Samstag, 25. Juli 2015

REZENSION: Legend - Fallender Himmel (Marie Lu)

Copyright Loewe Verlag

Titel: Legend 01 - Fallender Himmel

Autor: Marie Lu

Genre: Dystopie

Verlag: Loewe Verlag

Erscheinungsjahr: 2012

Format: Hardcover (17,95 €), TB

Seiten: 368

ISBN: 978-3785573945



Inhalt:

Los Angeles in der Zukunft: Unzählige Naturkatastrophen haben die Stadt und das Umland zerstört, doch nicht nur das - die neu gegründete Republik von Amerika führt einen erbitterten Krieg gegen die angrenzenden Staaten, die sogenannten Kolonien. Die Stadt selbst ist in verschiedene Sektoren und Armenviertel unterteilt. In einem davon wächst der gewievte Day auf, der mit seinen 15 Jahren bereits als Meisterdieb und erbitterter Gegner des Regimes untergetaucht ist. Schließlich wird June Iparis, das sogenannte Wunderkind der Republik, auf Day angesetzt, denn dieser steht in Verdacht, ihren Bruder getötet zu haben. Während June Day auf der Spur ist, stößt sie auf so manche Ungereimtheit und muss sich fragen, ob er wirklich der Mörder ihres Bruders ist oder ob es nicht doch die Anführer des Regimes sind, die etwas vor ihr und den anderen Einwohnern verbergen. Was genau steckt in Wahrheit hinter der Seuche, die sich in den städtischen Armenvierteln ausbreitet und was hat es mit den angeblichen Arbeitslagern auf sich, in welche als minderwertig eingestufte Kinder abtransportiert werden? Was tut die Republik von Amerika ihren Untertanen tatsächlich an? Wer ist Meisterdieb Day wirklich?


So gefällt mir das Cover:

Das Cover wirkt mysteriös und erregt auf jeden Fall Aufmerksamkeit. Was man auf dem Bild nicht sieht: Der Umschlag der Hardcoverausgabe ist recht edel verarbeitet, das goldene Siegel der Republik und der Titel sind darauf geprägt. Trotzdem ist das Cover nicht gerade einer meiner Favoriten, denn es wirkt ein wenig leer und außerdem ist es größtenteils weiß, was ich gar nicht mag. Ein Buch hat man nun mal oft in der Hand, liest es auch mal draußen oder isst nebenbei etwas und auf einem weißen Umschlag sieht man einfach jeden noch so kleinen Fleck sofort.

Meine Meinung:

Dystopien sind zwar langsam ziemlich ausgenudelt, begeistern mich aber immer noch und Legend -Fallender Himmel versprach eine etwas andere, neuartige Geschichte. Dieses Versprechen hat der Roman teilweise gehalten, denn die Idee unterscheidet sich zumindest hauptsächlich von anderen Dystopien wie Panem und Die Bestimmung. Erst einmal hat Legend zwei Protagonisten im gleichen Alter - den rebellischen Day und die junge Republik-Soldatin June -, aus deren beider Sicht abwechselnd erzählt wird. Vor allem zu Beginn der Geschichte erfährt man so aus zwei völlig unterschiedlichen Blickwinkeln etwas über das Leben in Los Angeles und das neue Regime, was sehr interessant und innovativ ist, denn so bekommt man keine vorgefertigten Informationen, sondern bildet sich als Leser selbst eine Meinung. Auch die Idee an sich kann überzeugen, denn anders als bei den meisten Dystopien, liegt der neuen Gesellschaftsform (auch hier eine gut verpackte Diktatur mit Zensur, Propaganda und Personenkult) anscheinend kein Krieg oder ähnliches zugrunde, sondern eine Reihe von Naturkatastrophen, die noch immer auftreten und Los Angeles und andere Städte der USA (im Roman aufgeteilt in Republik von Amerika und Kolonien) verwüsten. Inwieweit diese Katastrophen eventuell von den Menschen verschuldet werden (Stichwort Klimaerwärmung), wird nicht thematisiert, was mich aber beim Lesen überhaupt nicht gestört hat.
Die Voraussetzungen für eine wirklich gelungene und neuartige Dystopie sind also auf jeden Fall da. Von Beginn an fesseln konnte mich die Geschichte allerdings nicht ganz, denn der Einstieg war mir etwas zu abrupt und die Hintergrundgeschichte hätte für meinen Geschmack eine etwas größere Rolle spielen können (eventuell wird das jedoch auch noch in den beiden nachfolgenden Teilen behandelt, das ist ja bei Dystopien häufig der Fall). Ich tat mich einfach schwer damit, in die Geschichte hineinzukommen und die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen, denn diese war nicht ganz so vereinnahmend und gut vorstellbar, wie ich es gewohnt bin.
Während Day als Charakter mich stellenweise wirklich beeindruckt hat und ich mich gut mit ihm identifizieren konnte, hatte ich anfangs mit June so meine Probleme. Sie stolziert durch die Gegend, immer wieder betonend, dass sie das Wunderkind der Republik ist, da sie im Test, den alle 10-Jährigen absolvieren müssen, als einzige die volle Punktzahl erreicht hat. Sie muss also einen entsprechend hohen IQ haben und wird von den anderen Personen, zum Beispiel ihrem Bruder Metias, dessen Freund Thomas und Commander Jameson, auch so behandelt. Allerdings ist sie so dermaßen schwer von Begriff und nicht in der Lage, irgendetwas zu durchschauen, dass sie teilweise schon mit der Nase regelrecht auf eigentlich offensichtliche Dinge gestoßen werden muss, um endlich zu begreifen. Auf der einen Seite ist sie so selbstsicher, so tough und geschickt und auf der anderen dermaßen naiv, verwöhnt und unselbstständig, dass es manchmal schon weh tut. Da kommt dann die sich entwickelnde Beziehung zu Day, hinter dem viel mehr steckt, als man zu Beginn vermutet, ins Spiel. Day ist in der Lage, June aus ihrem Wachschlaf zu erwecken und ihr die Augen zu öffnen - und ab dem Moment wird sie mir immer sympathischer, denn hier offenbaren sich ihre wahren Stärken und ihr ungebrochener Wille.  Demzufolge ist es vor allem ab der Mitte, ab welcher der Roman richtig spannend wird, insbesondere der Einfluss, den Day und June jeweils auf den anderen ausüben, der die Geschichte trägt. 
Dazwischen sorgen jede Menge Action, Kampfszenen und erschreckende Entdeckungen für gute Unterhaltung. Da wäre zum Beispiel die mysteriöse Seuche, hinter deren grausamen Ursprung June und Day gemeinsam kommen; die sich offenbarende Skrupellosigkeit des Regimes, der Krieg der Republik gegen die angrenzenden Staaten (die sogenannten Kolonien), das ein oder andere Missverständnis und auch einige Charaktere, die schon im ersten Teil ihr Leben lassen müssen. In Verbindung mit dem flüssigen Schreibstils Marie Lus ergibt sich so eine wirklich spannende und kaum langweilige Geschichte, die oftmals rasant und unerwartet verläuft und auf einer wirklich guten Idee basiert.


Mein Fazit:

Legend ist eine mehr als solide Dystopie, die vor allem mit ihrer innovativen Thematik begeistert. Die Geschichte steckt voller Dramatik, Action und ja - auch Liebe. Was mich nicht ganz überzeugen konnte, waren die Atmosphäre und die Protagonistin June, die mir einfach zu widersprüchlich gezeichnet ist. Dennoch hat der Roman mich wirklich gut unterhalten, denn es passiert eine ganze Menge, ohne dabei jedoch überladen zu wirken. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die beiden Fortsetzungen und auf das, was June und Day - die wie vom Klappentext versprochen tatsächlich gemeinsam am stärksten sind - zusammen erleben und bewerkstelligen. Die Idee ist gut und unterhaltsam umgesetzt. Trotz kleinerer Schwächen ist Legend also genau das richtige Buch für Dystopie-Fans, die nicht immer nur das gleiche lesen wollen.

 

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen