kann so unglaublich viel bewirken.

Ganz liebe Grüße, Jenni

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