Montag, 6. Juli 2015

REZENSION: "Wunder wie diese" (Laura Buzo)

Copyright Arena Verlag

Titel: Wunder wie diese

Autor: Laura Buzo

Genre: Roman / Jugendroman / Liebesroman

Verlag: Arena Verlag

Erscheinungsjahr: 2012

Format: Hardcover (14,99), Taschenbuch

Seiten: 300

ISBN: 978-3-401-06733-9

Inhalt:

Die 15-jährigen Amelia sprüht nicht gerade vor Selbstbewusstsein und geht lieber in der Masse unter. Nur in Chris' Gegenwart ist das anders. Bei ihm fühlt sie sich akzeptiert und respektiert für die Person, die sie ist. Ihm vertraut sie all ihre Gedanken an, die Dinge, die sie liebt, und die Dinge, die sie hasst. Unweigerlich verliebt sie sich in ihn. Und wieso auch nicht? Er ist charmant, beliebt, gut aussehend, charismatisch und zaubert allen ein Lächeln ins Gesicht. Er hat nur einen Schönheitsfehler: Chris ist sieben Jahre älter als Amelia.

Cover

Das Layout ist in sich absolut stimmig: die Farben und Kontraste harmonieren super miteinander, die Blüten verleihen dem Ganzen etwas Träumerisches. Die Silhouetten nehmen zwar den größten Teil des Covers ein, aber sind vergleichsweise schlicht. Erst die Details formen das Cover zu einem Gesamtbild aus - ein absoluter Blickfang!

