Mittwoch, 29. Juli 2015

REZENSION: "Ich mag Regen. Traurige Liebesgeschichten aus meinem Leben" (Marvin Ruppert)

Copyright Satyr Verlag

Titel: Ich mag Regen. Traurige Liebesge-            schichten aus meinem Leben

Autor: Marvin Ruppert

Genre: Humor / Satire

Verlag: Satyr Verlag

Erscheinungsjahr: 2014

Format: Taschenbuch (8,90 €)

Seiten: 125

ISBN: 978-3-944035-31-4


Inhalt:

Nicht jede Beziehung ist dazu bestimmt, ein Leben lang zu halten. Dafür gibt es einfach zu viele Gründe, die eine Trennung herbeiführen können - zumindest ist das bei Slam Poet Marvin Ruppert der Fall. Kuscheltiere und Heuschnupfen haben dabei eins gemeinsam: sie können der Auslöser für das Ende einer Beziehung sein. Trotz allem gibt er nicht auf und wagt immer einen neuen Versuch. Welche Erfahrungen er gemacht hat, schildert er selbstironisch in diesem Sammelband. 


Cover

Ich mag das Cover deshalb, weil die Symbolik sehr gut durchdacht ist. Auf den ersten Blick sieht Ich mag Regen nach gepflegtem Pessimismus aus: Schirme sollen ja eigentlich vor Regen schützen und nicht selbst welchen absondern. Eine andere Bedeutung bekommt die Zeichnung allerdings in Zusammenhang mit dem Titel: Marvin Ruppert mag Regen und kann daher jeder noch so deprimierenden Situation etwas Positives abgewinnen. Es stimmt also schon gut auf die Geschichten ein. 

Meine Meinung


Entweder kann man Ich mag Regen häppchenweise lesen, wenn man nach einer gescheiterten Beziehung vielleicht gerade das Gefühl braucht, nicht allein mit dieser Situation zu sein und etwas Aufmunterung braucht (denn offensichtlich geht es noch schlimmer), oder man liest es (so wie ich) in einem Rutsch durch. Möglich ist beides, denn es handelt sich um eine Ansammlung von 21 Kurzgeschichten, wobei "kurz" hier wörtlich und nicht relativ zu verstehen ist, denn einige sind lediglich 3 Seiten lang. Das hat durchaus seine Berechtigung, wie ich finde, denn die Kürze der einzelnen Episoden entspricht damit der kurzen Zeit, die man braucht, um eine Beziehung zu beenden. Gestört hat mich diese Prägnanz nur beim Kapitel "Konglomerat", von dem ich mir gewünscht hätte, es wäre länger. Darin kommt er auf Streittypenkategorien zu sprechen, bei denen er und seine (nun Ex-) Freundin einzelnen Auseinandersetzungen einen Namen zugewiesen haben. Dieser besteht aus Austragungsort und einem Filmfortsetzungstiteln, sodass so schöne Titel zustande kommen wie "Standesamt 2 - Die Kammer des Schreckens". An der Stelle hätte ich wirklich nichts dagegen gehabt, wenn er die einzelnen Szenarien noch etwas ausgeführt hätte. 
Auf jeden Fall sind manche Momente ziemlich skurril, sodass man sich berechtigterweise fragen kann, wie viel davon wahr und wie viel der künstlerischen Imagination entsprungen ist. Ich persönlich bete zu Gott, dass er nicht wirklich so ist, wie er sich in dem Buch präsentiert. Zwar habe ich mich gut amüsiert (besonders die Kommentare in den Fußnoten sind herrlich), aber in der Realität hätte ich wohl hilflos den Kopf geschüttelt oder ihm einen gezielten Schlag auf den Hinterkopf versetzt, weil er sich in manchen Situationen extrem dämlich angestellt hat. 
Neben den Liebesgeschichten aus seinem eigenen Leben gibt es noch einige Kapitel, die sich mit den Beziehungen seiner Freunde und Familie befassen oder auch mal mit seinem Studentenleben. Besonders da habe ich mich angesprochen gefühlt. Nur zu gut kenne ich das Gefühl, dass so ziemlich alles interessanter erscheint, als das Schreiben seiner Diplom (oder in meinem Fall der Bachelor-) Arbeit - selbst Putzen hat da einen gewissen Reiz. Von mir aus hätte es zu dem Thema noch etwas mehr sein können, aber das würde wohl nicht so recht in den Rahmen passen.
Im Wesentlichen dienen die Stories aber hauptsächlich dazu, Marvin Rupperts Gefühl für Sprache und seine Erfahrung als Slam Poet herauszustellen, die man ihm auch deutlich anmerkt. Er mag Wortspiele (darauf weist er auch explizit hin) und bei manchen seiner Sätze muss man etwas um die Ecke denken, um die Doppeldeutigkeit oder Tiefgründigkeit dahinter zu sehen.
Mit dem letzten Kapitel, in dem er auf Woyzeck anspielt bzw. Parallelen zu Büchners Werk zieht (ohne Frage eine Überdramatisierung und deswegen selbstverständlich auch nicht ernst zunehmen), lässt er dann auch noch gekonnt seine Affinität zu Literatur bzw. seine Belesenheit, die man als Verleger und Lektor mitbringt (bzw. mitbringen sollte), durchscheinen. Man erweitert also beim Lesen seinen Horizont. Übrigens habe ich ein neues Fremdwort gelernt: "Paruresis". Wer will, kann es gerne mal googlen - in welchem Zusammenhang das mit einer der Geschichten steht, verschweige ich allerdings aus "Spannungsgründen". 

Lieblingszitat


"Meine Geschichten sind oft wie meine Beziehungen. Schöner Anfang, hässlicher Schluss." (S. 58)

Fazit

Ich mag Regen eignet sich für einen zeitweiligen Ausbruch aus dem (Lese-) Alltag und ist daher perfekt, wenn man in Bus oder Bahn sitzt und die Zeit überbrücken will, ohne dann an der Haltestelle das Dilemma zu haben, dass man an der spannendsten Stelle unterbrochen wird. Die Geschichten sind kurz und knackig und gut dosiert und triefen vor Selbstironie und Hyperbeln. Noch unterhaltsamer wären sie allerdings bei einem Poetry Slam, weil die Wirkung solcher Texte von der entsprechenden Vortragsweise und der Reaktion des Publikums lebt.


Mehr zum sympathischen Marburger, zu seinen Buchprojekten, seiner Slam Poetry und seinen persönlichen Auftritten erfahrt ihr HIER.

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