Mittwoch, 1. Juli 2015

REZENSION: "Paris ist immer eine gute Idee" (Nicolas Barreau)

Copyright Thiele Verlag

Titel: Paris ist immer eine gute Idee

Autor: Nicolas Barreau

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Thiele Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Hard Cover (18,00 €)

Seiten: 365

ISBN: 978-3-85179-235-5


Inhalt:


Rosalie kann ihr Glück kaum fassen, als sie den Auftrag bekommt, die neue Geschichte des Kinderbuchautors Max Marchais zu illustrieren. Kurz nach der Veröffentlichung des Blauen Tigers reist der Amerikaner Robert nach Paris. Dort fällt ihm im Schaufenster von Rosalies Papeterie das Buch ins Auge. Er ist entsetzt, denn es handelt sich dabei doch eindeutig um die Geschichte, die ihm seine Mutter seit seiner Kindheit erzählt. Sofort bezichtigt er Rosalie und Max des Plagiarismus und droht, sie zu verklagen. Doch ganz so simpel ist es dann doch nicht, denn Marchais hält an der Behauptung fest, dass die Geschichte von ihm stammt. Trotz ihres schlechten Starts begeben sich Rosalie und Robert auf die Suche nach Antworten und kommen sich dabei immer näher.  

Cover

Von der Farbgebung und der Motivik ist es ein typisches Barreau-Roman-Cover. Es wirkt idyllisch, romantisch, verträumt und versetzt einen sofort in die Stimmung, die man auch während der Lektüre hat. Es ist sogar mein Lieblingscovern unter den Büchern, die ich bisher von ihm gelesen habe. Das liegt nicht zuletzt an der abgebildeten jungen Frau. Ich finde den Ausdruck auf ihrem Gesicht einfach wunderschön, weil es so aussieht, als würde sie das Leben in vollen Zügen genießen. Außerdem liebe ich ihre Frisur, da sie wunderbar zu ihrer zarten Statur passt.Also wirklich gut gewählt.