Meine Meinung

Zunächst einmal fand ich es äußerst erfrischend, dass Wunder wie diese kein typischer High School Roman ist. Die Handlung spielt sich hauptsächlich auf Amelias Arbeit ab bzw. verbringt sie einen Großteil ihrer Zeit mit ihren Arbeitskollegen/innen. Das Problem daran ist nur, dass mir - abgesehen von Chris - alle Mitarbeiter von Woolworth gänzlich unsympathisch waren. So richtig bin ich aus ihnen nicht schlau geworden, und die meiste Zeit empfand ich sie nur als merkwürdige Randcharaktere, aber das sollte wohl auch so sein. Zum Glück traf das auf Penny (Amelias beste Freundin) nicht zu, denn die meiste Zeit war sie angenehm und liebenswert, sodass Amelia nicht völlig zum Einsiedler mutiert ist. 
Von Amelia selbst war ich sehr positiv überrascht. Sie war keineswegs eine hoffnungslos romantische, naive Jugendliche, die den ganzen Tag an nichts anderes als an Chris denkt und sich der Illusion hingibt, dass sie eines Tages ein Paar werden, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Im Gegenteil betont sie schon von Anfang an, dass sie sich bewusst ist, wie aussichtslos die Situation ist und zieht sich selbst nicht als mögliche Kandidatin für ihn in Betracht. Sie versinkt deshalb aber nicht in Selbstmitleid, sonder kommentiert sich und ihre Gefühle auf sarkastisch-ironische Art, die mich begeistert hat. Trotzdem verkehrt sich der trockene Humor, durch den sie am Anfang noch besticht, im Verlauf der Geschichte öfter in schlechte Laune. In solchen Momenten wirkt sie wie eine typische Pubertierende. Das schließt auch ein, dass sie nicht nachdenkt und eher hormongesteuert agiert. Ich frage mich noch immer, was dieser Faux-Pas mit Jeremy sollte (und ob er überhaupt irgendeinen Sinn für das Geschehen hatte). Meistens machte sie aber einen nahezu erwachsenen Eindruck, besonders im Hinblick auf die Einschätzung ihrer Familienverhältnisse. Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum sie sauer auf ihren Vater ist, wenn er so untätig ist. Er sieht sich als Brötchenverdiener und deshalb bleiben der Haushalt und die Erziehung der Kinder an ihrer Mutter hängen. Dass sie dadurch und durch den Job als Lehrerin vollkommen überlastet ist, ist dabei kein Wunder. Umso schlimmer fand ich, dass ihm das scheinbar egal war. Auch wenn Amelias Mutter darin scheinbar keine Probleme sieht, aber ich persönlich hätte ihm mal gehörig die Meinung gesagt! 
Nachdem das gesagt ist, nun zurück zu den Protagonisten. 
Zugegebenermaßen war ich Chris gegenüber anfangs etwas skeptisch. Ich fand ihn zwar äußert amüsant und sprachbegabt, charismatisch und einnehmend, aber ich dachte auch, dass er Amelia gegenüber berechnend vorgegangen ist und sein Verhalten daher unverantwortlich war. Zumindest wirkte es so, als würde er bewusst mit ihr flirten und mit ihren Gefühlen spielen, so, wie er es auch bei den anderen Mädchen tut. Dass ich mich geirrt habe und tatsächlich wahre Zuneigung dahintersteckt, habe ich erst später gemerkt. Er ist in der Tat sehr vernünftig und nicht annähernd so flapsig, wie er sich immer gibt. Manchmal musste ich dennoch über seine Theatralik und überdrehte Ader die Augen verdrehen, ganz einfach, weil ich es nicht mag, wenn jemand immerzu nach Aufmerksamkeit heischt. Außerdem hätte ich am liebsten jedes Mal, wenn er Amelia "Kleine" genannt hat, einen Schreikrampf bekommen. Ich vermute, dass es für ihn eine Art Schutzreaktion war, denn dadurch hat er sich und ihr immer wieder ins Gedächtnis gerufen, dass sie viel zu jung für ihn ist. 
Besonders gut hat mir an der Geschichte der zwischenzeitliche Perspektiven- wechsel gefallen. An die Stelle von Amelias Erzählung treten die Tagebuch-einträge von Chris, sodass man seine Sicht auf die Dinge und auf Amelia besser nachvollziehen kann. Aus ihnen wird auch deutlich, dass er keineswegs der ständige Gute-Laune-Bär und Stimmungsmacher ist, als der er auftritt. Ich würde sogar das Gegenteil behaupten, denn er erschien mir häufig sehr unzufrieden, fast schon verbittert und introvertiert. Das liegt vor allem an seiner gescheiterten Beziehung mit Michaela, der er noch immer hinterhergetrauert hat. Phasenweise waren die glorifizierenden Beschreibungen ihrer Person etwas anstrengend, weil er sich meines Erachtens zu sehr seinem Selbstmitleid hingegeben hat, aber gegen Ende hat er dieses Muster immer häufiger durchbrochen. Dadurch, dass er sich offiziell zum "Vorsitzenden des Amelia-Fan-Clubs" erklärt hat, hat er mich schließlich vollends für sich gewonnen. 
Dass Chris und Amelia auf einem Level sind, hat man im Verlauf der Handlung immer deutlicher gesehen. Sie bringen sich gegenseitig zum Nachdenken (und mich ehrlich gesagt auch) und dazu, in ihrem Charakter zu reifen. Dennoch hat das das eigentliche Problem nicht aus der Welt geschafft, denn der Alters- unterschied bestand nach wie vor. Deshalb halten sich die Liebesbekundungen und der körperliche Kontakt sehr in Grenzen, selbst nachdem sich beide Seiten über ihre Gefühle im Klaren sind. Auch der Schluss bietet keine passende Lösung, allerdings kann man sagen, dass unter den gegebenen Umständen das Ende durchaus positiv ausgefallen ist. Es kam noch einmal zu einer süßen Szene und auch, wenn es sehr vage in Bezug auf die Zukunft der beiden ist, stimmt es mich doch optimistisch. 

Lieblingszitat

"Nachdem wir Die Glasglocke und Othello hinter uns gebracht haben, fangen wir nächste Woche in der Schule mit Große Erwartungen an. Ich verschlinge das Buch, was mich wundert, weil David Copperfield in mir vor Langeweile den Wunsch aufkommen ließ, meine Hand in einen Mixer zu stecken." (S. 43)

Fazit

Wunder wie diese hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Charaktere bestechen durch ihren trockenen Humor, ihre wunderbare Dynamik und schöne Dialoge. Laura Buzo schreibt auf eine anregende, jugendliche Art und Weise, die vor Selbstironie nur so trieft, und verhindert damit, dass die Geschichte in übersteigerte pubertäre Gefühlsduselei abdriftet. Ich freue mich auf jeden Fall auf kommende Bücher der Autorin.


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