Meine Meinung

Paris ist immer eine gute Idee liest sich genauso federleicht wie alle anderen Bücher von Nicolas Barreau (oder sollte ich liebe Daniela Thiele sagen?*). Die Narration in diesem Roman erinnert mich ein wenig an Woody Allen-Filme (vor allem, weil ich mir Max Marchais so skurril vorstelle, wie ihn, wenn auch ohne die Vorliebe zu jüngeren Freundinnen) oder die bei der Serie Pushing Daisies. Die Erzählinstanz springt zwischen den drei Hauptfiguren Rosalie, Max und Robert hin und her und passt sich entsprechend im Stil an. Rosalies Perspektive kommt eher verträumt und malerisch daher, Robert wirkt eher pragmatisch veranlagt und Max wechselt zwischen Melancholie und Humor. Daran zeigt sich, wie facettenreich Barreau/Thiele schreiben kann. Das wird auch durch die Geschichte Der blaue Tiger deutlich, der Erzählung für Kinder, die Max Marchais verfasst hat und die auch im Roman selbst abgedruckt ist. Für ein kindliches Publikum zu schreiben ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung und bedarf entsprechender Formulierungen. Mir persönlich hätte sie als Kind wahrscheinlich auch gut gefallen.  
Mir ist aufgefallen, dass es einige Aspekte gibt, die scheinbar immer in Barreaus/Thieles Büchern auftauchen. Zum einen das Motiv des Buches bzw. dass das Verlagswesen in irgendeiner Weise thematisiert wird, zum anderen die Erwähnung kleiner Cafés. Außerdem weist der Roman einige Parallelen mit Das Lächeln der Frauen auf. Besonders die Polizisten-Szene am Anfang und auch, dass sich Rosalie und Robert zunächst nicht leiden können und sich bei ihrem ersten Treffen streiten, hat mich an Das Lächeln der Frauen erinnert. Bis jetzt mag ich das, weil die Bücher dadurch einen gewissen Wiedererkennungswert haben, aber ich könnte mir vorstellen, dass ich auf Dauer etwas davon gelangweilt sein werde.
Das Buch ist in gewohnter Weise sehr unterhaltsam geschrieben. Viele Szenen haben mich wirklich zum Lachen gebracht. Zum Beispiel als sich Rosalie und Robert gegenseitig die Vorurteile über Amerikaner und Franzosen an den Kopf werfen oder als Max im Krankenhaus landet (an sich ist das nicht witzig, aber die Art und Weise, wie die Situation beschrieben wird, schon). Bei Letzterem sieht man dann auch wieder, wie "gefährlich" eine Liebe zu Büchern ist.
Gleich zu Anfang habe ich mich ein wenig über die Namengebung der Figuren gewundert: nahezu alle beginnen mit "R". Allerdings hat das, wie sich später herausgestellt hat, auch einen triftigen Grund. 
Von allen Charakteren, von denen es wieder einmal vergleichsweise wenige gab, war Max Marchais mir der Liebste. Zuerst wirkte er skurril und verschroben auf mich, aber im Verlauf der Handlung habe ich ihn immer mehr ins Herz geschlossen. Er war auf seine Weise komisch und bezaubernd und die Geschichten und Weisheiten, die er von sich gibt, haben ihr Übriges getan. Auch wenn ich Rosalie und Robert natürlich keinesfalls missen würde (schließlich sind sie die zentralen Figuren der Geschichte), so hat er ihnen doch mit seiner Art gewissermaßen die Schau gestohlen. 
Rosalie war mir von Anfang an sympathisch. Die Idee, dass sie die Besitzerin einer Papeterie ist und Karten gestaltet, hat mir sehr gut gefallen. Ich liebe Postkarten und die von Rosalie werden so malerisch beschrieben, dass ich sie mir sehr künstlerisch und schön vorstelle. Ich wünschte, ihren Laden würde es wirklich geben bzw. dass man diese Karten irgendwo bestellen könnte. Der Laden und die Karten waren ebenso zuckersüß und romantisch wie Rosalie selbst, die meiner Meinung nach in ihrem eigenen kleinen Kosmos lebt. Sie ist eine Künstlernatur und deshalb habe ich auch nicht ganz nachvollziehen konnte, warum sie mit einem Sportfreak wie René zusammen ist. Er ist zwar kein Idiot, aber die Art und Weise wie er sie immerzu zu einer gesunden Lebensweise und zu mehr sportlicher Aktivität motivieren wollte, ging mir ein wenig auf die Nerven. 
Eine ähnliche Frage habe ich mir auch bei der Beziehung zwischen Robert und Rachel gestellt, denn sie war ganz klar nur daran interessiert, dass er möglichst viel Geld verdient, wovon sie unweigerlich profitieren würde. Umso glücklicher war ich darüber, dass er selbst Zweifel an der Beziehung hatte und auf ihr Ultimatum nicht eingegangen ist. Ich hatte auch kein wirkliches Mitleid mit ihr, als Robert sie ja gewissermaßen mit Rosalie "betrogen" hat, denn spätestens am Ende hat sie gezeigt, wie biestig und intrigant sie ist. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man ihre Intrige auch weitaus mehr hätte ausbauen können. Sie hat zwar ein kleines dramatisches Hoch herbeigeführt, aber das Problem, das sie heraufbeschworen hat, wurde auch sehr schnell wieder beseitigt, sodass auch das Ende selbst recht plötzlich kam. Außerdem bin ich kein wirklicher Fan davon, wie schnell sich die Romanze zwischen Robert und Rosalie entwickelt hat, denn im Grunde vergehen zwischen ihrem Kennenlernen und ihrer Liebe nur wenige Tage. Ich drücke in der Beziehung deshalb ein Auge zu, weil ich der Meinung bin, dass der Roman sich mehr auf das Entschlüsseln des Rätsels (d.h. wie es sein kann, dass Max und Roberts Mutter ein und dieselbe Geschichte "verfasst" haben) als auf die Beziehung der beiden fokussiert. Auch wenn die Lösung selbst nicht gänzlich überraschend war, so gefiel sie mir dennoch sehr gut.

Lieblingszitat


"Ein entsetzlicher Schmerz schoss ihm durch die Hüfte bis tief ins rechte Bein, und sein Kopf dröhnte, als ob in seinem Schädel die Glocken von Notre-Dame zum letzten Gebet läuteten.
Wenigstens sterbe ich umgeben von Büchern, dachte Max, bevor ihn eine gnädige Ohnmacht umfing." (S. 198-199)

Fazit

Ich habe von dem Roman genau das bekommen, was ich mir erhofft hatte, und sogar noch ein bisschen mehr: eine kleine herzerwärmende Liebesgeschichte im gewohnt amüsanten Stil des Autors, die zusätzlich dazu noch eine Rätsel beinhaltet, das in der Vergangenheit der Protagonisten liegt. Lediglich das Ende konnte mich nicht vollends begeistern, da es so wirkte, als sollte der Roman zu einem schnellen Abschluss kommen.



* Ich habe bei meiner "Recherche" gelesen, dass es sich bei Nicolas Barreau um ein Pseudonym von Daniela Thiele handelt. 

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